BMW M3 CSL

Zum Renner abgespeckt

Das Leichtbau-Coupé BMW M3 CSL stand am Nürburgring für Testfahrten bereit und überzeugte durch überragende Handlingqualitäten. Der abgespeckte M3 schließt zur Sportwagen-Elite auf.

Der aktuelle BMW M3 ist kein schlechtes Auto, ein langsames schon gar nicht. Fünf Sterne erhielt das kompakte, 343 PS starke Sportcoupé im auto motor und sport-Test (siehe Heft 23/2000), auch auf Grund der überragenden Fahrleistungen, die den bulligen Dreier mitten in das Startfeld veritabler Sportwagen katapultieren, direkt neben den Porsche 911 Carrera. Mit dem auf der letztjährigen IAA in Frankfurt vorgestellten M3 CSL ist BMW nun auf dem besten Weg, das Sportcoupé mit dem Traditionsnamen in die erste Startreihe der alltagstauglichen und noch erschwinglichen Sportwagen unterhalb der 75 000-Euro-Marke zu stellen. Adolf Prommesberger, der­zeitiger Geschäftsführer der 1972 von Bob Lutz gegründeten BMW Motorsport GmbH, versteht das neue CSL-Coupé als „puristisches Sportgerät“, das seine Qualitäten vor allem auf Rennstrecken wie der ­Nürburgring-Nordschleife unter Beweis stellen könne und hier den normalen M3 deutlich deklassiere. Um dieses hoch gesteckte Ziel zu erreichen, besann sich die M-Truppe um Entwicklungschef Gerhard Richter klassischer (Motor-)Sport-Praktiken, die schon Fußball-Legende Diego Maradona mehr oder weniger beherzt in die Tat umsetzte: Das Gewicht muss runter – am besten an den richtigen Stellen, was Richter als „intelligenten Leichtbau“ bezeichnet. Hierzu zählt das Dach aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK), das in die Serienkarosserie in Handarbeit eingefügt werden muss und eine Gewichtsersparnis von sechs Kilogramm bewirkt. Damit reduziert sich die Massenträgheit um die Hochachse, und das Fahrverhalten profitiert mehr davon, als der reine Gewichtsverlust von sechs Kilogramm vermuten lässt. Die weiteren Weight-­Watchers-Maßnahmen: Frontschürze, Heckdiffusor, Heck­spoiler, Tür- und Seitenverkleidungen sowie die Mittelkonsole bestehen ebenfalls aus CFK. Dazu Sitze aus glas­faserverstärktem Kunststoff (GFK), eine Heckscheibe aus Dünnglas und noch weitere Leichtbauteile. Laut Entwicklungschef Richter wiegt der CSL „knapp 1400 Kilogramm“, etwa 190 Kilogramm weniger als der Standard-M3.

Dass der CSL-Pilot Sitz und Außenspiegel von Hand einstellen und auf jede Form von Unterhaltungs- und Orientierungselektronik sowie auf eine Klimaanlage verzichten muss, ist für den Sportfahrer Ehrensache. Außerdem wirkt ein ambitioniert gefahrener CSL mindestens so anregend wie ein Live-Konzert der Red Hot Chili Peppers. Das CSL-Interieur gefällt durch seine sportlich-funktionale Noblesse und unterscheidet sich vom normalen M3 vor allem durch die beiden ­bequemen, auch für breite Rücken tauglichen Schalen­sitze, das griffige Lenkrad mit Wildleder-Besatz und durch CFK-Abdeckungen. Besonders wohltuend ist das Fehlen der Tasten für die elektronischen Komfort-Features. Der silbrig glänzende Schaltknauf des vom M3 übernommenen sequenziellen M-Getriebes (SMG) sowie Alu-Paneele an Armaturenbrett und Mittelkonsole lockern die matte, grafitgraue Racing-Atmosphäre angenehm auf. Auf der Rennstrecke, dem Grand-Prix-Kurs des Nür­burgrings, macht der M3 CSL schnell deutlich, dass man auf kichernde Girls als Beifahrer und im Fond verzichten kann. Der CSL-Pilot wird zum reinen Narziss, reduziert den Quell seiner Freuden allein auf sich selbst und sein Auto. Bereits das Beschleunigen in den einzelnen Gängen demonstriert den Abstand zum normalen M3: Der 3,25 Liter große Sechszylindermotor des CSL dreht spürbar leichter bis zur 8000er-Marke hoch und brüllt dabei noch kerniger, noch metallischer als im M3. Dabei halten sich die TuningMaßnahmen des ohnehin an der Leistungsgrenze operierenden Serienmotors im engen Rahmen: Modifikationen am Ansaugtrakt und Auspuff sowie eine Reduktion der Reibungswerte mussten ausreichen. Die Zahlen stehen noch nicht fest, aber gut 350 PS soll der überarbeitete Motor im CSL leisten. Beinahe Welten trennen den Standard-M3 vom CSL beim Anbremsen, Einlenken und Durchpflügen von Kurven:

Die Bremspunkte können im CSL deutlich später gewählt werden, und der Vorderwagen biegt mit der Leichtigkeit und Präzision einer rus­sischen Ballerina in die Kur-ve ein, die der CSL kraftvoll und hervorragend ausbalanciert durcheilt. Nur beim Tanz des Hinterrads über die Curbs hemmt das früh einsetzende DSC (Dy­namische Stabilitätskontrolle) den Vorwärtsdrang des Leichtgewicht-M3, verhindert aber unerwünschte ­Power-Pirouet­ten. Bemerkenswert dabei: Die höheren Kurvengeschwindigkeiten lassen sich müheloser und stressfreier erzielen als im schwereren, komfortbetont ausgelegten Standard-M3. In ihm kämpft man nicht nur gegen die Fliehkräfte, sondern auch gegen die Seiten­neigung der Karosserie, mit einem weniger Halt bietenden Sitz und mit größeren Lenkbewegungen. Das superbe Handling des CSL resultiert nicht nur aus der Gewichtsreduktion, sondern auch aus einem überarbeiteten Sportfahrwerk und einer direkteren Lenkung. Einen wichtigen Beitrag hierzu leisten die für den CSL entwickelten Michelin-Reifen im Format 235/35 ZR 19 vorne und 265/30 ZR 19 hinten. Sie müssen jedoch eine bestimmte Betriebstemperatur erreichen und taugen im Regen nur zum Brötchenholen. Ob sie am Serien-CSL montiert sein werden, der nächstes Jahr in einer noch nicht fest­gelegten Stückzahl auf den Markt kommt, ist un­gewiss. Ebenso der Preis, der bei etwa 75 000 Euro liegen könnte. Auf der Rennstrecke hat der M3 ohne Zweifel seinen Meister gefunden. Er trägt das Kürzel CSL und die unscheinbare Farbe einer Feldmaus. Starker Trost: Es ist ein echter M-BMW aus München, der jedoch seine Fahrkünste im Alltagsverkehr noch unter Beweis stellen muss.

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Technische Daten
BMW M3 CSL Coupé
Grundpreis 85.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4492 x 1780 x 1365 mm
KofferraumvolumenVDA 410 l
Hubraum / Motor 3246 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 265 kW / 360 PS bei 7900 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 11,9 l/100 km
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