Fahrbericht BMW M850i xDrive (2018)

Im neuen Coupé mit Allradantrieb auf der Rennstrecke

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BMW schrumpft den 6er (ein wenig), nennt ihn 8er und spendiert der neuen Baureihe mit der traditionsreichen Baureihenziffer gleich noch ein M-Performance-Modell. Wie meistert der M850i xDrive den Spagat zwischen GT und Sportwagen auf Landstraßen und Rennstrecke?

Warum die Höherpositionierung via Modellbezeichnung? In München fiel auf, dass Mercedes beispielsweise mit S-Klasse Coupé und Cabrio gutes Geld bei Kunden der Luxusklasse verdient. Und warum dann ein kürzeres Auto? Weil BMW eine sportliche Alternative anbieten will, ist der 8er rund 5 Zentimeter kürzer als der 6er, wenn auch nicht viel leichter. Und als M850i soll er ein Plus an Sportlichkeit vor allem mit seinem wohl komponierten Fahrwerk erreichen: Zur variablen Vorder- kommen serienmäßig eine Hinterachslenkung, der hecklastige Allradantrieb in Kombination mit dem elektronisch geregelten Hinterachs-Sperrdifferenzial, verstellbare Adaptivdämpfer plus die allerdings aufpreispflichtige elektromechanische Wankstabilisierung. Selbst die Mischbereifung war von Anfang an mitbestimmender Faktor der Fahrwerksabstimmung. Das alles soll die 530 PS des je nach Lesart weiterentwickelten Biturbo-V8 aus dem M550i oder leicht leistungsreduzierten M5-Motor lustfördernd auf die Straße bringen.

Mit 750 Nm auf die nasse Piste

BMW M850i xDrive Foto: BMW
Auf der Rennstrecke ist der M850i xDrive einfach schnell zu bewegen.

Na dann sollten ein paar Runden Rennstrecke ja kein Problem sein, oder? Bei der Fahrveranstaltung in Portugal war Estoril nicht weit, die Rennstrecke dort allerdings ähnlich nass, wie bei Sennas erstem Grand Prix Sieg 1985. BMW nahm’s sportlich als gute Gelegenheit, Journalisten die Vorteile des hecklastig ausgelegten Allradantriebs zu demonstrieren. Vorne DTM-Fahrer Philipp Eng im ebenfalls allradgetriebenen M5 geht’s im Formationsflug über die trotz erster Sonnenstrahlen nur zögernd abtrocknenden 13 Kurven. Bei praktisch jeder preist Eng via Funkgerät die prächtige Traktion: „Ruhig mal am Kurvenausgang aggressiv aufs Gas und auf DTC“ (also das Fahrstabilitätsprogramm erst später eingreifen lassen), „dann könnt Ihr aus der Kurve driften“. Angesichts der innen aufwendig belederten rund 130.000 Euro hält sich das Bedürfnis nach mehr Nervenkitzel allerdings in Grenzen. Außerdem ist es bei dem Tempo keine gute Idee, auf der Mittelkonsole nach dem Schalter zu suchen. Sport-Plus aktivierst Du bei solchen Gelegenheiten lieber gleich in der Boxengasse. Denn dann brauchst Du Dich ums Schalten nicht mehr zu kümmern: Die 8-Gang-Automatik klopft immer die richtige Stufe für den hellwachen V8 rein, der Innenraum und Umgebung mit einem schicken Klangteppich belegt und beim Runterschalten zufrieden aus dem Klappen-Auspuff sprotzelt. Du versuchst mit der guten Traktion kurvenausgangs wettzumachen, was Du in der Kurve auf den Profi verloren hast. Aber nach der Kurve ist vor der Kurve – und plötzlich ist der Profi näher als einem lieb ist – nicht vom Können her, sondern ganz physisch. Also voll aufs linke Pedal und das Lenkrad in etwa dorthin ausrichten, wo der M5 nicht ist! Den Rest macht die Elektronik – und zwar perfekt. Du klopfst Dir innerlich selbst auf die Schulter, dass Du sie angelassen hast – selbst jetzt ist von ihren Eingriffen wenig zu spüren. Es bleibt bei einer Schrecksekunde und einem kurzen Quersteher, die nachhaltig daran erinnern, dass der Allradantrieb gut 1,9 Tonnen zwar effektiver beschleunigen kann, aber zum Bremsen auch nicht mehr als vier Reifenflächen zur Verfügung stellt. Trotzdem: Sein Rennstreckentalent hat der Achter so eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Fährt sich einfach und schnell. Was soll da noch kommen?

Wie fährt der M850i xDrive auf der Straße?

BMW M850i xDrive Foto: BMW
Die schnelle Reise gelingt im M850i xDrive je nach Laune komfortabel entspannt oder angeregt sportlich.

Ein bisschen Autobahn, ein wenig Landstraße und Ortsdurchfahrten – Alltag halt, schließlich haben vermutlich wenige Kunden Gelegenheit den 8er über Rundkurse zu scheuchen.

