BMW 335d gegen 335i

Brenn-Strecke

Foto: Foto: Hans-Dieter Seufert 17 Bilder

Was verbrennt schöner, Benzin oder Diesel? Eine diffizile Frage - ganz besonders, wenn es um die neuen Topmodelle in der BMW 3er-Reihe geht. 335 gegen 335, i gegen d, da ist auf Anhieb nur eines klar: Spitze sind sie beide.

Warum muss es BMW den Leuten immer so schwer machen? Warum schafft man keine klaren Verhältnisse? Hier der feurige Benziner für BMWSüchtige, denen die Freude am Fahren über alles geht, da der sparsame Diesel für die Kopfgesteuerten, die es lieber etwas gelassener angehen. Aber nein. Stattdessen beschert man den Kunden schlaflose Nächte. 335i oder 335d? Wer ganz oben in der Dreier-Familie zuschlagen möchte, muss sich erst mal entscheiden. Und das fällt heute schwerer denn je.

Soll es dieser neue Turbo-Benziner sein, die Temperamentsbestie mit der Zugkraft des Bullen und damit ein weiterer Höhepunkt in den Annalen der Bayerischen Motoren Werke? Oder besser der Superdiesel, stark wie eine Herde Ochsen, zart wie Tiramisu und zu allem Überfluss auch noch sparsam wie eine schwäbische Hausfrau? Verschärfend kommt hinzu, dass beide Topmodelle preislich nicht weit auseinanderliegen.

Der 335i, sofern mit Automatikgetriebe bestückt, kommt auf 41 600, der serienmäßig automatisch schaltende 335d auf 42 500 Euro. Die Qual der Wahl dürfte das nicht mildern. Aber auch das PS-Angebot macht die Entscheidung nicht nennenswert leichter: 306 PS offeriert der Benziner, 286 der Diesel – ein Unterschied, der kaum der Rede wert ist. Zielführender erscheint es da schon, sich die Drehmomentwerte vor Augen zu führen. Die 400 Newtonmeter, die der 335i stemmt, sind ja nicht von schlechten Eltern, aber verglichen mit den üppigen 580 Newtonmetern des 335d ist er eher ein Hänfling. Entsprechend ungestüm kommt der Selbstzünder zur Sache.

Schon kleine Regungen im Gasfuß genügen, um enormen Schub auszulösen, wobei sich der Turbodiesel im Gegensatz zu vielen Artgenossen nicht lange bitten lässt. Reintreten und abzischen – dazwischen bleibt kaum Zeit zum Luftholen. Und während die optimal abgestimmte Sechsgangautomatik fast unbemerkt die Gänge wechselt, schmettert die Drehmomentwelle den Dreier davon wie eine Flipperkugel. Dabei wiegt das Auto, obgleich der kompakten Mittelklasse zugehörig, wuchtige 1655 Kilogramm. Beeindruckend.

In nur 6,3 Sekunden ist man auf Tempo 100, in 14,2 Sekunden auf 160, so leicht fährt dem Dreier-Diesel also keiner davon. Auch nicht der 335i. Da derartige Kraftakte bei bescheidenen Drehzahlen, ohne erkennbare Anstrengung und auch akustisch unspektakulär ablaufen, bleibt der Pulsschlag des Fahrers davon freilich weitgehend unbeeindruckt. Gelassen schnell zu sein, das ist folglich das Credo des 335d. Und dass man dazu im Durchschnitt nur 9,3 Liter Fossiles pro 100 Kilometer verbrennen muss, macht diesen Luxus nur bekömmlicher.

Weniger willkommen sind unterdessen andere Begleiterscheinungen. Die Kultiviertheit nämlich, die der Diesel mit den zwei Turbos (siehe Spotlight Seite 46) bisher im Fünfer an den Tag legte, scheint sich beim Umzug in den Dreier verflüchtigt zu haben. Die rauen Töne jedenfalls, die im 335d aus dem Maschinenraum dringen, entsprechen nicht gerade der feinen BMW-Art. Noch weniger fein ist allerdings ein weiterer Komfortmangel, der mit der Art des Antriebs gar nichts zu tun hat: Es ist die harte Federung. Sie schmälert den Fahrgenuss dermaßen, dass man versucht ist, das anvisierte Ziel möglichst auf guten Straßen zu erreichen – da findet man dann auch in den exzellenten Handlingqualitäten des Dreier keinen Trost.

