BMW X5

Der 2,2-Tonnen-Kart

Foto: - 18 Bilder

So viel High Tech hat die SUV-Welt noch nicht gesehen. Mit geballter Elektronik in Fahrwerk, Antrieb und Bedienung soll der neue, größere BMW X5 seinen Agilitätsvorsprung behaupten.

Wenn es um SUV geht, tickt BMW anders als andere. Statt lange über Geländeprogramme oder Böschungswinkel zu dozieren, erklärt X5-Projektleiter Albert Biermann im stolzen Unterton eines ehemaligen Rennwagen-Entwicklers: „Bei der Bodenfreiheit sind wir nicht vorne, aber dafür braucht unser Neuer nur neun Minuten pro Runde auf der Nordschleife.“ Man hört’s, schaut auf den 1,73 Meter hohen 2,2-Tonner mit dem eher braven BMW-Gesicht und glaubt es so lange nicht, bis die mächtige Front um die erste Kurve tanzt.

Den Scheitelpunkt im Visier der gewachsenen Nieren, lenken die 255er-Reifen zackig ein. Verbünden sich, beim Topmodell angebrüllt von einem satt grollenden Achtzylinder- Sound der Race-Klasse, mit dem Asphalt zu einer äußerst querstabilen Einheit bis über 0,9 g. Wanken? Quasi Fehlanzeige. Untersteuern? Subtil. Aber dafür Traktion aus der Kurve heraus, als wäre die Fuhre ein Panzer. Fast mühelos wandern die 355 PS des durchzugsstarken 4,8-Liter-V8, aktiv vom x-Drive-Allradantrieb auf die Achsen verteilt, auf die Straße.

Klare Sache: BMW hat ein Kart gebaut, ein 2,2-Tonnen- Kart. Vorausgesetzt, in der Optionsliste wurde vorher ein Kreuz bei Adaptive- Drive gemacht. Denn dann packt BMW in sein neues Riesenbaby alles hinein, was derzeit als Spitzentechnologie im Fahrwerksbereichs gilt: Luftfedern hinten (Serie beim V8), adaptive Dämpfer rundum und aktive Wankstabilisierung. Als einziger BMW setzt der neue X5 zudem an der Vorderachse serienmäßig auf besonders sturzstabile Doppel-Dreiecksquerlenker anstatt der sonst üblichen McPherson-Federbeine.

Eine exklusive Bauteil-Mischung, der aber erst das weltweit zum ersten Mal eingesetzte Flex-Ray-Netzwerk so richtig Leben einhaucht (siehe Spotlight). Megabits sind zwar nicht sexy und Datenbusse allein so langweilig wie ihre Pendants bei den öffentlichen Verkehrsmitteln, aber der Highspeed-Bus Flex Ray legt mit seinem blitzschnellen Austausch von Fahrwerksdaten die Grundlage dafür, dass der neue X5 Haken schlägt wie ein Monsterhase. Dabei verprügelt der in Spartanburg/ USA gebaute Soft-Offroader das Rückgrat des Fahrers nicht annähernd so brutal wie ein Porsche Cayenne S.

Der in der Länge um 19 Zentimeter auf 4,85 Meter gewachsene BMW gleitet trotz serienmäßiger Runflat-Bereifung mit fast aufreizender Geschmeidigkeit sogar über kurze, harte Verwerfungen. Die beiden Antipoden Agilität und Komfort scheinen sich im X5 gefunden zu haben. Da sieht man ihm auch nach, dass er mit seiner neuen, optionalen Aktivlenkung im Stadtverkehr für den unerfahrenen Piloten hyperagil wirkt. Wie bei so vielen BMW in den letzten Jahren muss sich der Fahrer auch an den X5 Nummer zwei erst mal gewöhnen.

Ohne Adaptive-Drive leidet die Handling- Faszination dagegen etwas. Mit dem Standard- Fahrwerk fährt sich der große Ami- Bayer für seine Dimensionen zwar immer noch erstaunlich agil, aber doch spürbar behäbiger, holpriger, einfach konventioneller. Daher der Tipp auch für Sportfahrer: Anstatt des kräftig schluckenden Achtzylinder-Benziners den untenrum genauso packend antretenden, aber viel sparsameren Sechszylinder- Diesel mit 520 Nm und schneller Piezo- Einspritzung nehmen und das gesparte Geld in Adaptive-Drive stecken.

