BMW 730d

Bayerische Oberklasse im Fahrbericht

Foto: Rossen Gargolov 9 Bilder

Beim Vorgänger war es das Heck, bei der 5. Generation des 7er wird die Front für Diskussion sorgen: Eine auffällig große Niere soll den Glanz am BMW 730d der Marke repräsentieren.

Eine Präsentation wie ein Staatsempfang: Limousinen bevölkern die Dresdner Innenstadt, schwarz livrierte Pagen öffnen Wagenschläge, Hostessen empfangen die Besucher. BMW führt den neuen7er vor, den künftigen Vorstands- und Präsidialwagen der bayerischen Marke. Ein automobiles Schwergewicht tritt seine Amtszeit an. Blick zurück ins Jahr 2001. Statt Jubel schlägt dem brandneuen 7er Unverständnis entgegen.

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Dabei tritt er mit großen Inhalten an und will mit neuem Bedienkonzept revolutionieren. Den Pomp aus den Cockpit-Palästen vertreiben, die Knöpfe-Verwaltung verschlanken. Doch erst vier Jahre später stimmt die Überarbeitung seines Regierungsprogrammes in Form eines Facelifts die Massen versöhnlich.

Front mit Überhol-Prestige

Wieder in der Gegenwart. Zweifelsfrei entstammt der neue Thronfolger dem 7er-Geschlecht. Statt des Willens zur Systemveränderung drücken seine Züge eher das Streben nach Höherem aus: Die riesige BMW-Niere steht für unbedingte Dominanz. Designer nennen es Präsenz, der Volksmund dagegen (Überhol-)Prestige. Unmissverständlich zeigt die Front, wer naht, während sich das gedrungene Heck fürs forsche Auftreten zu entschuldigen scheint – ein enteilender 7er könnte als künftiger Fünfer durchgehen.

Leicht öffnen die Türen, der BMW heißt seinen Gast willkommen und zeigt: Dank langem Radstand ist die kompakt wirkende Karosserie geräumig. Auch das Cockpit dürfte die Stammwählerschaft nicht vor den Kopf stoßen: Es orientiert sich wieder zum Fahrer hin. Die zweite Hutze, die dem Display Unterstand bot, ist verschwunden. Der Bildschirm ist jetzt größer, knapp über zehn Zoll, und gut integriert. Gewichen ist die kühle Klarheit des Vorgängers. BMW hat die Konsole wieder mit Knöpfen bevölkert. Somit bietet sie wieder einen traditionellen Anblick, fast Heimeligkeit.

Aus dem Mitteltunnel wächst ein Getriebe-Wählhebel, handschmeichelnd und Joystick-artig geformt – wohl keiner wird den umständlichen Lenkradhebel des Vorgängers vermissen. Ins BMW-Allgemeingut ist dagegen der Dreh-Drücksteller des i-Drive- Bediensystems übergegangen, nun flankiert von hilfreichen Menütasten. Alternativ lassen sich die acht häufigsten Bedienschritte auf die praktischen Favoritentaste speichern.

Starten auf Knopfdruck

Selbst ohne Anleitung eines Insiders ist der 7er in Bewegung zu setzen. In der Hosentasche steckt der Schlüssel, der rechte Fuß steht auf der Bremse, während der Zeigefinger den Start-Stopp-Knopf drückt. Der Sechszylinder erwacht, gibt sich nur geübten Ohren als Diesel zu erkennen. Die rechte Hand umfasst den Schaltknauf, der Daumen drückt den Entriegelungsknopf, dann lässt sich auf leichten Zug die Fahrstufe D einlegen. Bremse lösen, der 7er rollt – das war beim Vorgänger nicht selbstverständlich.

Trotz Aufladung hängt der neue Dreiliter- Direkteinspritzer im 730d gut am Gas, beschleunigt sämig auf Stadttempo und verdrückt sich mit dem Lüftungsrauschen der Klimaanlage in den akustischen Hintergrund. Äußerungen von Fahrbahn und Straßenleben sind meist präsenter – die Schalldämmung hinterlässt kein Glasglocken-Gefühl. Wer noch mehr von der fremden Stadt erfassen will, wechselt beim Navigationssystem (2.900 Euro) in den dreidimensionalen Karten-Modus und erhält eine erste Stadtführung – die wichtigsten Sehenswürdigkeiten erscheinen in realistischer Darstellung.

Zähe Staus lassen sich mit Hilfe von Connected Drive überbrücken; dieser Service ist für drei Jahre kostenlos und bietet Zugang zu E-Mails, den Outlook- Kontakten oder zu einem Callcenter, dessen Mitarbeiter Aufgaben wie die Recherche nach einem guten Restaurant am Zielort erledigen. Den Weg dorthin leitet wiederum das Navigationssystem, und er darf, sofern der kulinarische Genuss lohnenswert erscheint, durchaus beträchtlich sein – selbst auf langen Strecken sind die Passagiere vorn wie hinten hervorragend in ihre Sitze gebettet.

Hinterradlenkung irritiert nicht

Doch sie vergessen nie, dass sie in einem BMW reisen: Selbst im Comfort-Modus des dreifach verstellbaren Fahrwerks kommt noch deutliche Rückmeldung von Straßenschäden. Sie verstärkt sich, falls den Chauffeur die Freude am Fahren packt – und er in Stellung Sport die typische BMW-Dynamik aufspürt. Dass im Verborgenen eine Hinterradlenkung (1.750 Euro) mitarbeitet, irritiert nicht, wird stattdessen als Eifer registriert, mit dem sich die stattliche Karosse in die Kurven wirft. Damit dies nicht in Übereifer ausartet, spielt das Head-up-Display das aktuelle Tempolimit in Form eines Verkehrsschilds in die Frontscheibe ein.

Auch die weiteren Assistenzsysteme wie das vibrierende Lenkrad beim Überfahren von Straßenmarkierungen oder das adaptive Kurvenlicht geben unaufdringlich Hilfestellung. Allerdings summieren sich die praktischen Helferlein schnell auf die Kosten eines stattlichen Kleinwagens, was den Preis des 730d (69.500 Euro) sprunghaft erhöht. Und wer tatsächlich die feudale Fortbewegung nach Art von Staatschefs liebt, wird wohl kaum auf Lederausstattung (2.750 Euro) und Sitzheizung (440 Euro) verzichten wollen. Insofern passt das noble Dresdner Taschenberg-Palais als Startpunkt der ersten Ausfahrt. Wo, wenn nicht hier, steigt die betuchte Klientel ab, die sich einen 7er leisten kann?

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Technische Daten
BMW 730d
Grundpreis 74.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5079 x 1902 x 1476 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l
Hubraum / Motor 2993 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 190 kW / 258 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 5,6 l/100 km
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