Dem 335i-Fahrer ergeht es da nicht besser, doch immerhin bekommt er die markentypische akustische Untermalung. Man darf das zugleich als Ouvertüre für die ganze Vorstellung verstehen. Da wäre zunächst der rauchige Bariton des Reihensechszylinders, der beim Vorstoß in die höheren Drehzahlsphären zu einem großartigen Crescendo ansetzt. Das hebt zweifellos die Fahrlaune. Passend dazu jene impulsive Art der Kraftentfaltung, wie sie selbst der beste Diesel nicht bieten kann.

Leistungswünsche beantwortet dieser Pracht-Benziner stets mit einem Tatendurst, als ginge es unablässig um die Pole- Position, wobei es keine Rolle spielt, ob gerade 3000 oder 6000 Touren anliegen. Kraftvolles Ziehen gehört ebenso zu seinem Repertoire wie ungehemmtes Jubeln; Letzteres zumindest bleibt eben immer noch das Privileg des Ottomotors.

Dabei erweist sich die Automatik übrigens keineswegs als Hindernis – im Gegenteil: Die kleinen Reste des Turbolochs werden vom nahtlos schaltenden Getriebe perfekt eingeebnet, und auch in puncto Beschleunigung sind keinerlei Nachteile zu befürchten. Die gemessenen Zeiten (null auf 100 km/h in 5,7, auf 160 km/h in 13,0 Sekunden) sprechen für sich. Derweil fällt der Drehmomentnachteil gegenüber dem Diesel weniger ins Gewicht, als es die Papierform erwarten ließe.

Bekanntlich ist immer entscheidend, was hinten rauskommt, und das gilt eben auch für die Newtonmeter. Zieht man nämlich die längeren Übersetzungen des 335d ins Kalkül, dann schrumpft dessen Vorsprung erheblich. Beispiel: Im sechsten Gang reduziert sich das Plus an Drehmoment von maximal 45 Prozent an der Kurbelwelle auf maximal 18 Prozent an den Antriebsrädern.

Folglich ist auch der Dieselvorteil in puncto Durchzugskraft weniger eklatant als erwartet. Unvermindert gelten indessen die Pluspunkte, die der Diesel beim Tanken einsammelt. Pro 100 Kilometer gelangen beim 335i durchschnittlich 11,9 Liter in die Brennräume, mithin 2,6 Liter mehr als beim 335d. Es lohnt sich, die Rechnung auch mal in Euro und Cent aufzumachen. Angenommen, man fährt seinen Dreier 20 000 Kilometer im Jahr, dann summieren sich die Mehrkosten für den Benziner an der Tankstelle auf etwa 900 Euro – nicht ganz wenig also.

Die Sache relativiert sich freilich, sobald man an die jährlich fälligen Ausgaben für Steuer und Versicherung denkt. Die gute Nachricht: 261 Euro gehen weniger ans Finanzamt, und bei den Prämien spart man bis zu 900 Euro (Haftpflicht und Vollkasko bei SF1). Alles zusammen weist den 335i letztlich als das billigere Vergnügen aus. Da er sich zugleich auch als das größere entpuppt, sollte die Entscheidung eigentlich leichter fallen als befürchtet. 335d oder 335i? Die Antwort liegt überraschend nahe: wenn BMW, dann richtig. Im Klartext: 335i, aus Freude am Fahren.

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Technische Daten
BMW 335i BMW 335d
Grundpreis 43.460 € 44.350 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4520 x 1817 x 1421 mm 4520 x 1817 x 1421 mm
KofferraumvolumenVDA 450 l 450 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder 2993 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 225 kW / 306 PS bei 5800 U/min 210 kW / 286 PS bei 4400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 5,7 s 6,3 s
Verbrauch 9,2 l/100 km 6,7 l/100 km
Testverbrauch 11,9 l/100 km 9,3 l/100 km
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