90 Prozent aller deutschen X5-Käufer ließen auch bisher schon den Dreiliter-Selbstzünder dezent nageln. Der neue, 235 PS starke 3.0d wiegt trotz des Größenwachstums und laut BMW deutlich gewachsener Torsionssteifigkeit (von 23 500 auf 27 000 Nm/Grad) kein Kilogramm mehr als der Vorgänger. Auf einen Hammer-Diesel wie das 286-PSAggregat mit Register-Aufladung im X3 3.0 sd müssen X5-Fahrer jedoch noch etwas warten. Beim Getriebe gibt es keine Wahl, und das ist auch gut so. Die schon im X3 verbaute Highspeed-Sechsgang-Automatik spurtet auf Samt durch die Gänge und legt in fast jeder Situation den richtigen Gang parat.

Der neue, elektronisch gesteuerte Wählhebel mit integriertem Parkbrems-Knopf erfreut nicht nur Raumschiff-Enterprise-Fans, er liegt beim manuellen Schalten auch Traditionalisten gut in der Hand. Der Automatikstick ist noch das stilistisch auffälligste Element im Interieur. Ansonsten empfängt der X5 seine Passagiere unaufgeregt edel ohne Protzer- Attitüde mit wohl ausgesuchten Materialien und bombenfester Verarbeitung. Endlich, möchte man jubilieren, hat BMW den Monitor formschön ins Armaturenbrett integriert.

Das neue, schärfere 8,5-Zoll-Display macht mit seiner Transflexiv-Technik auch blendkritischere Platzierungen möglich. Dabei wird das bei sonstigen Anzeigen störende Sonnenlicht über ein Spiegelsystem clever als Display-Aufheller genutzt. Die Zeiten unschöner, aufgesetzter Anzeigen-Pickel wie im Dreier und Siebener sind bei BMW damit endgültig vorbei. Dafür lässt sich jetzt auch im X5 das ergonomisch sehr sinnvolle Head-up- Display bestellen. Die acht neuen Favoritentasten sind sogar serienmäßig. Diese unscheinbare Knopfleiste lässt sich durch einen längeren Fingerdruck direkt mit Radiosendern, Telefonummern und oft genutzten Navigationszielen belegen.

Der Clou: Nähert sich der Finger einer Taste, erscheint im Display automatisch die hinterlegte Funktion. Unverständlicherweise verbietet BMW jedoch die Programmierung von oft genutzten Funktionen wie zum Beispiel den Abruf der Verkehrsmeldungen oder der nächsten Tankstelle auf die Tasten. Für den erfahrenen und damit mit Abstand größten Teil der X5-Nutzer sind die neuen Shortcut-Knöpfe trotz dieser Einschränkung eine erhebliche Erleichterung. Der X5, so BMWErgonomie- Fachmann Lutz Eckstein, ist damit derzeit der Bedienungs-Maßstab im Programm.

Man könnte auch sagen: Der i-Drive wird endlich erwachsen. Multimedia-Fans dürfen sich zudem in gewohnt üppiger BMW-Manier und gegen Aufpreis, versteht sich, mit einem Online-Zugang, Sieben-Kanal- Surround-System und einer Rückfahrkamera mit grafischer Ankoppelhilfe für Anhänger eindecken. Auch wenn Projektleiter Albert Biermann im X5 keinen „Premium-Transporter“ sehen will, reagierte BMW beim Laderaum auf die Kritik am Vorgänger. Mit 620 Liter Basisvolumen stellt der Neue immerhin 110 Liter mehr parat. Der fast schon fürstlichen Bein- und Kopffreiheit auf den vorderen Plätzen tut das keinen Abbruch.

Für 1500 bis 2000 Euro (je nach Modell) lässt sich der X5 sogar zu einem Siebensitzer mit Kinder-Klappsesseln im Fond aufrüsten. Dann kann die zweite Reihe einfach und praktisch in Position sowie Neigung verstellt werden. So lässt der am 24. März startende neue X5 selbst als Familienwagen kaum noch Wünsche offen. Nur zwei Dinge sollten potenzielle Käufer einkalkulieren: viel Geld für die Extras und etwas Zeit zur Eingewöhnung.

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Technische Daten
BMW X5 xDrive48i
Grundpreis 70.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4854 x 1933 x 1739 mm
KofferraumvolumenVDA 620 bis 1750 l
Hubraum / Motor 4799 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 261 kW / 355 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 240 km/h
Verbrauch 12,1 l/100 km
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