Foto: Achim Hartmann

BMW X3 gegen 330 Touring und X5

Duell unter Brüdern

Ein X3 kann auch bei sportlicher Fahrweise Laune machen. Und das, obwohl er in Sachen Nutzwert dem größeren X5 kaum nachsteht. Ist der X3 also der perfekte Kompromiss? Die Konfrontation mit den Markenbrüdern 3er Touring und X5 empfiehlt sich als Talentprobe.

Warum sind Geländewagen – zu Neudeutsch: Sport UtilityVehicles (SUV) – so beliebt? Zugegeben, eine schwierige Frage. Die Tiefenpsychologie dürfte sicher einige passende Antworten zutage fördern, aber höchstwahrscheinlich ist es wieder einmal die Verlockung der Eier legenden Wollmilchsau, die den Menschen schwach werden lässt. Der SUV als Alleskönner – Familienkutsche, Reiseauto, Jagdwagen, Bergziege, Zugpferd, Abenteuerspielzeug, ein Gefährt für alle Fälle eben, theoretisch zumindest. Und wenige Vertreter dieses Genres adressieren gängige SUV-Fantasien so zielgenau wie der BMW X3. Zum gewohnten Einsatzspektrum gesellt sich bei ihm nämlich noch ein weiteres, bis dato unübliches Talent: Ein X3 kann auch bei sportlicher Fahrweise Laune machen. Und das, obwohl er in Sachen Nutzwert dem größeren X5 kaum nachsteht.

Ist der X3 also der perfekte Kompromiss? Die Konfrontation mit den Markenbrüdern Dreier Touring und X5 empfiehlt sich als Talentprobe. Beide verfügen über den gleichen Sechszylinder-Diesel, der mit zum Besten gehört, was BMW zu bieten hat. Beide verteilen ihre Kraft über ein manuelles Sechsganggetriebe auf alle vier Räder. Beide bieten die Vorzüge eines Kombis. Und beide liegen im Preis nicht so weit auseinander, dass sie sich nicht als realistische Alternativen anböten: 38 650 Euro kostet der 330 xd als Touring, 40 300 Euro der X3 3.0 d.

Die Mehrausgabe für den X3 rechtfertigt schon das größere Format. Das gilt auch für den Innenraum: Im Vergleich zu den üppigen Platzverhältnissen des X3 wirkt der Dreier wie eine Zwangsjacke. Keine Frage also, wer von beiden das geeignetere Familienauto darstellt, zumal im X3 auch deutlich mehr Gepäck verstaut werden kann. Allerdings bürgt die Raumfülle im X3-Fond allein noch nicht für überlegenen Langstreckenkomfort: Die brettharten Rücksitze sind gemessen an den Polstern des Dreier nur Holzklasse. Aber auch sonst erwartet die Insassen eine harte Schule. Das störungsfreie Absorbieren von Straßenunebenheiten gehört jedenfalls nicht zum Repertoire des X3. Ordert man obendrein noch das im Testwagen eingebaute Sportfahrwerk, vermag er nur noch ein Minimum von dem zu vermitteln, was man als Federungskomfort bezeichnet. Dagegen kommt einem selbst der keineswegs stoßfreie 330 Touring wie eine Sänfte vor. 

Aber auch für die Ohren ist er die angenehmere Wahl: Fahrund Windgeräusche vereinen sich im X3 zu einem deutlich höheren Geräuschpegel. Die Kehrseite des X3: Dem Mangel an Komfort stehen Fahreigenschaften gegenüber, die alles SUV-Mäßige in den Schatten stellen. In Kurven lässt er sich handhaben wie ein Sportwagen, wobei ihm die leichtgängige, superpräzise Lenkung ein verblüffend agiles Handling verleiht. Um so überraschender dann die Gegenprobe: Im Vergleich zum noch behänderen Dreier, dessen höhere Haftgrenze sich auch bei den Fahrdynamikversuchen positiv bemerkbar macht, spielt selbst ein X3 nur in der zweiten Liga.

