BMW 323 Ci Cabrio

Mit dem neuen BMW 323 Ci Cabrio bringt die Münchner Marke frischen Wind in die Dreier-Reihe. Der offene Viersitzer besticht mit stilistischer Eleganz, mit hohem Fahrkomfort und kultiviertem Sechszylinder-Antrieb.

Wie der Zufall so spielt: Kaum hat sich BMW von Rover befreit, winkt auch den Dreier-Kunden mehr Freiheit.

Die hatten zwar mit Limousine, Coupé und Touring bislang schon viel Auswahl, aber in der 1998 neu aufgelegten Dreier-Reihe (E 46) war noch Luft drin. Vor allem die Frischluft-Fans hatten noch einen Wunsch offen.

Sie können aufatmen, denn ab April ist die dritte Generation des Dreier Cabrio zu haben – vorerst aber nur in der 69 450 Mark teuren 323 Ci-Version mit 2,5 Liter großem Reihen-Sechszylinder und 170 PS.

Was da als Nachfolger der vorangegangenen zwei offenen Viersitzer auf Dreier-Basis
(E 30 von 1986 bis 1992 insgesamt 143 400 mal gebaut, E 36 zwischen 1993 und 1999 rund 196 000 mal produziert) in wenigen Wochen aprilfrisch auf den Markt kommt, wirkt im Vergleich zu seinen beiden Vorfahren wie mit Weichspüler behandelt. Jede Faser des neuen BMW Cabrio lässt spüren, dass sich seine Entwickler größte Mühe gegeben haben, den
Kuschelfaktor zu erhöhen.

Die Steigerung des Wohlfühlmoments ist schon beim Einsteigen unverkennbar. Und zwar sowohl für die Front- als auch für die Fondpassagiere. Denn die Vordersitze schieben sich auf Knopfdruck elektrisch nach vorn, um den Weg zur Rückbank freizugeben, wo selbst zwei langbeinige Erwachsene entspannt Platz nehmen können, weil es weder an Knie- noch Ellenbogenfreiheit mangelt und die Vordersitzkonsolen so ausgespart sind, dass die Füße der Hinterbänkler maßgenau darunter passen.

Vorne sitzt es sich natürlich noch bequemer. Denn das vordere Gestühl ist serienmäßig elektrisch einstellbar und beherbergt in den äußeren Lehnenwangen die komplette Gurtmechanik. So sind die Sicherheitsgurte jederzeit gut greifbar, liegen optimal an und können sich beim Vorklappen der Sitze nicht verheddern oder für die ein- und aussteigenden Passagiere zur Stolperfalle werden.

Dafür, dass sich alle Insassen sicher wie in Abrahams Schoß fühlen können, sorgen zahlreiche Vorkehrungen. Der verstärkte Windschutzscheibenrahmen ist so stabil, dass er beispielsweise das Eigengewicht des Cabrios (rund 1600 Kilogramm, 100 mehr als der Vorgänger wog) locker trägt und selbst einem zweifachen Überschlag unnachgiebig widerstehen soll.

Damit die Rolle seitwärts auch für die Fond-Insassen nicht zum Salto mortale wird, gibt es wie beim alten Dreier Cabrio hinter den Rücksitzen als Kopfschutz zwei Überrollbügel, die innerhalb von 110 Millisekunden per Federkraft herausschnellen. Sie sind beim neuen Modell serienmäßig und eleganter als früher versteckt – in den hinteren Kopfstützen. Wer will, kann auf der Fondbank zwei Isofix-Kindersitze befestigen, wozu die nötigen Verankerungspunkte vorhanden sind.

Als zusätzliche Polster zu den obligatorischen Frontbags auf Fahrer- und Beifahrerseite gibt es ebenfalls serienmäßig Sidebags vorn, hinten sind
sie auf Wunsch erhältlich. Ebenfalls nur gegen Aufpreis (1500 Mark) liefert BMW das ESP-Pendant DSC (Dynamic Stability Control), aber ABS (mit Cornering Brake Control für höhere Spurstabilität beim Bremsen in Kurven) und
die Traktionskontrolle ASC (mit Motorschleppmoment-Regelung gegen rutschende Räder durch bremsenden Motor beim Zurückschalten) gehören zum Standard.

Auch die Leichtmetallräder
(7 x 16 Zoll mit 205/55-
Reifen), Bordcomputer, Klimaanlage, Zentralverriegelung (Handschuhfach jetzt integriert) und elektrische Fensterheber mit der bei einem Cabrio praktischen Zentralbedienung für alle vier Seitenscheiben sind im Grundpreis enthalten. Der lässt sich mit der nach oben ebenso wie das Auto offenen Sonderausstattungsliste locker auf 100 000 Mark treiben.

