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BMW 1er 118d im Fahrbericht

Spaß auch ohne Hinterradantrieb?

Mit der Umstellung auf die UKL-Plattform verliert der kompakte BMW zwar seinen bisherigen Hinterradantrieb und den Sechszylinder, er hat aber auch einiges hinzugewonnen, wie die erste Ausfahrt mit dem 118d rund um München zeigt.

Der Begriff klingt sperrig und technisch, und eigentlich ist es ein Wunder, dass er es ohne denglische Marketing-Übersetzung in die Presseunterlagen zum neuen Einser geschafft hat: ARB, steht für „aktornahe Radschlupfbegrenzung“. Gemeint ist eine extrem fixe Traktionskontrolle, deren Recheneinheit im Motorsteuergerät sitzt. Kurze Signalwege und rasche Rechenoperationen sorgen dafür, dass das System zehnmal schneller regelt als bei einer herkömmlichen Traktionskontrolle.

Warum Sie das hier lesen? Weil die ARB ein zentrales Element des Regelwerks ist, das den Fahrer vergessen lassen soll, dass er im neuen Einser nun in einem Fronttriebler sitzt. Es ist ja viel herumgejammert worden, dass der Kompaktwagen mit dem Hinterradantrieb seine Einzigartigkeit verliere. Doch bei BMW ist man sich sicher, dass den allermeisten Kunden eher an Raumangebot, Fahrsicherheit und Markenimage gelegen ist als an den fahrdynamischen Vorteilen des alten Antriebs.

Sauber abgestimmt

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Ob der Zweiliter-Diesel nun schiebt oder zieht - der BMW 1er ist weiterhin dynamisch unterwegs.

Durch die ARB soll das Leistungsuntersteuern unterbunden werden, und das macht sie sehr effektiv und unaufgeregt. Nach einigen Kilometern über Landstraßen und Autobahnen mit dem 150 PS starken BMW 118d vergisst du, überhaupt darauf zu achten, ob der Zweiliter-Diesel nun schiebt oder zieht. Weil es kaum auffällt.

Dabei hilft natürlich, dass der Motor mit seinen 350 Newtonmetern im Normalfall eher sanft an den Vorderrädern zupft und das extrem aufmerksame, sehr schnell schaltende Achtstufen-Automatikgetriebe hier ebenfalls mitspielt. Selbst bei übertrieben zackigem Einlenken sowie anschließendem Vollgasgeben verliert der BMW 118d nicht die Contenance, jedenfalls auf trockenen bayerischen Landstraßen nicht. Das gilt ebenso für die nun reibungsreduzierte elektromechanische Servolenkung, die sehr einfühlsam und direkt agiert. Antriebseinflüsse? Kaum spürbar.

Auf die Idee, dass unter dem elegant und dynamisch designten Kompaktkleid der gleiche technische Unterbau wie unter den Zweier Tourern und dem Mini Countryman steckt, käme man ohnehin nicht, wenn man es nicht wüsste. Die Vorzüge des Konzepts mit dem Quermotor sind dabei nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar. Ja, das Platzangebot für Passagiere und Gepäck ist etwas üppiger geworden, Kniefreiheit im Fond und Raumgefühl wirken insgesamt luftiger, aber dramatische Unterschiede zum Vorgänger gibt es nicht.

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Das Infotainment hat zwar an Komplexität gewonnen, bleibt aber weiterhin intuitiv bedienbar.

Natürlich wurden Bedienung und Infotainment ebenfalls rundum erneuert. Im Einser kommt das prinzipiell gleiche Operating System 7.0 zum Einsatz wie in den höher positionierten BMW-Modellen. Obwohl es mit Touchscreen, Gestensteuerung und wirklich guter Sprachbedienung an Komplexität gewonnen hat, klappt intuitives Betätigen der meisten Nebenfunktionen im Einser um einiges besser als bei den meisten Premium-Konkurrenten.

Nicht billig

Ach ja, premium sind natürlich auch die Preise. Sie beginnen bei knapp unter 30.000 Euro für den BMW 118i, während der M135i xDrive fast 50.000 Euro kostet. Viel Geld für ein Kompaktmodell, doch auch der Gegenwert kann sich sehen lassen. Der sehr gute Fahrkomfort mit fein ansprechenden Federelementen etwa oder die steife Karosserie samt penibler Verarbeitung, selbst in den Ecken des Motorraums, in die man nicht so häufig hineinspäht. Wer vermisst da noch den Hinterradantrieb?

BMW 1er: So schlägt sich die neue Baureihe im Fahrbericht

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Fazit

Ausgewogenes Fahrwerk, geschmeidiger Antrieb und gutes Raumangebot – der neue BMW 1er hat mit der Umstellung auf die UKL-Plattform an Reife und Allround-Tauglichkeit gewonnen. Das wird die Konkurrenz in der Premium-Kompaktklasse vermutlich nicht so gern hören.

Technische Daten

BMW 118d
Grundpreis 32.400 €
Außenmaße 4319 x 1799 x 1434 mm
Kofferraumvolumen 380 bis 1200 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 218 km/h
Verbrauch 4,1 l/100 km
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