BMW

Der Mini ist los

Der neue Kult-Brite ist drei Nummern größer geworden – und ein scharfer Kurvenfeger.

Sir Alec Issigonis, (1906 bis 1988), Erfinder und Konstrukteur des legendären Mini, würde sich im Grabe umdrehen, wenn er diesen Wonneproppen sehen würde. Zwar ist der Neuling im Design ganz der Alte: grinsende Grill-Schnute, steile Frontscheibe, ein Dach wie ein Deckel, die Räder fast außerhalb der Karosse. Aber gegen den altenglischen Zwerg Rase, der auf einer Fläche von nur 3,05 mal 1,44 Metern zwei Erwachsene, zwei Kinder, einen Motor und zur Not noch vier Tüten Fish and Chips verstaute, ist der Neuling ein Riese: 3,63 Meter Länge, 1,69 Meter Breite.

Laut Markenbesitzer BMW hat dieses Mini-Maximun mit den Wünschen der potentiellen Kunden zu tun. Die sind nämlich definiert bis auf die dritte Stelle hinterm Komma. Der typische New Mini-Fahrer ist unter 35 Jahre alt, Gutverdiener, Trendsetter mit dem Hang zum Besonderen. Er ist unabhängig, weltgewandt, kreativ und legt Wert auf höchsten technischen Standard. Zudem möchte er sich unterwegs nicht übermäßig zusammenfalten.

Innen: Platz für vier und einen Koffer

Deshalb ist der Mini auch keine sprintende Handtasche mehr, sondern eine vollwertige Limousine mit raffinierter Raumökonomie. Platzverhältnisse wie in der Dreier-Reihe, sagt BMW. Tatsächlich muss man sich nicht mehr mit den Knien die Ohren zuhalten, vier Leute können sich ziemlich breit machen. Vorn passen dank tiefer Sitzposition sogar für Zweimeter-Riesen hinein. Allerdings haben große Jungs in der zweiten Reihe dann keine Beinfreiheit mehr. Und beim Laderaum heißt die Grundsatzfrage: entweder den großen Koffer oder den Hund. Beides geht nicht bei nur 160 Liter Volumen. Oder zwei steigen aus, dann reicht es per umgelegter Rücklehne für 670 Liter Gepäck. Dabei gibt es unter dem Ladeboden nicht mal ein Reserverad, sondern nur Dichtmittel und Luftkompressor.

Doch die Musik spielt vorn. Das silberfarbene Cockpit macht was her, auch wenn die schicken Zierteile nicht aus Aluminium, sondern aus Plastik sind. Man hat alles fein im Blick – und im Griff: den direkt auf der Lenksäule platzierten Drehzahlmesser, den Tacho im Bahnhofsuhrformat oder die coolen Kippschalter wie im Ur-Mini. Unpraktisch: Das Lenkrad ist höhen-, aber nicht längsverstellbar, die winzigen Hupknöpfe trifft man erst nach Zielübungen und der Innenspiegel ist etwas mickrig. Im Fond würde man sich hingegen über Ausstellfenster freuen.

Motor: Drehzahl bringt Dampf

Dafür bietet der gefahrene Mini Cooper für 32.075 Mark stramme 115 Vierzylinder-PS. Der 1,6-Liter aus der BMW-Chrysler-Kooperation hat Vierventiltechnik, erfüllt die Euro 4-Norm, klingt ordentlich und dreht hoch wie eine Turbine. Muss er auch, denn sein maximales Drehmoment von 149 Newtonmetern ist nicht so üppig und liegt erst bei 4.500 Touren an. Dort kommt dann sportliche BMW-Power auf – erst bei 7.000 U/min geht’s in den Drehzahlbegrenzer. Null bis Hundert in 9,2 Sekunden, Spitze 200 km/h.

Dumm nur, dass die Schaltung des Testwagens vom vierten zum fünften Gang hakelte; auch der Rückwärtsgang flutschte nicht easy. BMW hat bis September Abhilfe versprochen, die Zugkraftanschlüsse zwischen den Gängen werden noch optimiert. Im übrigen gibt es für 2.738 Mark Aufpreis ein stufenloses Automatikgetriebe (CVT) mit Steptronic-Funktion. Das stammt aus dem Rover MGF-Roadster, wurde aber von BMW komplett überarbeitet.

Fahrwerk: Spaß bis zum Abwinken

BMW hat für den frontgetriebenen Mini Go-Kart-Feeling angesagt. Deshalb hat der Kleine ein aufwändiges Fahrwerk: vorn McPherson-Achse, hinten Mehrlenkeraufhängung nach dem Vorbild der Dreier-Reihe. Dazu gibt es einen tiefen Schwerpunkt. Der Cooper liegt acht Millimeter tiefer als das Basismodell One und ist straffer abgestimmt. Wenn man ihm eine kurvige Landstraße gibt, ist an jeder Ecke beste Unterhaltung garantiert – da kann man zwischen Übersteuern und Untersteuern spielen wie mit einem BMW M3.

Mit einem leichten Heckschwenk wuselt der Mini wie von selbst in jede Spitzkehre. BMW hat an diesen Fahrwerkstrick auf mehreren Rennstrecken gefeilt und nennt ihn intern „definierten Schwimmwinkel“. Und für den Ernstfall gibt es starke Bremsen. Die Bayern versprechen für den Notstopp aus Tempo 100 für alle Bereifungen Bremswege unter 40 Meter – einmalig in dieser Klasse. Gegen Aufpreis gibt es ab September sogar das BMW-Antischleudersystem DSC.

Preis-Leistung: One ist 3.716 Mark günstiger

Verkaufsstart für den Mini ist der 8. September. Das Basismodell One mit 90 PS gibt es schon für 28.359 Mark – spart 3.716 Mark gegenüber dem Cooper. Alles Wichtige ist dran und drin, Aluräder kosten hier aber mindestens 782 Mark extra. Mal zum Vergleich: Den letzten alten Mini mit 63 PS gab es bis Oktober 2000 noch zum Basispreis von rund 21.900 Mark – allerdings ohne Airbags, ohne ABS, ohne Servolenkung, ohne Fensterheber... .

BMW denkt übrigens über ein 75-PS-Modell nach, das den Preis des Kleinen noch deutlich nach unten drücken könnte. Im Dezember jedenfalls kommt der vierzylindrige Über-Mini Cooper S mit 163 Kompressor-PS der mindestens Tempo 230 laufen soll. Sein Preis ist noch offen.

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