Brabus Rocket CLS V12 S

Mann o Mann

Foto: Hans-Dieter Seufert 9 Bilder

Der Brabus Rocket ist ein wirksameres Potenzmittel als Viagra. Die stärkste Limousine der Welt – eine Blech gewordene Männerfantasie mit 1.100 Nm Drehmoment und 730 PS.

Metrosexuell? Frauenversteher? Modeverliebt? Auf dem Weg zum Schmalspur-David Beckham reißt Brabus den modernen Mann aus seiner drohenden Verweichlichung – und setzt einen fundamentalen Kontrapunkt: den CLS V12 S, genannt Rocket, mit 730 PS und 1100 Nm.

Monumental, markant und männlich-herb. Aus den Tiefen des Kohlenpotts katapultiert sich ein Geraden- Fresser, drehmomenttriefend und benzingurgelnd. Noch stärker als der Brabus E V12, die bislang schnellste Limousine der Welt, und noch unheimlicher rumorend. Sein abgründiges Grollen lässt Gespräche verstummen.

Technisch gesehen kombiniert der Rocket nur die Karosserie des Mercedes CLS mit dem aufgerüsteten Biturbo-V12 aus dem S 600. Doch auto-philosophisch betrachtet ist er der Gipfel einer Entwicklung, an deren Ende viel zu viel Zuviel steht. Zu viel Leistung, zu viel Drehmoment, zu viel Traktionsregelung.

Der Brabus Rocket, der wildeste (Klein-)Serienviertürer der Welt, ist eine Herausforderung: Schafft man es, diesem Vortriebs-Monster Manieren beizubringen? Der Fahrer als Verwalter des Überflusses. Er muss sich zunächst auf den Rocket einstimmen. Wie bei den ersten Porsche Turbos Mitte der Siebziger: Wer in Kurven ohne dressurartiges Feingefühl die Sporen gab, den warf der Elfer ab.

Im Brabus bewahrt glücklicherweise die Traktionskontrolle ASR Grobmotoriker davor, dass ihnen die vehement flutende Lader- Leistung den Boden unter den Füßen wegschwemmt – 1100 Nm können wirklich überraschen.

Wer das Steuer des Brabus Rocket übernimmt und erwartungsfroh Vollgas gibt, fühlt sich in imaginäre Ketten gelegt – der rüde einsetzende Schlupfregler drosselt gefühlsmäßig Dreiviertel der Kraft. Wirklich langsam ist man allerdings nicht einmal auf diese Weise: in 5,2 Sekunden auf Tempo 100, nur wenige sind schneller.

Doch der sensible Gasfuß kann es besser, geleitet den Hinterachsschlupf des Rocket gekonnt an der ASR-Regelgrenze entlang, korrigiert den Pedalweg dabei immer wieder im Millimeterbereich – eine sensorisch anspruchsvolle Übung, die aber zu einem um Welten besseren Ergebnis führt: 4,5 Sekunden von null auf 100 km/h. Nur ausgebuffte Profis unterbieten diesen Wert: ASR ausschalten, Wadenmuskulatur lockern, den Kopf meditativ leeren. Volle Konzentration auf die Beinarbeit.

Der linke Fuß hält die Bremse, der rechte liegt hauchzart am Gaspedal an. Dann erfolgt eine gegenläufige Bewegung – linker Fuß hoch, rechter runter. Sukzessive, behutsam, leicht pulsierend. Dabei aufmerksam auf quiekende Hinterreifen achten und den Schlupf nicht in Straßenmalerei ausarten lassen. Lohn der Mühe: 4,3 Sekunden für den Standardsprint. Ausschließlich Burn-out-Fans malträtieren die Hinterräder des Rocket mit Kickdowns.

Drehmoment-Gourmets geben stattdessen langsam und bewusst Gas, zwingen das automatische Fünfganggetriebe nicht zum Herunterschalten, genießen, wie der Ladedruck langsam, aber unausweichlich über das Auto herfällt – und etwa bei 200 km/h das Schub- Maximum erreicht wird. Dann brennt der Rocket nach, als ob er den bremsenden Orbit verlässt und im luftleeren All volle Fahrt aufnimmt. Und der Fahrer surft auf Drehmomentwellen, so endlos wie hawaiianische Supertubes.

