BMW Z4

Der BMW Z4 ist optisch so schräg, dass Tradionalisten laut Alarm schlagen werden. Nach ersten Fahreindrücken gilt aber: Vier gewinnt.

Es gibt sie einfach immer wieder. Autos, die einen voll in der Magengrube erwischen. Entweder wie ein Faustschlag oder aber ... na ja, es kribbelt halt so schön. Gelegentlich kommt auch beides zusammen. Wie beim neuen BMW Z4.

Auf alle Fälle hat der für den aktuellen Siebener vielgescholtene BMW-Chefdesigner Chris Bangle mit dem Z4 erneut ein extrem polarisierendes Automobil auf die Räder gestellt. Da drängen sich auf vier eiskalten Metern muskulöse Flächen, kühne Linien, ein böse bleckendes Haifischmaul und blutunterlaufene Augen.

Am Heck aber beglückt Meister Bangle die atemlose Klientel mit einem zornigen Kofferraumdeckel, der erneut seinesgleichen sucht. Lieben oder hassen heißt die Devise eben, und das darf bei einem Sportwagen durchaus vorkommen. Weitaus konsensfähiger dürfte da das elektrisch betätigte Stoffdach sein, dessen Vorderteil sich im geöffneten Zustand wie eine Persenning hinter den Sitzen faltet.

Aber auch im Cockpit des Z4 steigt das 21. Jahrhundert wie selbstverständlich ein und räumt auf mit den engen, knorpeligen Sentimentalitäten des alten Z3: Je nach Ausstattung zieht sich ein dominierendes Element aus Aluminium oder Holz quer über den Instrumententräger, und aus dem darüber bis zur Windschutzscheibe gezogenen, genarbten Armaturenbrett wächst eine Instrumentenkuppel, in der sich die eigentlichen Uhren noch einmal in tiefen Röhren präsentieren.

In der Mitte des Cockpits sind Radio und Klimaanlage gut erreichbar angeordnet, der Bildschirm des optionalen Navigationssystems wird elektrisch schwenkbar unter einer Klappe im Armaturenbrett verborgen.

Da bleibt natürlich das beinahe zum Mythos erhobene fahrerorientierte Cockpit auf der Strecke. Der Z4 wirkt stattdessen großzügig geschnitten, enorm übersichtlich und – besonders gegenüber dem arg rustikalen Z3 bemerkbar – hervorragend verarbeitet. Zumindest insofern wird der engen Fahr-Nische des Z3 kaum einer nachtrauern. Andere alte BMW-Tugenden bleiben allerdings in vollem Umfang erhalten: die präzisen Schalter und Hebel, narrensichere Bedienbarkeit – kein iDrive weit und breit – und das Gefühl des fast organischen Zugriffs auf Wesentliches. Der Z4 mag einem noch nicht ans Herz gewachsen sein – an den Hintern wächst er im Handumdrehen.

So garantiert die Sitzposition (fast) auf der Hinterachse optimale Wahrnehmung für den Popometer, das Lenkrad

ist in Höhe und Tiefe verstellbar, der Schalthebel des für den Dreiliter-Z4 serienmäßigen Sechsganggetriebes hervorragend platziert.

Das sind alles Elemente, die das Fahren im neuen Z4 zu einer enorm befriedigenden Sache werden lassen Wie an der Schnur gezogen läuft der Roadster geradeaus, pfeilt energisch und neutral in jeden Radius, verteilt die auftretenden fahrdynamischen Kräfte mit einer Feinfühligkeit, die beim Fahrer nur einen Eindruck hinterlässt: Dieses Auto ist sauschnell und so gefühlsecht, dass selbst alten Roadster-Fans die Freudentränen in die Augen schießen.

Dass der BMW Z4 nämlich mit moderner Regel- und Steuerungselektronik regelrecht vollgestopft ist, davon merkt der Fahrer nur in den seltensten Fällen etwas. Das serienmäßige DSC greift in riskanten Extremsituationen so sanft nach dem Roadster, dass der Einsatz des Systems in den meisten Fällen nur an einer kurz aufflackernden Kontrollleuchte erkannt wird.

Abschalten wird selbst für sportliche Fahrer nur noch auf der Rennstrecke nötig. Denn DSC wird durch das ergänzende DTC (Dynamic Traction Control) auf eine neue Ebene gebracht. Auf Tastendruck lässt DTC im unteren und mittleren Geschwindigkeitsbereich erhöhten Schlupf an den Hinterrädern zu und simuliert so das Fahrgefühl eines klassischen Sperrdifferenzials – ohne das DSC-Sicherheitsnetz auszuklinken.
Die präzise und dennoch leichtgängige Lenkung ist erstmals elektrisch statt hydraulisch ausgelegt. Die Servounterstützung entsteht durch einen an die Lenksäule gekoppelten E-Motor. Auf diese Weise kann die Lenkungsabstimmung über Software erfolgen, und die Lenkung bleibt frei von Stößen oder Vibrationen.
Im per Knopfdruck angewählten Sportmodus wird so nicht nur die Ansprechcharakteristik des Motors schärfer, sondern auch die Lenkung härter und direkter abgestimmt. Das Fahrwerk des Z4 ist übrigens selbst in der von auto motor und sport gefahrenen Sport-Variante frei von unnötiger Härte.
Auch die beiden 2,5-Liter- und Dreiliter-Sechszylinder verbinden kultivierte Laufruhe mit bissiger Drehfreude. Das Votum zu Gunsten des 231 PS starken, größeren Motors wird besonders durch das gut abgestimmte, knackige Sechsganggetriebe attraktiv. Allerdings wird mit der Markteinführung des Z4 im Frühjahr 2003 zudem ein sequenzielles SMG-Getriebe erhältlich sein.
Stimmig ist auch der Motorklang – spezielle Membrane übertragen die Schwingungen des Ansaugtrakts in das Cockpit. Das wummert, brodelt und faucht, dass es eine wahre Pracht ist.
Nachteile des Z4? Wenige. Der Tank ist mit 55 Litern doch sehr klein. Windgeräusche an der A-Säule. Ach ja: M-Variante und Coupé sind vorerst nicht angedacht. Eine echte Katastrophe.

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