BMW 130i

Eins Rauf

Foto: Achim Hartmann 16 Bilder

Nun bekommt der BMW 1er endlich den Motor, den er schon immer verdiente: Der neue 130i mit sechs Zylindern, drei Litern Hubraum und stolzen 265 PS verspricht BMW-gemäßes Fahrvergnügen in Reinkultur.

Das Leben ist zu kurz, um Fronttriebler zu fahren – der Spruch stammt vom Liedersänger und Super Seven-Verehrer Chris Rea („Road to Hell“). Genauso gut könnte er aus der Werbeabteilung von BMW kommen.

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Der Heckantrieb ist hier fast schon Religion, nicht gänzlich ohne Grund, wie die Erzeugnisse des Hauses beweisen. Das gilt auch für den Einser. Als einziger Hecktriebler in der Kompaktklasse bricht er nicht nur die Konventionen, sondern gefällt obendrein ganz wie versprochen durch betont sportliche Fahreigenschaften.

Die Nachteile des Konzepts (geringere Raumökonomie) vermag er zwar nicht zu verhehlen, aber die Vorteile spielt er überzeugend aus. Und sollte daran noch jemand gezweifelt haben, dann dürfte ihn spätestens eine Ausfahrt in der neuen Topversion 130i überzeugen. 265 PS schlummern hier unter der Haube.

Der Vorwurf des Leistungsmangels, der den Einser seit seiner Markteinführung im vergangenen Jahr begleitet, sollte sich also erledigt haben. Zugleich demonstriert die Power- Ausführung mehr noch als die PS-ärmeren Modellgeschwister, warum es sich lohnt, die Kraft auf die Hinterräder zu leiten. So viel Leistung nämlich würde die Traktionsreserven eines vergleichbaren Fronttrieblers restlos überfordern.

Aber auch der Ausweg des diesbezüglich optimalen Allradantriebs ist im Hinblick auf das höhere Gewicht eine zweischneidige Sache. Folglich begnügt sich der 130i mit einem Leergewicht von 1450 Kilogramm (Werksangabe), während der allradgetriebene Audi A3 Sportback 3.2 beispielsweise auf 1610 Kilogramm kommt.

Für den Dreilitermotor des BMW bedeutet das leichtes Spiel, für den Fahrer verheißt es Eindrücke, wie sie selbst bei BMW Seltenheitswert haben. Im Leistungsgewicht etwa (5,47 Kilogramm pro PS) rangiert der potente Einser nur knapp hinter dem V12-befeuerten 760i mit 445 PS.

Das merkt man beim Gasgeben: Ohne spürbare Anstrengung ist ein 130i in der Lage, die versammelte Kompaktwagenkonkurrenz in Grund und Boden zu beschleunigen. Selbst die Glitterati der Autowelt tut sich schwer: Porsche Boxster-Fahrer zum Beispiel sollten sich mit diesem Einser besser nicht anlegen. Die Prospektwerte versprechen Tempo 100 in 6,1 Sekunden und maximal 250 km/h. Ohne die elektronische Abregelung aber, so heißt es, wären auch 270 km/h drin. Wobei das natürlich nicht alles ist.

Kenner wissen: Zahlenvergleiche tragen zur Wahrheitsfindung soviel bei wie Kochduelle zum Abendessen, da macht der 130i keine Ausnahme. Es sind die Sekundärtugenden, die den Vortrieb zum Genuss werden lassen. Der neue Sechszylindermotor, dank Magnesiumgehäuse auch ein Vorbild an Leichtbau, versteht sich wie kein anderer auf die sinnliche Komponente der Leistungsentfaltung.

Er verkörpert die Faust im Samthandschuh, stets auf der Lauer, umgehend bei der Sache, topfit im Drehen, schön im Ton, aber immer sanft wie Seide. Da macht es auch nichts, dass schon der Vierzylinder- Diesel im 120d mehr Drehmoment zu bieten hat, nämlich 340 statt 315 Nm. Es reicht allemal, um erneut zu bestätigen, dass die Formel „kleines Auto, großer Motor“ auch im Antriebskomfort Wunder wirkt.