Kein Diagramm kann diese Gewalt begreifbar machen, keine Leistungskurve die überschäumende Kraft verdeutlichen – es fehlen die Bezugspunkte. Ausreichende Traktion vorausgesetzt, würde der Brabus-Zwölfzylinder bei Volllast aus dem Stand mit dem maximalen Drehmoment eines Porsche Turbo antreten, bei doppelter Leerlaufdrehzahl mit dem des VW-Dieselbullen V10 TDI. Sämtliche der Kurbelwelle nachgelagerten Antriebsteile müssen dann Schwerstarbeit leisten und wurden deshalb verstärkt (siehe Spotlight). Das Getriebe aus dem Maybach erhielt massivere Lamellenpakete und einen größeren Ölkühler, der vorne rechts durch die Frontschürze stiert. Weitere Kühlerpakete (vor dem Motorkühler sowie links in der Frontschürze) halten die Ladeluft-Temperatur der extra angefertigten voluminöseren Turbos niedrig, was einen Großteil der zusätzlichen Kraft verantwortet.

Für ein höheres Grundmoment im Saugbereich des V12 sorgt der Zuwachs von serienmäßigen 5,5 auf gut 6,2 Liter Hubraum. Schmiedepleuel und -kolben, schärfere Nockenwellen, größere Ventile und eine aus dem Vollen gefräste Kurbelwelle sind der Hubraumerhöhung angepasst. Die Leistung verführt und schockiert gleichermaßen, zumal der Zwölfzylinder seine Rekordwerte aufreizend gelassen produziert – und nie zum Pushen anregt. Man kämpft sich auf der Autobahn nicht von Lücke zu Lücke, sondern schlenzt geschmeidig nach vorn, wobei der Motor seine Drehzahl kaum erhöhen muss und die bassig brabbelnde Auspuff-Aussprache wohlig das Zwerchfell massiert.

Nie war es entspannender, so schnell zu fahren. Der Rocket ist ein Sportwagen-Provokateur, ein Dragster in Limousinenform, bei dem kaum ein Super-Bolide mithalten kann. Mit angepeilten 360 km/h bleibt der Brabus nur gut zehn Prozent unter der imageträchtigen 400er-Marke.

Doch noch gibt es für den Zweitonnen-Rekordjäger keine passenden Reifen. Deshalb begrenzt der Mercedes-Tuner das Tempo bei unwesentlich langsameren 350 km/h. Langgestreckt und mit Ameisenbär-Schnauze sieht der CLS schon jetzt wie ein Silver Flame für den Salzsee aus, obwohl sich seine Abstimmung eher an braven Alltagsfahrten orientiert. Automatik-Wählknopf auf C wie Comfort statt S wie Sport, und der Rocket lässt sich sämig in Bewegung setzen. Dazu passt die nachgiebige Einstellung des sechsfach in Zug- und Druckstufe variierbaren Fahrwerks.

Der Komfort genügt selbst Langstrecken-Jägern, zumal der CLS ausufernde Passagen in Rekordzeit unter sich hinweg saugt. Einzig Tankstopps bremsen den Vorwärtsdrang. Wer mit vollem Einsatz in der 1100-Nm-Supertube surft, treibt den Schnitt auf über 20 Liter pro 100 Kilometer, was vernünftige Reichweiten ausschließt.

Wer sich dagegen bei Richtgeschwindigkeit am gleichmäßig tiefgründigen Motorgrollen begeistert, der rollt tempomatgesteuert doppelt so weit – bei sozialverträglichen Verbrauchswerten um zehn Liter.

Ob Sparsamkeit jedoch der Reiz ist, der potenzielle Käufer zu diesem 403 000-Euro-Solitär greifen lässt? Ein Haus im Grünen fürs gleiche Geld hätte jedenfalls einen entscheidenden Makel: Es wäre kein Landsitz der Dimension, wie es die Rocket-Klientel bewohnt. Insofern stimmen die Verhältnisse.

Technische Daten
Brabus Rocket
Hubraum / Motor 6233 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 537 kW / 730 PS bei 5100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 350 km/h
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