BMW 335i Coupé

Feuer-Werk

Foto: Hans-Dieter Seufert 20 Bilder

BMW macht dem Reihensechszylinder Feuer: Das neue 335i Coupé geht mit zwei Turboladern an der Start. Der schmucke Zweitürer bringt es damit auf 306 PS.

Keine Angst, man muss sich nicht erst die Augen zuhalten. Es stockt einem nicht der Atem. Der Schock, der manchen beim Anblick neuer BMW-Modelle in der Vergangenheit beutelte, bleibt diesmal aus. Im Gegenteil: Die jüngste Enthüllung geht runter wie Öl – Balsam für die Seelen vieler BMW-Jünger.

Eine schöne Überraschung also, das neue Dreier Coupé. Die Verwandtschaft mit dem Viertürer ist zwar unverkennbar, aber beim Coupé arbeiteten die Designer mit dem Bügeleisen. Die Form wirkt nicht mehr verknittert, auch Details wurden geglättet. Das Auto kommt eleganter daher und macht obendrein ein freundlicheres Gesicht. Da sollte der Entschluss, sich das Coupé zu gönnen, nicht schwer fallen. Eine tragende Säule des Dreier-Erfolgs war die zweitürige Variante ja schon immer. 460 000 Exemplare des Vormodells rollten als Coupé vom Band, das sind immerhin 25 Prozent – nicht schlecht für ein so genanntes Nischenmodell.

Ob sich der Nachfolger aber auf diesem Level halten kann, wenn ab nächstem Frühjahr das neue Blechdach-Cabrio lockt? Bei BMW macht man sich da keine Sorgen. Schließlich ist man bezüglich der Produktion der verschiedenen Dreier-Varianten völlig flexibel, und außerdem spricht auch weiterhin einiges für das klassische Coupé: Es ist nicht nur preisgünstiger, sondern auch geräumiger als die künftige Frischluftvariante. Tatsächlich lassen sich vor den Rücksitzen auch längere Beine verstauen, und ebenso wenig mangelt es an Kopfraum.

Die Sitzlehnen sind umklappbar, eine schicke Mittelkonsole mit Ablagen unterteilt die Sitzbank, extrabreite Türen erleichtern den Zutritt in den Fond. Man bekommt also einen vollwertigen Viersitzer, was freilich nichts daran ändert, dass die besseren Plätze vorn sind. Den Vorzug verdient in Anbetracht der sonstigen Qualitäten des Autos auf jeden Fall jener hinter dem Lenkrad.

Dort sitzt man zwar etwas tiefer als in der Limousine, blickt aber auf das gewohnte Cockpit – auffallend höchstens der rote Bereich im Drehzahlmesser, der hier erst bei 7000 Touren anfängt. Des Rätsels Lösung lässt nicht lange auf sich warten: Schon wenige Meter Fahrt genügen, und man weiß, dass hier eine Maschine dreht, wie sie noch in keinem Dreier drehte. BMW hat den Reihensechszylinder scheinbar mit Anabolika gemästet. Tatsächlich wird der Benziner von zwei Turboladern gedopt (siehe Spotlight). Sie lassen die Leistung des Dreilitermotors von 272 auf 306 PS anschwellen – an sich nicht umwerfend, aber wenn zugleich das Drehmoment von 315 auf fette 400 Nm abhebt, dann braucht man sich nicht mehr zu wundern.

Das ist fast schon bestes Dieselniveau mit dem entscheidenden Unterschied, dass die vielen Newtonmeter zwar schon bei 1300/min vollzählig antreten, aber bis 5000/min durchhalten, während sie sich beim Diesel alsbald verflüchtigen. So erinnert die Kennlinie des neuen Turbo-Benziners eher an die Hochebene der Anden als an den üblichen Drehmomentbuckel. Dem Coupé verleiht das Kraftwerk, das zur Bezeichnung 335i berechtigt, einen Beschleunigungskomfort, den sonst nur großvolumige Achtzylinder bieten. Mit Wucht und ohne nennenswerte Verzögerung schiebt es den Dreier auf und davon, wobei es praktisch keine Rolle spielt, bei welcher Drehzahl Gas gegeben wird.

Gelassenheit ist die Zier dieses Prachtmotors, was nicht verhindert, dass es bei Bedarf so richtig fetzt: Tempo 100 erreicht der 335i laut Werksangabe in 5,5 Sekunden, und das nimmt man ihm jederzeit ab. Zu einem ganz besonderen Genuss wird die Drehmomentschwemme aber, wenn man sie in Verbindung mit der optionalen Automatik erlebt.

Das Sechsganggetriebe wechselt die Gänge nun sanfter und schneller als zuvor und erlaubt es dem Fahrer, bei Bedarf mit Schaltpaddel am Lenkrad zu han tieren – ein Antriebsluxus, der im übrigen kein Coupé-Privileg bleiben soll. Ab Herbst werden Motor und Getriebe auch in der Limousine angeboten. Den Reiz des Zweitürers dürfte das allerdings kaum schmälern. Abgesehen vom flotteren optischen Auftritt wiegt er auch noch zehn Kilogramm weniger (bei gleicher Karosseriesteifigkeit) und verfügt obendrein über einen um vier Zentimeter tieferen Schwerpunkt und eine noch ausgewogenere Gewichtsverteilung – Vorteile, die dem Fahrdynamiker Freude machen.

Noch mehr freut man sich aber zunächst über die beim Dreier bislang nicht gekannte Geschmeidigkeit des Neuzugangs. Verbesserte Stoßdämpfer und weichere Runflat-Reifen lassen den BMW ungewohnt sanft anfedern, ohne die Kurvenkünste des Hecktrieblers im Geringsten zu beeinträchtigen. Im Gegenteil: Handling und Lenkpräzision gehören zum Besten, was es diesseits eines M3 zu kaufen gibt, wobei das satte Drehmoment dafür sorgt, dass der Fahrer in jeder Situation das Heck nach außen drücken kann. Die sanft regelnde, zweistufige und abschaltbare Elektronik (im BMW-Jargon DSC) bietet dabei ein willkommenes Sicherheitsnetz. Jedoch wäre angesichts der leicht überforderten Traktion bisweilen ein Sperrdifferenzial kein Fehler – ein unerfüllbarer Wunsch, den BMW mit dem Hinweis auf die in wenigen Monaten folgende Allradversion 335ix kontert.

Sofort erhältlich sind neben dem 335i hingegen die Coupé-Modelle 325i, 330i, 330d und 335d, letzteres mit dem aus dem 535d bekannten 286-PS-Dieselmotor. Die Preisspanne reicht von 35 850 Euro (325i) bis 43 200 Euro (335i), wobei man sich von der Serienausstattung wie üblich nicht zu viel versprechen sollte.

Zwar bietet das Coupé ohne Aufpreis Bi- Xenon-Scheinwerfer und als 335i auch die Sportsitze mit elektrischer Verstellung. Aber Klimaautomatik, Tempomat oder solche Kleinigkeiten wie ein Skisack werden gnadenlos gesondert berechnet. Aber was will man machen? Wer schön sein will, muss zahlen – so war das schon immer bei den Coupés. Und wenige sind so verlockend wie dieses.

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Technische Daten
BMW 335i Coupé
Grundpreis 45.850 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4580 x 1782 x 1375 mm
KofferraumvolumenVDA 430 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 225 kW / 306 PS bei 5800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 9,1 l/100 km
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