Audi TT Roadster

TT for two

Foto: Hans-Dieter Seufert 22 Bilder

Erneut präsentiert sich die offene Variante des Audi TT als klassisches Cabriolet mit Textilverdeck. Ansonsten ist vieles anders als beim Vorgänger. Nicht zuletzt die steife Aluminiumbauweise sorgt für ein neues Qualitätsgefühl.

Es ist ein bisschen wie auf der Titanic: Auf Knopfdruck schließen sich die Schotten. Beim neuen Audi TT fährt das Windschott hinter den beiden Überrollbügeln nach oben. Damit ist der Audi gegenüber seinen Wettbewerbern, bei denen die Luftzugbremse von Hand montiert werden muss, schon einmal weit vorn.

Aber beim Fahren kommt die erste Überraschung. Schotten dicht bringt nicht viel – siehe oben. Die Intensität der Windwirbel im TT-Cockpit verändert sich nur ganz geringfügig. Jetzt sind wieder die Wettbewerber vorn: Die meisten von ihnen sind in der Lage, eine Flaute zu produzieren, die das Haupthaar gänzlich unbehelligt lässt. Kleinliche Kritik? Mag sein, aber wenigstens ist es eine. Denn ansonsten bleibt die Minusspalte des Notizblocks ungenutzt.

Es sei denn, Sie als Kunde hätten gern eines dieser modischen Falt-Klappdächer aus Metall gehabt. Das kann der Audi nicht bieten. Was nichts mit knauseriger Kalkulation zu tun hat, sondern mit dem Durchsetzungsvermögen des Design-Teams unter Walter de Silva. Es bleibt beim Stoff, weil ein Cabrio auch geschlossen wie ein Cabrio aussehen soll. Basta – und Gratulation zum Mut, gegen den Strom zu schwimmen. Trotzdem ist das Audi-Dach vom Feinsten.

Der hohe Qualitätsanspruch der Firma lässt nichts anderes erwarten. Da wummert und flattert nichts, da sitzt alles so faltenlos wie eine Altkanzler- Ausstattung von Brioni. Kaum nennenswerte Windgeräusche sind zu hören, und dass es der Besatzung auch im tiefsten Winter nicht zu kalt wird, davon kann man angesichts des dicken, gefütterten Verdeckmaterials getrost ausgehen. Das Öffnen erfolgt elektrisch (Serie beim 3.2 V6, 1015 Euro Aufpreis beim Basismodell 2.0 TFSI).

Und weil nicht erst eine Vielzahl von Klappen von der Hydraulik in Bewegung gesetzt werden muss, geht das blitzschnell in zwölf Sekunden und bis maximal 50 km/h. Das Verdeck faltet sich Z-förmig, der vordere Teil liegt am Schluss oben auf und macht die beim Vorgänger noch übliche Persenning überflüssig. Ein weiterer Vorteil der Stoffmütze: Der Kofferraum (für 125 Euro Aufpreis mit einer Durchlade-Einrichtung einschließlich Skisack), der für zwei Personen ausreichende 250 Liter Volumden bietet, bleibt unabhängig vom Verdeck immer gleich groß.

Alles mitnehmen und geschlossen fahren oder offen fahren und den Schminkkoffer zu Hause lassen? Solche Diskussionen, die intakte Ehen an den Rand der Zerrüttung bringen können, gibt es beim Audi TT nicht. Im Cockpit fallen nicht nur die bequemen Sitze, sondern auch eine Vielzahl von Ablagemöglichkeiten positiv auf. Die Bedienung lässt, bis auf die unpraktisch hinter den Türgriffen versteckten Schalter für die elektrischen Fensterheber, keine nennenswerten Mängel erkennen. Als erheblicher optischer Fortschritt gegenüber dem Vorgänger schließlich präsentieren sich die Kopfstützen. Sie thronen jetzt nicht mehr starr auf zwei unansehnlichen Chrombeinchen.

Dazu schließlich der mit Bravour bestandene Kappentest des Autors: Wenn er eine Schildmütze angelegt hat, sollte er noch ohne Verrenkung den Himmel erkennen können – ansonsten steht der Windschutzscheibenrahmen zu dicht vor dem Kopf. Der Audi verkneift sich diese bei vielen modernen Offen-Konstruktionen zu beobachtende Unart. Das Cabrio-Gefühl entsteht unverfälscht, sieht man von einer leichten Einschränkung durch die TTtypisch hohe Gürtellinie einmal ab.

Sie lässt auf der anderen Seite das Auto sehr kompakt und solide wirken, was in der Tat kein leeres Versprechen darstellt. Der TT baut auf einem Alu- Rahmen auf und soll in puncto Torsionssteifigkeit die Werte seines gewiss nicht labilen Vorgängers um 100 Prozent übertreffen. In der Tat zeigt schon der erste Fahreindruck auf holprigen Rallye Monte Carlo-Sonderprüfungen, dass den Audi nichts zu erschüttern vermag.

Selbst auf den übelsten Pisten bleibt der Aufbau ruhig wie das Mare nostrum bei Windstärke null. Die bösen Schlagloch-Passagen offenbaren noch eine weitere Erkenntnis. Von den beiden zunächst lieferbaren Versionen (Zweiliter-Turbo-Vierzylinder mit Frontantrieb, 3,2-Liter-Sechszylinder mit per Haldex-Lamellenkupplung gesteuertem Allradantrieb) gibt die ausstattungsbereinigt 6000 Euro günstigere Basisvariante die eindeutig überzeugendere Vorstellung.

Der Vierzylinder besticht durch kraftvolle Leistungsentfaltung ebenso wie durch sportlichen Sound. Und trotz des hohen Turbo-Drehmoments zeigt sich der Frontantrieb in keiner Situation überfordert. Man merkt bei enthusiastischer Fahrweise, wo die Pferde ziehen, fühlt aber weder lästige Antriebseinflüsse in der Lenkung noch eine Beeinträchtigung des Geradeauslaufs. Ebenso wichtig: Das gegenüber dem Sechszylinder-Quattro um 175 Kilogramm geringere Gesamtgewicht erlaubt eine Federungs- und Dämpfungsabstimmung, die sich trotz der ausgezeichneten Handling-Qualitäten durch ein bemerkenswertes Maß an Federungskomfort auszeichnet.

Das Topmodell fährt sich nicht sportlicher, wohl aber deutlich unkomfortabler. Und während der Vierzylinder aus der Masse seinesgleichen rühmlich herausragt, zeigt der V6 keine Qualitäten, vor denen sich die Konkurrenz fürchten müsste – die exzellenten Motoren von BMW und Porsche schon gar nicht. Man darf, sollte der Kauf anstehen, also ruhigen Herzens ein wenig knauserig sein. Und sich womöglich sogar das Windschott sparen.

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Technische Daten
Audi TT Roadster 2.0 TFSI Audi TT Roadster 3.2 Quattro
Grundpreis 34.450 € 44.450 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4178 x 1842 x 1358 mm 4178 x 1842 x 1358 mm
KofferraumvolumenVDA 250 l 250 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder 3189 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 5100 U/min 184 kW / 250 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 237 km/h 250 km/h
Verbrauch 7,9 l/100 km 10,4 l/100 km
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