Bentley Continental GT Speed

Keep Miling

Foto: Hardy Mutschler 18 Bilder

Als erster Serien-Bentley erreicht der Continental GT Speed über 200 Meilen pro Stunde oder 326 km/h. Er ist die Sport-Version des 2+2-Sitzers.

Speed, Geschwindigkeit. Ein Namenszusatz als Versprechen. 610 PS und 326 km/h Spitze als Einlösung. Der Continental GT Speed ist der stärkste und schnellste Serien-Bentley aller Zeiten – und die reichen zurück bis 1919. Schon vier Jahre danach baute Bentley die erste werksgetunte Speed-Version.

Auch jetzt steht einigen Continental- Kunden der Sinn nach mehr als den bisherigen 560 PS und 318 km/h. Etwa dann, wenn leistungsaffine Freunde mit dem noch potenteren Mercedes CL 65 AMG sticheln. Bentley-Chefentwickler Ulrich Eichhorn und sein Powertrain- Direktor Brian Gush bieten nun ein anglophiles Gegenargument: den Continental GT Speed, das dritte Modell der 2+2-sitzigen Baureihe.

Zunächst profitieren alle vom Facelift. Der nostalgische Matrix-Kühlergrill steht erhabener, die Frontschürze schaufelt durch die um 14 Prozent größeren Einlässe mehr Luft zu den Kühlern. Neue Zierringe schmücken die Frontscheinwerfer, LED-Blinker die Rücklichter.

Dem GT Speed vorbehalten sind 9,5 statt neun Zoll breite Felgen sowie dominantere Auspuffblenden. Die Dezenz des Designs bleibt jedoch erhalten. Unter der Haube legt der Speed dagegen jede Zurückhaltung ab. Bentley erhöht den Arbeitsdruck der beiden Borg-Warner-Turbolader.

Knickfestere, zugleich leichtere Pleuel und stabilere Kolben mit reibungsreduzierten Ringen stellen sich der höheren Verdichtung – steifere Lamellen im sechsstufigen ZF-Automatikgetriebe den daraus resultierenden 610 PS und 750 Nm. Schließlich stehen Metallkats mit größerem Durchmesser für geringeren Gegendruck und vollmundigeren Sound.

Bevor dieser die Ohren entzückt, ist erst einmal die Nase gefordert. Tür auf – schon strömt der verführerische Bentley-Duft aus dem Wagen. Gerne lässt man sich von ihm locken und nimmt in den massigen Clubsesseln Platz. Wenn die elektrische Zuziehhilfe mit leichtem Stöhnen das Portal einrasten lässt, schließt sich der Genuss-Raum.

Neugierig gleiten die Finger über grobe Ledernähte und Rauten-Stepp, tasten die Schuhsohlen die gelochten Pedale ab, beides Bestandteile der Mulliner Driving Specification. Beim normalen GT bleibt sie optional, der Speed hat sie serienmäßig; das relativiert seine rund 25 000 Euro Aufpreis ein wenig.

Was nach Leder, Metall oder Holz aussieht, ist es auch – Echtheit der Materialien als Luxus-Zertifikat.

Kunststoff dagegen ist verpönt und findet sich nur an wenigen Schaltern – nicht etwa, wie häufig, im blickfernen Fußraum. Der ist mit langflorigem Teppich ausgelegt, in dem ganze Absätze verschwinden. Weiter gehen die Finger auf Erlebnisreise. Sie verharren am belederten Schalthebel, springen über zu den glänzenden Drehschaltern der Mittelkonsole.

Ihre klickende Rastung ist ein haptisches Vergnügen. Sämig laufende Registerzüge sowie stramm zu verstellende Metallkugeln als Luftaustritt verleihen selbst der Klima-Bedienung angemessene Wichtigkeit. Anders als in Kompaktwagen passt dazu das Starten mittels Knopf als zeremonielle Handlung.

Nach einem kurzen Brüller senkt sich die Drehzahl, zu hören als tiefes Yacht-Wummern. Trotz einschüchternder 750 Nm, die schon bei niedertourigen 1750/min anliegen, gelingt das Losfahren so einfach wie im VW Phaeton oder Audi A8, den bürgerlichen Verwandten. Weil er nicht hitzig am Gas hängt, gibt der GT Speed seinem Piloten Zeit, die ungeheuere Macht seines erstarkten Zwölfzylinders zu erkunden.

Scheint, als hätte Bentley die Beschleunigung entschleunigt – und wäre damit Begründer der Slow-Speed-Bewegung, des bewussten Genusses der Geschwindigkeit. Hektisch reagiert nur die optionale Bremse mit riesigen Scheiben aus kohlenstoffhaltiger Keramik; sie spricht übereifrig an.

Bei gemäßigtem Gaseinsatz erinnert der Sechsliter an zwei andere VW-Motoren: Er klingt wie ein gedoppelter VR6, was er auch ist, schiebt aber wie ein TDI aus der Tiefe des Raumes. Die Automatik schaltet frühzeitig hoch, man pflügt durch die Drehmoment- Brandung. Schon jetzt reicht die Leistungsbereitschaft des GT Speed, um im zügigen Verkehr mitzuschwimmen. Vollgas, und man lässt ihn in einer erschreckenden Entschlossenheit hinter sich.

Beim Ladedruck-Maximum scheinen die Newtonmeter die Kilogramm zu fressen und die Massenträgheit zu verhöhnen – 2,3 Tonnen fühlen sich nur halb so schwer an. In Zahlen ausgedrückt: 4,5 Sekunden von null auf 100 km/h (Continental GT: 4,8). Auch der fahrdynamische Bauchansatz des Basis-Coupés ist wie wegtrainiert

Die am Fahrschemel direkt angebundenen Längsträger bringen mehr Gefühl, Achsschenkel aus Aluminium statt Schmiedestahl dagegen Gewichtsersparnis. Gemeinsam mit der neu abgestimmten Servolenkung ergibt sich eine Leichtigkeit des Fahrens.


Aber vor allem registriert man die steiferen Stabilisatoren in Verbindung mit dem niedrigeren Schwerpunkt dank sachter Tieferlegung: Obwohl der W12 im GT Speed unverändert vor der Vorderachse sitzt, drängt seine Masse nicht mehr stur nach vorn. Der Bentley lenkt definierter ein, stützt sich motiviert gegen die Zentripedalkräfte ab und setzt bei Lastwechseln sogar zum übermütigen Übersteuern an.

Sofort fängt das abschaltbare ESP das Heck ab, lässt sich aber auf Knopfdruck in den Sportmodus versetzen. Dann steht dem Fahrer ein spaßbringender Schwimmwinkel zur Verfügung, bevor er eingebremst wird – rechtzeitig. Nach einer Fahrt in einem Bentley wären Schweißränder schließlich ungebührlich.

Schnellfahren bleibt frei von Hetze. Der GT Speed bietet geübten Piloten deutlich mehr Möglichkeiten als der Continental GT, ohne dessen bisheriges Talent zu verschütten: das eines Langstreckenläufers. Leistung, Luxus und Leder sind hier in entspannter Art mit Sportlichkeit inszeniert. Auch wenn es sich bei der ersten Fahrt nicht bis in höchste Tempi überprüfen ließ – der Namenszusatz Speed ist ein Versprechen, das der neue Bentley definitiv einlöst.

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Technische Daten
Bentley Continental GT Speed Coupé 6.0 W12 4WD
Grundpreis 205.751 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4804 x 1916 x 1380 mm
KofferraumvolumenVDA 370 l
Hubraum / Motor 5998 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 449 kW / 610 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 326 km/h
Verbrauch 16,6 l/100 km
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