Bitter Vero

In Vero Veritas

Foto: Hans-Dieter Seufert 18 Bilder

Erich Bitter präsentierte überraschend wieder einen Luxuswagen. Kein Prototyp, keine Studie, keine Fatamorgana. Er heißt Vero und fährt ziemlich flott.

Das B ist allgegenwärtig: auf dem Lenkrad, an den Türverkleidungen, auf den Lehnen der lederbezogenen Vordersitze, an den Radnaben, am Rahmen der hinteren Seitenfenster und am Kühlergrill, dort sogar extra groß und ganz in Chrom. Das B steht für Bitter - Erich Bitter, der nach mehr als 20 Jahren wieder ein großes Kleinserienfahrzeug der staunenden Öffentlichkeit präsentierte. Seine in Schwelm bei Wuppertal beheimatete Firma Erich Bitter Automobile GmbH hat erneut einen Coup gelandet, den Bitter Vero.

Der Vero ist eine stattliche 5,2-Meter-Limousine, die im Bereich der C-Säulen einem Audi A8 gleicht, sich durch ihre Proportionen von diesem jedoch deutlich abhebt: Der kurze vordere Überhang und die flach nach vorn abfallende Motorhaube machen den Unterschied. Die erfrischend schlicht auftretende Frontpartie mit großem Lufteinlass und rechteckiger Chromgrill-Rasterung erinnert etwas an den letzten Chevrolet Camaro, unterstreicht aber dennoch den eigenständigen Charakter des Vero.

Teile aus den GM-Regalen

Aus den vier kantigen Auspuffendrohren entströmt dezentes Achtzylinder-Brabbeln. Der sechs Liter große V8-Motor leistet 367 PS, die über eine Fünfgang-Automatik die Hinterachse antreiben. Die Maschine entstammt den Regalen von General Motors und beflügelt in etwas schärferer Auslegung die Chevrolet Corvette. Für eine Bitter-typische, großzügig disponierte Motorisierung, wie sie schon die Vorgänger CD und SC besaßen, ist also gesorgt. Und für den luxuriösen Reisekomfort sowieso: komplette Lederausstattung, Alcantara-Dachhimmel, Bose-Musikanlage, Navigationssystem, DVD-Player mit Bildschirmen in den vorderen Kopfstützen und Fond-Bedienkonsole im Dach plus das obligate Sicherheitspaket der Luxusklasse mit ESP, Bremsassistent und Rundum-Airbags für alle.

Die Fahrt im routiniert verarbeiteten, unkompliziert zu bedienenden Vero bereitet durchaus Vergnügen. Bummeltouren absolviert der stattliche Viertürer dank seines durchzugskräftigen V8 mit maximal 2.000/min, begleitet von einem etwas aufdringlichen Auspuffdröhnen, das sich bei höheren Drehzahlen jedoch sofort verliert. Bei Bedarf beschleunigt die Sechsliter-Maschine den 1.890 Kilogramm schweren Vero mit erstaunlichem Elan und scheut sich dabei nicht, locker bis zur 6.000/min-Marke hochzudrehen. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 250 km/h abgeriegelt.

Großzügiges Raumgefühl

Rasch gewöhnt man sich an den großen Wagen und findet Gefallen an der nicht zu leichtgängigen Lenkung, an den bequemen Sitzen und der angenehmen Sitzposition unter der wie heute üblich stark geneigten A-Säule. Nur die Bremsen besitzen nicht ganz den stählernen Biss der arrivierten Konkurrenz, genügen aber vollauf normalen Fahransprüchen. Dann staunt man über den gigantischen Knieraum im Fond, wie ihn nur die Langversionen der deutschen Luxusliner von Audi, BMW und Mercedes bieten. Und auch hier natürlich handfestes, samtweiches Leder, flauschige Bodenteppiche und ein in der mittleren Sitzlehne versenkter Klapptisch, auf dem sogar ein Laptop parken kann.

Das Geheimnis des Vero: Er ist von Geburt eigentlich Australier, und dort werden derzeit die besten US-Straßenkreuzer der Welt gebaut. Die technische wie optische Basis des Bitter Vero ist der Holden Caprice, der auch die gesamte Luxus- und Komfortausstattung mit Ausnahme des Alcantara-Dachhimmels, der Alu-Felgen und der Komplett-Lederausstattung aus Australien mit nach Schwelm bringt. Neu ist hingegen die Frontpartie und die zugehörige Motorhaube aus Kohlefaser mit zusätzlichen Entlüftungsöffnungen für den Motorraum, die quer vor der Windschutzscheibe liegen. Sie erinnern den Fahrer neben den vielen Bs und dem Alcantara-Himmel daran, in einem Bitter zu sitzen.

Vom Rennfahrer zum Konstrukteur

Mit dem Service gäbe es für den Australier keine Probleme, denn hier stünde laut Pressetext "dem stolzen Vero-Besitzer das Servicenetz von General Motors mit Rat und Tat zur Seite". Bitter unterhält zu Opel und General Motors beste Verbindungen. Seine beiden ersten, inzwischen legendären Auto-Kreationen CD und SC basierten auf Opel Diplomat- und Senator-Technik. Der heute 74-jährige ehemalige Rennfahrer und Autohändler war unter anderem Allein-Importeur für Abarth-Rennfahrzeuge und -Zubehör. Im Lauf der Jahre schaffte es Bitter bis zum Konstrukteur, Designer und Entwicklungschef in Personalunion.

Er besitzt immer noch gute Kontakte zur Automobilwirtschaft. Kein Geringerer als GM-Europachef Carl Peter Forster hätte daran mitgewirkt, dass Holden die Basisfahrzeuge für den Vero mit einer speziellen Fahrwerksabstimmung ausliefert. Bitter war jedoch nie Opel-Händler. Seine Firma baute zum Beispiel Vorserienprototypen für GM/Isuzu und für Volkswagen. Daneben entstanden zahlreiche, meist fahrbereite Studien wie der Bitter Type III von 1987, der Tasco von 1991, die Berlina von 1994 und schließlich 2003 der Bitter CD II, die stets auf den großen Autosalons in Frankfurt oder Genf vom Chef persönlich präsentiert wurden.

Mit dem neuen, serienfertigen Vero hingegen, der nie zuvor auf einer Automobilmesse zu sehen war, legte Bitter einen fulminanten und überraschenden Blitzstart hin. Für einen Spitzenplatz in der Zulassungsstatistik wird es kaum reichen. Wer aber eine individuelle, solide gemachte und hervorragend ausgestattete Luxuslimousine sucht, der wird mit dem Vero fündig. Pro Jahr können bis zu 150 Stück entstehen. Ab 30 würde man damit Geld verdienen, und bei 300 ist Schluss. "Der Vero", sagt Bitter, "ist damit noch exklusiver als ein Maserati Quattroporte."

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