Foto: Hans-Dieter Seufert
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Audi S8

Auf Zehn-Spitzen

Auch in der Oberklasse pflegt Audi die sportliche Note: Als dynamischere Alternative zum A8 W12 bringen die Ingolstädter nun den Audi S8. Sein Glanzstück: ein V10-Motor mit 450 PS. Das neue Modell ist die Fortführung der S8-Idee mit den Mitteln des aktuellen A8 und wird ab Juli 2006 zu haben sein.

Wer kauft eigentlich eine auf sportlich getrimmte Luxuslimousine? Die Frage ist nicht ganz unberechtigt. Schließlich tritt ja auch keiner im Dinnerjacket zum Hürdenlauf an. Luxus im Auto, das ist maximaler Komfort bei minimaler Anspannung.

Sportlichkeit ist für gewöhnlich das Gegenteil. Dennoch gibt es sie, die Nische, wie die Erfahrung zeigt. Mercedes besetzt sie mit den AMG-Varianten, Audi hat den S8 – und keiner kann sich über mangelnde Nachfrage beklagen. Was Audi betrifft, ist das freilich schon eine Weile her, denn der letzte S8 basierte noch auf dem Vorgänger des heutigen A8.

Doch die Sache hatte sich, wie man versichert, gelohnt: Der Anteil der S-Versionen am A8-Volumen lag bei zehn bis zwölf Prozent, in manchen Märkten auch höher. Verständlich also, dass Audi nun nachlegt. Das neue Modell ist die Fortführung der S8-Idee mit den Mitteln des aktuellen A8 und wird ab Juli 2006 zu haben sein.

Wer soll ihn kaufen? Menschen, die von ihrem Auto „ein hohes Maß an Leidenschaft und Überlegenheit“ erwarten, schwärmt die Audi-Werbung. Prosaischer ausgedrückt: A8-Kunden, die Oberklasse- Komfort gegen mehr Fahrdynamik einzutauschen wünschen.

Und damit die Entscheidung leichter fällt, stattet Audi den S8 diesmal mit einem Triebwerk aus, das den A8-Käufern nicht vergönnt ist: Leistung erzeugt hier kein V8 und auch kein W12, sondern ein V10-Triebwerk. Obendrein verfügt dieser Zehnzylinder über beste Referenzen. Immerhin bringt er in ähnlicher Ausführung bereits den Lamborghini Gallardo auf Touren.

In der zivileren Umgebung des S8 weist er allerdings einige Modifikationen auf.

Der Hubraum erreicht nun 5,2 Liter statt fünf Liter, Drehzahlniveau und Verdichtungsverhältnis sind reduziert, variable Steuerzeiten und ein zweistufiges Schaltsaugrohr ermöglichen eine fülligere Drehmomentkurve. Ein so genanntes Bedplate (die unteren Kurbelwellenlager bestehen aus einem Gussstück) erhöht die Steifigkeit, und eingespritzt wird mittels FSI-Technik direkt in die Zylinder.

Das Ergebnis: 450 PS bei 7000/min und 540 Newtonmeter Drehmoment bei 3500/min – Werte, die denen des Sechslitermotors im A8 W12 kaum nachstehen (450 PS und 580 Nm). Wie das W12-Aggregat muss allerdings auch der V10 in seiner Gesamtheit vor der Vorderachse Platz finden – der typische Nachteil des bei Audi üblichen Antriebskonzepts.

Die angeborene Frontlastigkeit versucht man beim S8 mit einer veränderten Kraftverteilung zu kompensieren: Im Normalfall leitet der serienmäßige Quattro-Antrieb hier 60 Prozent der Kraft auf die Hinterräder, bei nachlassender Traktion an der Vorderachse sogar bis zu 85 Prozent. Zweck der Übung ist ein ausgewogeneres Kurvenverhalten. Das freut den ambitionierten Fahrer natürlich, zumal flankierende Maßnahmen weitere Fahrdynamikvorteile versprechen: Der S8 liegt 20 Millimeter tiefer, die Kennlinien der Luftfedern sowie der stufenlos verstellbaren Stoßdämpfer sorgen ebenso wie härtere Gummilager an den Achsen für eine sportliche Straffung.

