Audi TT Roadster

Im Audi TT Roadster wirkt jedes Detail durchgestylt wie auf einer Prêt-à-porter-Messe: das Verdeck, die Überrollbügel, der Innenraum, die Persenning und sogar der Fahrtwind.

Nur runde zehn Sekunden dauert es, bis die Hand das Verdeck entriegelt und über Kopf und Überrollbügel hinweg nach hinten zusammengeklappt hat. Die elektrohydraulische Verdeckbetätigung – serienmäßig bei der 225 PSQuattro- Version, sonst gegen 1450 Mark Aufpreis – braucht dafür 15 Sekunden.

Noch länger als der mechanische Griff nach den Sternen dauerte es, den 1995 auf der Tokyo Motor Show präsentierten TT Roadster-Prototyp zum Serienmodell zu entwickeln, das ab September ausgeliefert wird.

Der TT Roadster sieht zwar aus wie ein Audi TT mit Klappdach, aber unter der Form, die bis zur Gürtellinie deckungsgleich zum Coupé verläuft, steckt ein eigenständiger Kern: der Ehrgeiz aller beteiligten Techniker und Designer. Die Roadster-Truppe wollte keinen simplen Coupé-Aufschnitt servieren. Ein Charakterdarsteller muß es sein, will Audi in der mit prägnanten Typen überfluteten Roadster- Nische noch einen Platz an der Sonne erobern.

Dieser Charakter soll auf zwei Eigenschaften beruhen: der passiven Sicherheit und dem Design. Der Gipfel dieser Philosophie ist auch einer der Höhepunkte des Audi TT Roadsters. Die akkurat gebogenen Überrollbügel aus glänzendem Aluminium sind Blickfang und Insassenschutz bei Überschlägen in einem, ein Doppel- Gipfel im doppelten Sinn. Die Überrollbügel sind die sichtbaren Spitzen eines Versteifungs- und Verstärkungsprogramms, das sich durch den TT Roadster zieht. Seitenschweller aus stärkeren, besonders profilierten Blechen und zwei ineinandergesteckte Rohre vom höchsten Punkt des Scheibenrahmens bis zu den Verbundknoten im Wagenboden bilden einen festen inneren Verbund.

Auch die ledergepolsterten Aluminiumträger unterhalb des Armaturenbretts müssen mehr sein als nur schöne und praktische Kniestützen.

Sie schaffen eine feste Verbindung zwischen Getriebetunnel und Armaturenträger. Allein 40 Kilogramm zusätzlicher Verstärkungen stecken in der Rohkarosserie des Roadsters. Insgesamt sind die offenen TT – je nach Modell – sogar zwischen 105 und 155 Kilogramm schwerer als die Coupés.

Bei der ersten Ausfahrt auf bayrischen Landstraßen, die von Traktoren mehr frequentiert werden als von Schickeria-Kutschen, wackeln im offenen TT weder Türen noch Rückspiegel. Ein knapp geschnittenes, niedriges, hinten unverbindlich gerundetes schwarzes Stoffverdeck soll dafür sorgen, daß der geschlossene Roadster optisch nicht allzu dramatisch gegen das Coupé mit dem anmutigen Fließheck abfällt.

Doch mehr als ein exakt schließender Wetterschutz mit nicht allzu lauten Windgeräuschen ist nicht gelungen. Zu sehr waren die Designer darauf fixiert, die verspielten Viertel- und Halbkreisbögen der Grundform auch oberhalb der Gürtellinie im Dach weiterzuführen. Dessen Form fehlt jener schräge und mutige Akzent, der etwa den Porsche 356 Speedster auch mit geschlossenem Verdeck so unnachahmlich machte. also in den flachen Verdeckkasten gefaltet, der den Stauraum im Kofferraum deutlich einschränkt, erweisen sich die anfangs erwähnten zehn oder 15 Sekunden als Makulatur: Nun muß nämlich erst die Persenning montiert werden.

Das bedeutet: Kofferraum von innen entriegeln, aussteigen, Kofferraumklappe aufmachen, Persenning rauswursteln, Persenning so über das zusammengefaltete Dach puzzeln, daß die Kante der Gürtellinie davon nicht beeinträchtigt wird. Schließlich war es der dringende Wunsch der Designer, daß nichts die zur Bügelfalte hochstilisierte Gürtellinie stören möge. Einmal unter freiem Himmel in Fahrt, verliert das Design- Wunder TT sukzessive an Reiz. Die Faszination eines Roadsters besteht nicht darin, daß sich die Grundform der Kotflügel, die noch dazu an jene des Ford Focus erinnert, in vielen Details des Innenraums widerspiegelt.

Die Faszination eines Roadsters besteht darin, daß er Luft in Wind verwandelt und mechanische Geräusche eines Verbrennungsmotors in eine Waldhorn- Sonate.

Im Audi TT Roadster ist die Gürtellinie zu hoch und der quer eingebaute Vierzylindermotor zu sehr turbogedämpft, um auf der Faszinationsskala britische Werte zu erreichen.

Der im ungarischen Györ montierte Roadster überzeugt mit deutschen Tugenden: einer guten Sitzposition annähernd in Wagenmitte, einer elektrisch ausfahrbaren zusätzlichen Heckscheibe, die als Windschott dient, und einigen kleinen, abschließbaren Staufächern im Innenraum. Der Fahrtwind weht – je nach Öffungszustand der Seitenscheiben und des Windschotts – stets kontrolliert durch den Innenraum. Sind alle drei Scheiben oben, ist eine wohlkalkulierte Brise spürbar.

Bei offenen Scheiben nimmt die Windstärke zu, ohne jedoch in heftige Böen auszuarten. Bei niedrigen Drehzahlen klingt der Auspuff des 225 PS starken TT Quattro nach einem fernen Saxophon. Doch mit dem ab 2500/min etwas verzögert, aber spürbar einsetzenden Lader verlieren sich alle Motorgeräusche im Summen der Turbine, dann später in Windgeräuschen. Immerhin könnte damit suggeriert werden, daß der TT Roadster mit der Kraft des Windes segelt.

Doch mit dem Fahren im Wind, ohne dieses tiefgezogene, archaisch wirkende Coupé- Dach, wird bewußt, was der TT Roadster eigentlich ist: ein offener Audi A3. Allerdings tatsächlich ein edler. Die Lederausstattung könnte bei teureren Konkurrenten durchaus Neidgefühle wecken.

So rustikal wie im TT Roadster wirkt Leder sonst bei Indianer-Mokassins, Cowboy-Sätteln und Baseballs. Dieses Sitzgefühl hat natürlich seinen Aufpreis. Die sogenannte Authentic-Ausstattung kostet 1600 Mark extra.

Serienmäßig ist dagegen die Lackierung mit der hochtrabenden Bezeichnung Nimbusgrau im Farbton der einfachen Feldmaus. Hoffentlich wird der Nimbus des Audi TT Roadsters nicht davon beeinflußt.

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