Nahezu Gleichstand hingegen bei den Fahrleistungen: Mit 1,9 Tonnen mag der X3 bleischwer sein, aber der durchzugsstarke Dreiliter-Diesel treibt ihn ebenso vehement wie mühelos voran. Die Beschleunigungswerte liegen im Bereich respektabler Sportlimousinen, der 111 Kilogramm leichtere 330 kann es kaum besser. Einziger Wermutstropfen: rund 1,2 Liter Mehrverbrauch pro 100 Kilometer. Wer also gerne einmal abseits der Piste fährt und viel Platz benötigt, der ist mit dem Geländegänger X3 gut bedient.

Die klassischen Tugenden Komfort und Handling beherrscht dagegen der Kombi besser. Mehr Leistung, gleicher Preis: Wer den X3 nicht als Diesel, sondern mit dem Dreiliter-Benziner wählt, bekommt 27 Zusatz-PS quasi geschenkt. Dennoch: Echte Schnäppchen sind billiger. Gönnt man sich dazu noch die Automatik, kommt diese Variante auf 42 300 Euro. Da lockt dann schon der größere X5, der als 3.0i für 44 250 Euro (46 250 Euro mit Automatik) zu haben ist. Warum also nicht gleich X5? Lohnt sich die – für BMW-Verhältnisse unverhofft bescheidene – Mehrausgabe? Optisch auf jeden Fall. Ein X5 wirkt deutlich erwachsener, im Auftritt natürlich auch prestigeträchtiger.

Sachlich gesehen sind die Vorzüge der größeren Statur allerdings gering: Abgesehen von der etwas üppigeren Innenbreite hat man wenig von den zusätzlichen Zentimetern. Auch im Kofferraum bringt das X5-Format kaum Vorteile, aber den Nachteil einer höheren Ladefläche, die infolge der zweigeteilten Heckklappe auch noch schwerer zu erreichen ist als jene des X3. Dass man dennoch lieber im X5 Platz nimmt, liegt vor allem an den bequemeren Sitzen. Aber auch die Umgebung wirkt einladender, weil hochwertiger: Im Vergleich zum wohnlichen X5 (aber auch zum Dreier) hat der X3-Innenraum das Flair eines Wartezimmers. Ähnlich sind die Unterschiede im Komfort: Die erheblich schluckfreudigere Federung und das leisere Fahrgeräusch sind zweifellos die wichtigsten Gründe, sich für den X5 zu entscheiden. Dafür eignet er sich weniger für sportliche Fahraktivitäten.

Obgleich unter seinesgleichen einer der Dynamischsten, wirkt er gegenüber dem X3 ungeschlacht, wälzt sich stärker in den Federn und lenkt sich weniger präzise. Zugleich schiebt er in schnell gefahrenen Kurven stärker über die Vorderräder. Auch die 341 Kilogramm Mehrgewicht vermag er nicht zu verheimlichen. Während die Antriebskombination im X3 munteres Temperament gewährleistet, muss sich der Dreiliter-Benziner im X5 schon arg plagen – ein Eindruck, den die Automatik noch verstärkt. Der Dreiliter-Benziner ist hier eindeutig eine Nummer zu klein. Klar, dass sich der Antriebsstress auch im Verbrauch niederschlägt: Mit 16,4 L/100 km genehmigt sich der X5 im direkten Vergleich zwei Liter mehr als sein kleinerer Bruder. So dürfte denn auch die Entscheidung in diesem Fall nicht allzu schwer fallen: Die Vernunft spricht für den X3. Fragt sich höchstens, ob es bei einem SUV überhaupt auf die Vernunft ankommt.   

Technische Daten

BMW X3 3.0d BMW 330xd Touring
Grundpreis 40.300 € 38.650 €
Außenmaße 4565 x 1853 x 1674 mm 4478 x 1739 x 1429 mm
Kofferraumvolumen 480 bis 1560 l 435 bis 1345 l
Hubraum / Motor 2993 cm³ / 6-Zylinder 2993 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 150 kW / 204 PS bei 4000 U/min 150 kW / 204 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h 230 km/h
Verbrauch 8,4 l/100 km 7,8 l/100 km
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