Bowler Rallye-Defender

Guten Flug!

Land Rover Bowler Rallye Defender Foto: Robert W. Kranz 22 Bilder

Der britische Rallye-Spezialist Bowler hat ein Rundum-Sorglos-Paket geschnürt und liefert der Kundschaft einsatzbereite Rallye-Defender. Wir waren auf Probeflug.

Helm auf, durch das Rohrgewürm in die Rallye-Schale zwirbeln, ausatmen. Sechspunktgurte anzurren bis es quietscht und dann erst einmal innehalten. Erste Erkenntnis nach der langwierigen Einsteigeprozedur: als Fluchtfahrzeug für Bankräuber ist der Bowler-Defender maximal ungeeignet.

Zweite Erkenntnis: trotz der massiven Umbau-Arbeiten, mit denen der Rallye-Brite auf Angriffsmodus umgerüstet wurde, ist er dennoch vertraut wie immer. Der Großteil der Armaturenlandschaft, selbst die Heizungsregelung bleibt erhalten. Der Rest ist: nackt. Kein Bodenbelag, die erwähnten Vollschalensitze, auf der Ladefläche ist das Reserverad festgegurtet. Nettes Detail am Rande: der Beifahrer hat einen eigenen Hupen-Knopf, um Zauderer aus der Fahrspur zu blasen. Denn der Pilot hat alle Hände voll zu tun.

Bowler Rallye-Defender mit 175-PS-Tuning

Und Action: gestartet wird ganz profan per Zündschlüssel, doch es erwacht kein martialisch brüllendes Monster unter der Haube. Der Standard-Diesel des Defender mit seinen 2,2 Liter Hubraum ist dank modifiziertem Steuergerät auf 175 PS erstarkt, bleibt in der Peripherie aber unangetastet.

Ab auf die Proberunde. Im gemütlichen Trab erklärt mir der Bowler-Ingenieur im Beifahrersitz den Streckenverlauf, Bremspunkte und besonders kernige Abschnitte des Motocross-Parcours, auf dem die Testfahrt stattfindet. Fette Sprunghügel, derbe Steilstrecken und 180-Grad-Kehren warten auf dem Areal. Dritte Erkenntnis: im Touristenmodus ist dieser Defender bockhart und schüttelt die Besatzung mit bemerkenswerter Gemeinheit durch. Das gibt sich, versichert mein Co, rechts ist Gas.

Vierte Erkenntnis: der Mann hat recht! Ab jetzt nur noch volley. Sobald das Fahrwerk, bei dem Eibach-Federn, Bilstein-Dämpfer und modifizierte Bushings an den Achslenkern den Serienstandard ersetzen, ordentlich zu tun bekommt, geht der Spaß los. Unbekümmert – das trifft das Fahr-Erlebnis wohl am besten. Schlaglöcher, Kuppen, grobe Steine in der Spur – immer voll draufhalten. Umdenken heißt es indes bei der Motorisierung. Denn der Serien-Motor fährt sich trotz des Tunings komplett anders, als der Rallye-Look und die Erfahrung mit anderen derartigen Fahrzeugen vermuten lässt.

Kein randaliger Benziner, der stets auf Drehzahl und Zug gehalten werden will. Stattdessen immer noch der unaufgeregte Kumpel, der aus dem Keller arbeiten möchte und nahe der 4.000 Umdrehungen jede Lust an seinem Job verliert. Viel Schaltarbeit bedeutet das, und eine deutlich vorausschauende Fahrweise. Bei Bedarf einfach nur den rechten Fuß senken ist nicht drin, der Defender wird dann nur lauter, aber nicht schneller. Stattdessen sollte der korrekte Gang schon deutlich vor einem Hindernis gewählt sein, um kein Tempo zu verlieren. Immerhin: wenn am unteren Ende der Drehzahl noch Steilhang übrig ist, kann auch mittendrin zurückgeschaltet werden, um den Vierzylinder wieder auf Drehmoment zu bringen. Da bleibt er ganz das gewohnte Arbeitstier.

Das Fahrwerk macht das Tempo

7,5 Sekunden für den Nullhundert-Sprint verspricht Bowler, was nach unserem Fahreindruck eventuell ein wenig optimistisch erscheint. Ist aber auch nicht so wichtig, denn hier macht das Fahrwerk das Tempo. Wo ein Serien-Defender sich schmollend in den Federn wiegen und mit Schlagseite um den Kurs eiern würde, bringt der Bowler-Defender ein verblüffend präzises und zielgenaues Handling, obwohl die Lenkung selbst bis auf das griffige kleine Sportlenkrad unangetastet bleibt. Um ihn zum driftmäßigen Übersteuern zu bewegen, muss er schon vor der Kurve angestellt werden, ansonsten schiebt der serienmäßige Permanent-Allrad bei zu optimistischem Tempo stur geradeaus. Nicht ganz so stur sind die Flugeigenschaften: mit leichter Kopflastigkeit segelt der Bowler-Defender beherzt über Kuppen und fängt sich schmatzend wieder auf dem Boden der Tatsachen.

Was Drew Bowler, der britische Rallye-Haudegen, mit dem nach aktuellem FIA-Reglement aufgebauten Defender anstrebt, ist quasi die Sozialisierung des Raid-Rallye-Sports, ein sofort einsatzbereiter Racer für jedermann. Grundgedanke war die in England stattfindende Defender Challenge, ein Markenpokal, bei dem Bowler mit Unterstützung von Land Rover 15 Fahrzeuge an den Start bringt. Wobei man das mit dem „jedermann“ natürlich ein wenig relativieren muss: wenigstens 65.000 Euro plus Steuer stehen auf der Rechnung, wenn es ein Defender 90 werden soll. Beim Defender 110, für den Bowler einen identischen Umbau anbietet, muss man nochmals 8.500 Euro nachlegen.

Viel Geld auf den ersten Blick, doch Motorsport war noch nie etwas für Bausparer. Günstiger wird es natürlich für Defender-Besitzer, die ihren eigenen Wagen bereits mitbringen oder nur einzelne Teile des Umbau-Pakets ordern. Und wen es nach etwas Nachschlag verlangt: im Angebot ist auch eine feine Bremsanlage des britischen Herstellers Alcon sowie ein festeres Motor-Tuning auf 215 PS und 524 Newtonmeter Drehmoment. Ebenfalls zu haben: ein optimiertes Lenkgetriebe, Zusatztanks oder Feinheiten wie Bi-LED-Scheinwerfer. Durch die Verwendung der Basis-Fahrzeuge direkt ab Werk können nach Kundenwunsch außerdem auch werkseitige Zusatz-Optionen verwendet werden. Eventuell wünscht ja jemand einen Rallye-Defender mit Klima-Anlage und Sound-System.

Vorteil beim Bowler-Defender sind die Paketlösungen, die der britische Rallye-Spezialist bietet. So kann vom Standard-Service vor und nach Rallye-Veranstaltungen auch ein Begleit-Team gebucht werden, das während einer Rallye für Wartung und Pflege des Rennfahrzeugs aufkommt.

Für den deutschsprachigen Raum hat Rallyewerk den Vertrieb des Defender übernommen, gemeinsam mit dem niederländischen Spezialisten Desert Foxx wird auch ein entsprechender Fullservice auf Rallyes angeboten.

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