BMW X3 3.0sd

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Foto: Karl-Heinz Augustin 20 Bilder

Der aufgefrischte X3 rollt an den Start – mit neuer Niere und weiteren Modifikationen beim Ex- und Interieur. Das Spitzenmodell bekommt ein doppelt aufgeladenes Diesel-Herz ähnlich dem 535d-Motor.

Seit der X3 Anfang 2004 zu den Händlern rollte, muss er sich mit keinem ernst zu nehmenden Konkurrenten messen. Audi-Chef Martin Winterkorn spricht bis heute von der „X3-Klasse“, wenn er den für 2008 erwarteten kleinen Audi-SUV – den Q5 – größenmäßig einordnen will.

Bis 2010 soll die Facelift-Version des kleinen BMW-Kraxlers vor allem Audi und Mercedes im Zaum halten. Der X3 sieht aus wie ein kompakter Geländewagen, ist aber eher ein höhergelegter Kombi mit Vierradantrieb. Dessen Grundkonstruktion basiert auf dem Hinterradantrieb, die Vorderachse ist also quasi angehängt. Anders als der größere X5 verfügte der X3 aber vom ersten Tag an über eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung im Verteilergetriebe statt über ein Planetenrad- Zentraldifferenzial. Damit lässt sich der Kraftfluss viel schneller variieren.

Diese Lösung ist so einfach und dennoch so effizient, dass sie im Rahmen der Modellüberarbeitung Ende 2003 auch im X5 Einzug hielt. SAV, also Sport Activity Vehicle, hat BMW seine beiden Allradler genannt – ein schlüssiger Begriff, den aber kein anderer Hersteller übernehmen wollte. Der X3 wurde komplett außer Haus bei Magna Steyr in Graz entwickelt und läuft dort vom Band. Mit mehr als 100 000 Einheiten jährlich verkauft er sich so gut, dass man bei BMW laut darüber nachdenkt, die profitable Fertigung des Nachfolgers wieder in einem eigenen Werk anzusiedeln– vermutlich in Spartanburg/USA. Einige wenige Schwächen nervten bislang bei dem kleinen Allradler – das betraf vor allem die billig wirkende Kunststoff-Optik. Der Innenraum ist nun mittels appetitlicher wirkender Türverkleidungen mit Kartentaschen, Alu- oder Holz-Applikationen im Cockpit sowie optionaler Komfortsitze vorn und beheizter Sitze hinten aufgewertet.

Die Kopffreiheit ist auf allen fünf Plätzen völlig ausreichend. Wie bisher fährt das Navi-Display aus dem Instrumententräger aus, einen i-Drive-Controller gibt es nicht.

Der überarbeitete X3, der ab 23. September beim Händler einrollt, bekommt modifizierte, klar strukturierte Stoßfänger, die weitgehend in Wagenfarbe gehalten sind, neue Doppelrundscheinwerfer erstmals mit Corona- Leuchtringen und Klarglasoptik sowie LED-Heckleuchten mit Klarglasabdeckung und eine breitere Niere.

Die Antriebstechnik ist stark modifiziert worden: Drei der sechs Motoren sind neu; alle Diesel haben serienmäßig Partikelfilter. Es bleibt bei den Einstiegsvarianten mit Zweiliter-Benziner und -Diesel, beide unverändert 150 PS stark, und beim Dreiliter-Diesel mit 218 PS. Neu sind die gewichtsreduzierten Benziner 2.5si mit 218 PS und 3.0si mit 272 PS sowie der von auto motor und sport gefahrene, doppelt aufgeladene Diesel 3.0sd mit Piezotechnik und 286 PS.

Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des Sechszylinders vom 535d: Das Zylinderkurbelgehäuse besteht aus Alu und nicht mehr aus Grauguss (minus 20 Kilogramm), der Motor kommt nun auf 286 statt bisher 272 PS und hat sein maximales Drehmoment von 580 Nm (plus 20 Nm) schon bei 1750/min. Gekoppelt werden fünf der Motoren mit Sechsgang-Schaltgetrieben, für die Sechszylinder gibt es wahlweise Sechsstufen- Automatikgetriebe. Lediglich der 3.0sd hat so eine Box serienmäßig – wobei es sich hier um die Schnellschaltautomatik handelt, wie sie vom neuen 335i Coupé bekannt ist. Nachgeschärft wurden auch Fahrwerk und Allradantrieb (x-Drive).