Auch hier macht das neue Coupé eine sehr gute Figur: Die Federung schluckt im Comfort-Modus selbst portugiesische Schachtdeckel und Querrillen auf der Autobahn so gelassen, wie der Bayer das Weißbier, der der geschmeidige Bass des V8 lässt bei Bedarf der Playlist des gekoppelten iPhone das letzte Wort und schleudert den 2+2-Sitzer mit seinen 750 Nm trotzdem so nachhaltig Richtung Horizont wie die Brüder Harting den Diskus.

Nicht mal im Sport-Modus reduzieren lässt sich indes die Breite von 1,90 Metern. Hier wäre die Zentimeter-Diät hilfreicher gewesen als bei der Länge. So bremst einen die Furcht vor Kontakt der schicken 20-Zoll-Felgen mit mediterranen Straßenrändern mehr als die Angst, die darauf montierten Sportreifen könnten ihre Haftungsgrenze erreichen.

Auf der schnellen Reise über Ausbaustrecken stört das freilich nicht. Da kann der Steuermann im Bayern-Achter die wesentlichen Infos gut auf dem brillanten Head-up-Display ablesen, wenn ihm die neuen hochauflösenden Digitalinstrumente vielleicht zu vollgepackt sind und sich freuen, dass er Snowboard oder Ski dank umklappbarer Rückbank ohne Aufbauten mit in die verschneiten Berge nehmen kann, wo ihn der Allradantrieb selbst auf rutschige Gipfel bringt. Und beim Runterfahren kann er sich auf die Elektronik genauso verlassen, wie auf der Rennstrecke.

Probefahrt im Erlkönig von Jens Dalle (April 2018)

Machen wir es kurz. Mit was? Ein vorschnelles Urteil über den Nachfolger des 6er Coupés etwa? Nein. Präziser: BMW macht es kurz. Der neue heißt zwar 8er, misst allerdings in der Länge mit 4,85 Meter fast 5 Zentimeter weniger als sein Vorgänger. „Dafür fällt er ein wenig breiter und flacher aus“, sagt Markus Flasch, Projektleiter der 8er-Reihe – und schiebt eilig nach, dass der M850i „besonders mühelos schnell fährt“.

Na, wenn das so ist: Startknopf neben dem Getriebewählhebel drücken. Geht aber erst, nachdem ein schwarzer Filzlappen zur Seite geklappt wurde. Wie überhaupt das gesamte Interieur unter Lappen verborgen liegt. Ein Vorserienfahrzeug. Mehrere davon, mit denen die Entwickler einige Wochen vor der Weltpremiere in der walisischen Einsamkeit an der Abstimmung feilen. auto motor und sport durfte dabei sein – und auch ans Steuer des neuen Coupés. Der Öffentlichkeit zeigt sich der neue BMW 8er (G15) zunächst als M850i xDrive Coupé. Der M8 und zivilere Motorisierungen folgen ebenso wie ein Cabrio und ein viertüriges Gran Coupé. Auf den Markt kommt der BMW M850i xDrive Ende 2018 – bis zum Verkaufsstart ist also noch ein bisschen Zeit für die letzten Abstimmungsfahrten. Hier und jetzt basst im getarnten M850i erst einmal das neue Achtzylinder-Triebwerk, das Coupé rollt im Komfort-Modus los.

Abstimmungsfahrt im neuen 8er

BMW M850i Sperrfrist 26. April, 0.00 Uhr Foto: F. Kirchbauer
Letzte Abstimmungsfahrten im BMW M850i xDrive: Ist das neue Coupé ein Sportwagen?

Nur wenige hundert Meter Fahrt reichen – auf Straßen, so eben wie eine Pizza Capricciosa – um festzustellen, dass der 8er niemanden mit außergewöhnlichem Federungskomfort einlullen, gar vom aktiven Fahren abhalten will. Das Coupé spricht zwar gut auf jegliche Unebenheiten an, rollt aber tendenziell straff ab, die Karosserie bewegt sich nur wenig. Umschalten auf Sport stabilisiert den Aufbau nochmals, strafft auch die Dämpfer, die Mutation zum Bandscheiben-Killer jedoch bleibt aus. Jetzt drückt dir der BMW 8er einfach noch verbindlicher die Hand, vor allem die Lenkungskennlinie gefällt, das luschige Ansprechen aus der Mittellage ist nun weg, das Handmoment bleibt aber diesseits von Leibesertüchtigung.