Außerdem arbeitet die Lenkung in der Mittellage direkter, und 20-Zoll-Räder mit Notlaufreifen erhöhen den Grip. Als krönenden Abschluss baut Audi auf Wunsch sogar Keramik-Bremsscheiben ein. Sie sollen bis zu 300 000 Kilometer aushalten, das Vierfache von Stahlscheiben. Wie man sieht, wurde beim S8 diesmal nicht gekleckert. Dass es sich hier keineswegs um leere Versprechungen handelt, beweisen sodann die ersten Fahreindrücke:

Eine Oberklasse-Limousine, die agiler und schneller über kurvenreiches Terrain wetzt als der neue S8, muss erst noch erfunden werden. Da setzt Audi zurzeit ohne Zweifel die Maßstäbe. Schon wegen des Allradantriebs:

Wo sich bei der Konkurrenz die Leistung mangels Traktion alsbald ins Reich der Theorie verabschiedet, gelingt es dem S8, seine 450 PS selbst unter widrigen Bedingungen effektvoll umzusetzen. Beeindruckend auch, wie der große Wagen die Trägheit seiner Masse (Werksangabe: 1940 Kilogramm) zu kaschieren versteht.

Dank direkter Lenkung und geringer Seitenneigung bewegt sich der Dampfer unverhofft leichtfüßig, verschärftes Untersteuern ist allenfalls in engen Kurven und auf rutschiger Fahrbahn zu beobachten. Nur wer frühzeitig und mit der korrekten Dosierung Gas gibt, spürt in diesen Momenten die ausgleichende Wirkung der veränderten Kraftverteilung. Dass hier allerhand verteilt werden muss, steht in keinem Moment außer Zweifel.

Der Zehnzylinder atmet schon bei mittleren Drehzahlen kräftig durch, was sich in katapultartiger Beschleunigung äußert (null bis 100 km/h in 5,1 Sekunden). Erst bei 7000/min wird hochgeschaltet, wobei die Tiptronic-Sechsgangautomatik dank veränderter Abstimmung überzeugend mitspielt.

Nachteile: Trotz Ausgleichswelle ist der V10 (Zylinderwinkel: 90 Grad) jenseits von 5000/min ziemlich rau und beschallt die Insassen mit Dröhngeräuschen, die weniger anregen als aufregen. Damit nicht genug, bleiben die S8- Passagiere auch von Stößen nicht verschont: Kurze Fahrbahnanregungen verarbeitet die Federung nur unvollkommen, und bei schneller Fahrt fehlt es selbst im Komfort-Modus der Dämpferverstellung nicht an abrupten Vertikalbewegungen – da ist der S8 dann mehr Sport- als Luxusmodell.

Komfortsteigernd wirkt sich dagegen aus, dass im 97 600 Euro teuren S8 schon fast alles drin ist, was die Extra-Liste beim A8 hergibt – vom zweifarbigen Leder bis zur DVD-Navigation. Serienmäßig auch das Bose-Surround-Audiosystem, wobei es hier noch eine Steigerungsmöglichkeit gibt: Auf Wunsch steht erstmals eine digitale Anlage von Bang & Olufsen mit 14 Lautsprechern und über 1000 Watt zur Verfügung. Das macht den S8 zwar nicht sportlicher, aber immerhin wohlklingender.

Technische Daten

Audi S8
Grundpreis 100.100 €
Außenmaße 5062 x 1894 x 1444 mm
Kofferraumvolumen 500 l
Hubraum / Motor 5204 cm³ / 10-Zylinder
Leistung 331 kW / 450 PS bei 7000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 13,4 l/100 km
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