Ein Hardtop für den Winter gefällig? Kostet 3950 Mark, besteht komplett aus Aluminium und wiegt deshalb nur 30 Kilogramm. Außerdem ist es dachträgertauglich. Es geht aber auch ohne, denn für nur 240 Mark gibt es einen Skisack, in den drei Paar Ski oder – man surft mit dem Trend – zwei Snowboards passen. Chic ist auch die vollautomatische Verdeckbetätigung für 2150 Mark, angeblich die schnellste der Welt (25 Sekunden). Doch ein Muss ist sie nicht, denn auch von Hand lässt sich das Textildach in Windeseile entriegeln und hinter den Rücksitzen versenken. Zwei Neuerungen verdienen besondere Erwähnung: die Heckscheibe, die nun aus Glas besteht und beheizbar ist, sowie der variable Verdeck-
kasten. Dieser erlaubt bei ge­schlossenem Dach, das Kofferraumvolumen von 260 auf 300 Liter zu vergrößern. Dazu muss nur ein Hebel im Gepäckraum gezogen werden, und der leere Verdeckkasten klappt hoch.

Und wie fährt sich das neue Cabrio? Wie Samt und Seide. In natürlichem Zustand, also offen, kann der Genuss scheibenweise variiert werden. Die solide Basis bildet eine für Cabrio-Verhältnisse stoisch ruhige Karosserie, die sich selbst durch schlimmste Straßen-Grobheiten nicht nennenswert erschüttern lässt.

Da zittert kein Lenkrad, höchstens der Fahrer, wenn er alle Seitenfenster auf Durchzug gestellt und auf die Anschaffung eines 550 Mark teuren Windschotts verzichtet hat. Dann sitzt er richtig im Freien und fühlt sich wie ein Leuchtturm bei Windstärke zwölf. Der Orkan lässt sich graduell auf steife Brise oder laues Lüftchen herunterregulieren – je nach Stellung der Scheiben und des Windschotts. So kann man nach Luft und Laune auch mal offen 180 fahren, ohne dass im Cockpit Sturmwarnung ausgegeben werden müsste.

Bei geschlossenem Verdeck ist das Dreier Cabrio im Fahrkomfort kaum noch von einem Coupé zu unterscheiden. Nur die stark eingeschränkte Sicht nach schräg hinten und die deutlicher vernehmbaren Umweltgeräusche erinnern an die offene Bauart. Cabriotypische Windgeräusche sind dem dick gefütterten und stramm gespannten Verdeck fremd.

Aufbrausend ist die Art des 323 Ci Cabrio ohnehin nicht. Sogar der Sechszylinder hält sich zurück. Denn trotz 170 PS hält sich die Dynamik in Grenzen. Zumindest subjektiv. Laut Werksangabe mag der 323 Ci in 8,6 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen, aber im unteren und mittleren Drehzahlbereich wirkt der 2,5-Liter-Reihen­sechszylinder immer noch etwas kraftlos – den Punch des 2,8-Liters hat er jedenfalls nicht zu bieten.

Zu hören ist auch nicht viel von ihm: meist nur ein leises Summen, kein gut komponierter Sound, den Sportsfreunde im offenen Auto gerne als Begleitmusik hören. Der 323 Ci ist kein Reißer, eher ein Gleiter. Das unterstreicht auch der
geschmeidige Federungskomfort, der sich selbst durch die Wahl eines Sportfahrwerks nicht spürbar beeinträchtigen lässt.

Das neue Dreier Cabrio, nächstes Jahr auch mit Vierzylindermotor sowie als M3 erhältlich, wird aufgrund seiner Qualitäten sicher die erhofften höheren Verkaufszahlen (zehn Prozent mehr als beim Vorgänger) erreichen. Aber die Puris-
ten werden Zweifel anmelden: das Dreier-Cabrio – ein als BMW getarntes Weichei?

Solide, komfortabel, sicher und teuer – diese Attribute ordnete man bislang Mercedes zu. Man könnte es aber auch als Kompliment auslegen: Das neue Dreier Cabrio ist der beste Mercedes, den BMW je gebaut hat.

Technische Daten
BMW 323 Ci Cabrio
Grundpreis 35.509 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4488 x 1757 x 1372 mm
KofferraumvolumenVDA 300 l
Hubraum / Motor 2494 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
Verbrauch 9,7 l/100 km
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