Fahrbericht Bentley Continental GT (2017)

Luxus-Coupé auf Erprobungsfahrt

Erprobung Bentley Continental GT Foto: Bentley 29 Bilder

Auf der IAA feiert der neue Bentley Continental GT seine Weltpremiere. Bereits im Frühjahr durfte sich auto motor und sport in das Entwicklerteam schmuggeln und das Luxus-Coupé ausprobieren.

Dabei fielen vor allem zwei Dinge auf: Wie wenig sich offenbar vorab simulieren lässt und wie fundamental anders sich die zweite Generation des Coupés fahren wird. Nun, und acht weitere Punkte haben wir auch noch gefunden.

Dabei fielen vor allem zwei Dinge auf: Wie wenig sich offenbar vorab simulieren lässt und wie fundamental anders sich die zweite Generation des Coupés fahren wird. Nun, und acht weitere Punkte haben wir auch noch gefunden.

1. Die Relevanz echter Testarbeit: „Zu diesem Zeitpunkt der Entwicklung entsprechen die Autos zu etwa 60 Prozent dem Serienstand“, sagt Cameron Paterson, Leiter der Gesamtfahrzeugentwicklung. Tatsächlich passen viele Interieurkomponenten noch nicht zusammen, einige Darstellungen und Funktionen des Infotainments sind nicht optimal, und auch Motor- und Getriebe vertragen noch Feinschliff. Feinschliff, der nicht am Computer ermittelt und beseitigt werden kann. Jetzt müssen die Ingenieure ran.

Erprobung Bentley Continental GT Foto: Bentley
Der Continental GT mag Schnee.

2. Die Agilität des GT: Obwohl durch die neue Architektur nur etwa 200 Kilogramm der beträchtlichen Masse des Vorgängers eingespart werden kann, überraschen das unbeschwerte Einlenkverhalten und die hohe Stabilität selbst bei beträchtlicher Querbeschleunigung. Die Gründe: Der steifere Rohbau und die elektromechanische Wankstabilisierung.

3. Der radikale Technikwandel: Statt eines Torsen-Differenzials nutzt der Allradantrieb nun eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung. Dadurch lässt sich die Kraft variabler verteilen, was speziell am Kurvenausgang eine deutlich bessere Traktion bringt. Und statt eines Wandlerautomaten kommt nun das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe aus dem Porsche Panamera zum Einsatz.

4. Das Bekenntnis zum Zwölfzylinder-Motor: Die Leistung von über 600 PS lässt sich sicher NEFZ-freundlicher realisieren als mit dem Sechsliter-W12-Aggregat. Doch ein 12-Zylinder gehöre zur Marke, beteuert Bentley. Und verblüfft selbst in den Prototypen mit seiner Kultiviertheit, die sich selbst der britische Adel zum Vorbild nehmen kann. Ach so: Jetzt, wie schon im Bentayga, mit Zylinderabschaltung. Soll den Realverbrauch um sieben Prozent reduzieren.

Erprobung Bentley Continental GT Foto: Bentley
Dier Erprobungsfahrzeuge lassen die Proportionen bereits erkennen.

5. Die Abkehr analoger Instrumente: Beim Bentayga noch gefeiert, werden die analogen Instrumente nun beim Conti aussortiert. Angeblich wollen das mehr Kunden als gedacht, außerdem sei die Qualität der Anzeige nun so, wie es sich das für die Marke gehört. Ist aber einfach nur günstiger.

6. Der größere Innenraum: Obwohl auf den beiden Rücksitzen die gesamten Tarnmatten des Cockpits lagen, wirkt der Innenraum deutlich großzügiger. „Wir haben jetzt 57 Millimeter mehr Beinfreiheit hinten“, weiß Paul Williams, obwohl er eigentlich für den Antrieb verantwortlich ist.

7. Überhaupt der Komfort: Ja, der Zuwachs an Dynamik ist spürbar. Aber auch der Fahrkomfort erscheint standesgemäß. Speziell im Komfort-Modus verputzt der luftgefederte und adaptivgedämpfte Continental so ziemlich alle fiesen Bodenwellen Lapplands ohne dabei störend nachzuschwingen. Die etwas zu ausgeprägten Hubbewegungen an der Hinterachse haben die Ingenieure bereits registriert und wollen sie eliminieren.

Erprobung Bentley Continental GT Foto: Bentley
Aber selbst das animierte Auto im Cockpit ist noch getarnt.

8. Die Lenkungsphilosophie: In jeden der drei Fahrmodi bleibt die Kennlinie der elektromechanischen Servolenkung unverändert. Erst im Custom-Modus kann sie der Fahrer individuell wählen. Bitte, gerne. Im Prototypen passt die leichtgängigste Einstellung am besten.

9. Die Tücken der Arbeit eines Entwicklungsingenieurs: „Da schaffst Du es endlich ein störendes Geräusch zu identifizieren und zu eliminieren, dann entdeckst du ein neues, das zuvor vom anderen übertönt wurde“, sagt Paul Williams.

10. Die Detailverliebtheit: Beim Start taucht auf dem Bordmonitor ein Auto auf. In der Serie ein Conti GT, na klar. Und jetzt? Ein altes Modell? Ein Bentayga? Ein Audi? Nein. Der neue Continental GT. Getarnt.

Fazit

Dass sich der neue Continental GT anders, viel agiler fahren lässt, war zu erwarten – immerhin teilt er sich die Architektur mit dem Porsche Panamera. Doch er bleibt zugleich ein Bentley, vermittelt Gelassenheit, Souveränität, zudem die Exklusivität eines Zwölfzylinder-Motors. Eine weitere, schöne Erkenntnis dieses Ausflugs mit Prototypen: Autos plumpsen noch immer nicht fertig entwickelt aus dem Computer. Ihre Perfektion erlangen sie erst durch die Arbeit erfahrener Ingenieure, die Autos lieben und leben. Gilt sicher nicht nur für Bentley.

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