Die gute Laune wird zusätzlich von dem manuellen Sechsganggetriebe gefördert. Es ist sauber abgestuft und lässt sich wunderbar schalten, so dass sich die Frage stellt, was man eigentlich mehr will. BMW liefert eine schlüssige Antwort: Für den 130i gibt es wahlweise weder ein sequenzielles (SMG) noch ein vollautomatisches Getriebe. Das muss genügen.

Die Verpflanzung des aus den größeren Modellen bereits bekannten Reihensechszylinders in die beengte Behausung des Einser gestaltete sich planmäßig reibungslos, was auch mit dessen günstigem Gewicht zu tun hat. So wird die ausgewogene Gewichtsverteilung des Hecktrieblers durch den stattlicheren Motor nur unwesentlich getrübt (50 Kilogramm mehr auf der Vorderachse).

Entsprechend fährt er sich dann auch: Die bei Fronttrieblern angeborene Trägheit beim Ansteuern von Kurven bleibt auch dem 130i-Fahrer erspart. Andererseits bietet der erhöhte Leistungsüberschuss nun die Möglichkeit, das über einen weiten Bereich nur milde untersteuernde Kurvenverhalten effektvoller zu manipulieren.

Driftkünstler kommen bei stillgelegtem ESP (bei BMW: DSC) jedenfalls voll auf ihre Kosten, aber auch im zweistufigen DSC-Modus – auf öffentlichen Straßen unbedingt vorzuziehen – ermöglichen die zusätzlichen PS mehr Spaß beim Kurvenfahren.

Eine weitere Steigerungsmöglichkeit eröffnet die erstmals beim Einser angebotene Aktivlenkung. Die Lenkdirektheit variiert hier abhängig vom Tempo, so dass man unterhalb von 100 km/h mit reduzierten Lenkausschlägen auskommt. Das dient der Handlichkeit, aber in Anbetracht der einwandfreien Normallenkung geht es auch ohne sehr gut.

Serienmäßig kommt der 130i-Kunde überdies in den Genuss einer weiterentwickelten DSC-Elektronik. Neu: Eine gezielte Bremskraftverteilung auf die Räder sorgt vor allem bei Kurvenfahrt für mehr Stabilität, außerdem werden die (vergrößerten) Bremsscheiben bei Nässe automatisch trockengebremst. Und beim abrupten Gaswegnehmen legen sich vorsorglich schon mal die Bremsbeläge an. Das verkürzt die Reaktionszeit.

Ebenfalls nicht zu verachten: Eine Zusatzfunktion verhindert nun das Zurückrollen an Steigungen. Da zudem eine etwas härtere Fahrwerksabstimmung den höheren Fahrleistungen Rechnung trägt, kann von Übermotorisierung also keine Rede sein, wobei die ersten verfügbaren Exemplare obendrein allesamt mit dem optionalen Sportfahrwerk ausgerüstet waren. Ebensowenig droht allerdings Gefahr, dass einen solch ein 130i sanft in den Schlaf wiegt: Selbst auf vermeintlich ebenen Straßen vermag die Federung Turbulenzen nicht zu verhindern.

Einer Limousine, die im Grunde ihres Wesens ein Sportwagen ist, kann man den gebotenen Komfort freilich noch durchgehen lassen.

Das darf man schließlich auch dem Preis attestieren. 32 500 Euro kostet dieses Kraftbündel, 8300 Euro mehr als ein 120i, ohne dass sich bei der Serienausstattung viel tut. Dafür könnte man dann auch schon den größeren 325i fahren. Man müsste sich aber schon ganz schön zwingen.

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Technische Daten
BMW 130i
Grundpreis 33.597 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4227 x 1751 x 1430 mm
KofferraumvolumenVDA 330 bis 1150 l
Hubraum / Motor 2996 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 195 kW / 265 PS bei 6600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 9,2 l/100 km
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