„Das wird auch im Komfort-Modus noch besser, dieses Fahrzeug hat noch einen alten Hardware-Stand“, erklärt Fahrdynamik-Applikateur Sebastian Spirk. Der Ingenieur referiert vom Beifahrersitz aus, dass die adaptiven Dämpfer alle 2,5 Millisekunden regeln, in dem die beiden darin befindlichen Ventile mit bis zu 1,8 Ampere beaufschlagt werden. Er erzählt davon, wie wichtig es gewesen sei, alle Technik-Solisten zu einem Orchester zu vereinigen, in dem sich keiner hervortut. Da wären Vorder- und Hinterachslenkung, der Allradantrieb, bei einem M Performance-Modell erstmals in Kombination mit dem elektronisch geregelten Hinterachs-Sperrdifferenzial und die elektromechanische Wankstabilisierung. Puh.

V8 jetzt mit 530 PS und 750 Nm

BMW M850i xDrive Foto: BMW
Starkes Stück: Der 4,4-Liter-V8 im M850i nähert sich dem M5-Triebwerk

Umsteigen in ein weiteres, ebenfalls getarntes Vorserienfahrzeug, ab in eine Gegend, in der die Moore hoch sind, die Fahrbahn noch welliger ist und in der die Kurven noch enger in der Weite herumliegen. Modus Sport Plus, der den Antrieb, nicht aber das Fahrwerk, dramatisiert. Der V8-Motor spricht giftig an, klebt an der rechten Sohle, sorgt so für jederzeit dramatischen Vortrieb, zoomt sich durch sein breites Drehzahlband bis über 6.500 Umdrehungen, spielt dabei das BMW-typische, sehr saubere Bass-Solo, sprotzelt nur beim Gaswegnehmen zornig. 70 Prozent der Teile des Triebwerks seien neu, versichert Christian Billig, Leiter Integration Antrieb. „Die neuen Twin Scroll-Lader liegen wieder im V, dahinter sind gleich die ersten Katalysatoren angebracht. Das geht mittlerweile vom Package her, so lassen sich die hohen Temperaturen an dieser Stelle gut nutzen, damit die Kats effizienter arbeiten“. Nun leistet der Direkteinspritzer 68 PS mehr als bislang, macht insgesamt 530, das maximale Drehmoment steigt um 100 auf 750 Nm.

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Sehr stabiles Fahrverhalten

Ungeachtet dieser Wucht erfordert eine flotte Fahrweise keine Korrekturen am Lenkrad, der variable Allradantrieb verteilt die Kraft mit großer Lässigkeit, in Kombination mit den anderen Systemen ergibt sich eine extrem hohe Fahrstabilität mit einem am Limit sacht drückendem Heck. „Genau das wollten wir, ein Fahrverhalten wie bei einem Hecktriebler, nur mit mehr Traktion“, sagt Jos van As, Leiter Applikation Fahrwerk. Er sagt an, kennt hier jede Kurve, jede Welle, jede Kuppe. Ist ein bisschen wie Rallyefahren. Eine permanente Abfolge von Anbremsen, Einlenken, Beschleunigen. Die 20-Zoll-Räder sortieren die Asphalt-Körnung neu, das Coupé zeigt einen hohen mechanischen Grip, verliert nie den Bodenkontakt. In dem Moment sagt Jos: „Lass stehen“. Und dann hebt der 8er über diese Kuppe kurz ab, landet stabil, verliert kein Tempo. Szenenapplaus von den herumstehenden Schafen. Möge diese Straße nie enden, auch wenn ihre Zweispurigkeit von der Breite des Coupés doch arg vereinnahmt wird.

Neuer BMW 8er Coupé (G15)
GT greift Luxusklasse an

Fazit

Schön, dass sie es kurz gemacht haben bei BMW. Aber leicht gemacht haben sie es sich nicht, um dem BMW 8er dieses hohe Maß an Agilität anzutrainieren. Und er ihnen auch nicht. Selbst ohne Wankstabilisierung kommt der M850i xDrive auf 1.890 Kilogramm Leergewicht. Das hervorragende Fahrwerk, Allradantrieb, Sperrdifferenzial, Allradlenkung sowie die optionale Wankstabilisierung lassen den zwar M850i viel leichtfüßiger und zielgenauer über die Rennstrecke wieseln, als es man es angesichts dieser Masse vermuten würde. Aber spätestens beim Bremsen bringen sie sich wieder in Erinnerung, die zwei Tonnen (mit Fahrer).

Und für den großen Fahrspaß auf kleinen Landstraßen hätten die Bayern gegenüber dem 6er auch gleich noch auf 5 Zentimeter breite verzichten sollen.

Andererseits gelingt dem neuen BMW M850i xDrive der Spagat zwischen luxuriösem Gleiten und mühelos verdammt schnell Fahren hervorragend. Angesichts der Performance ist es sogar in Ordnung, wenn BMW jetzt für das M-Performance-Modell nicht viel weniger verlangt als zuletzt für den M6 – spannend bleibt, wie viel 2019 der M8 kostet.

Technische Daten
BMW M850i xDrive Coupé
Grundpreis 125.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4851 x 1902 x 1346 mm
KofferraumvolumenVDA 420 l
Hubraum / Motor 4395 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 390 kW / 530 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 9,8 l/100 km
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