Im Stand – also gleichsam in Erwartung des Anfahrvorgangs – ist die Kupplung geschlossen, dank starrem Durchtrieb gehen je 50 Prozent des Antriebsmoments zu Vorder- und Hinterachse. Bei normaler Straßenfahrt ist die Kupplung leicht angelegt, um eine Pkw-ähnliche Kraftverteilung von 40:60 zu gewährleisten. Bei Langsamfahrt wird die Vorderachse indes komplett entkoppelt, um etwa besseres Einparken zu ermöglichen. Tritt Schlupf auf, können bis zu 100 Prozent der Antriebskraft an die Achse mit der besseren Traktion gehen. Fahrstabilitätsregelung (DSC), Motorsteuerung und x-Drive sind nun vollelektronisch vernetzt – das ermöglicht die schnelleren Ansprechzeiten.

Auch im X3 lässt sich jetzt die Schleuderbremse zweistufig deaktivieren. Dadurch ist der DTC-Modus nutzbar, der die Grenzen des Bremseingriffs höher setzt und auch bei durchdrehendem Rad die Motorleistung nicht abregelt. Gerade abseits befestigter Straßen bringt dies besseren Vortrieb und – dank einer speziellen ABS-Funktion – etwas kürzere Bremswege auf losem Untergrund.

Der Eingriff der Schleuderbremse beim Unter- oder Übersteuern zugunsten optimaler Traktion ist kaum zu spüren. Im Gelände schlägt sich der kleine Kraxler erstaunlich gut, obwohl die Verschränkungsmöglichkeit der Achsen nur äußerst gering ist. Befindet sich ein Rad in der Luft, wird es über die elektronische Schlupfregelung ADB-X mit lautem Knarren abgebremst, die Kraft geht dann zum gegenüberliegenden Rad der gleichen Achse.

Mechanische Differenzialsperren oder ein Reduktionsgetriebe hat der X3 weiterhin nicht. Eine via Knopfdruck aktivierte Bergabfahrhilfe (HDC) bremst das Auto bei steilem Gefälle sicher zu Tale, und auch eine (Berg-)Anfahrhilfe gehört jetzt zum Lieferumfang. Das wahre Revier des X3 ist aber weiterhin die Straße: Hier fährt er sich – abgesehen von seiner Wankneigung – fast wie ein Pkw. Kein Wunder, stammt doch ein Gutteil der Fahrwerkstechnik vom Dreier-BMW der letzten Baureihe E46. Serienmäßig bleiben 17-Zoll-Räder, der 3.0sd hat 18-Zöller (keine Runflats), die Tempo 240 erlauben. Wichtiger ist aber zweifelsohne der Anhängerbetrieb: Der BMW nimmt bis zu zwei Tonnen an den Haken und verfügt selbstverständlich über die heutzutage übliche Anhänger-Stabilitätsregelung.

Das Auto ist trotz seiner gewollt hohen Sitzposition erstaunlich handlich und agil, zumal mit dem großen Selbstzünder. Die Spurtfreude des Super-Diesels (null bis 100 in 6,6 Sekunden) ist im Wettbewerbsumfeld kaum zu toppen, allenfalls der eine halbe Klasse darüber angesiedelte Mercedes ML 40 CDI ist etwas schneller, verbraucht dafür aber erheblich mehr. Auf ebener Fahrbahn bleibt der Allrad-Kombi komfortabel und ohne nennenswerte Vertikalbewegungen in der Spur.

Bei langgezogenen Bodenwellen federt die Karosserie jedoch tief ein. Und bei Querfugen und löchrigem Belag werden die harten Stöße an die Besatzung weitergereicht. Die auf 520 bis 545 Kilogramm begrenzte Gesamtzuladung und die hohen Preise bieten weiter Anlass zur Kritik. Einstiegspreis für den Zweiliter-Benziner sind 33 500 Euro. Der 3.0sd ist beträchtlich teurer: 50 300 Euro sind dafür lockerzumachen, mit einigen Optionen zusätzlich zur zugegeben reichhaltigen Serienausstattung ist man schnell bei 60 Tausendern und mehr.

Technische Daten
BMW X3 xDrive35d
Grundpreis 53.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4569 x 1853 x 1674 mm
KofferraumvolumenVDA 480 bis 1560 l
Hubraum / Motor 2993 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 210 kW / 286 PS bei 4400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 240 km/h
Verbrauch 7,8 l/100 km
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