Brabus Viano V8

Black Power

Foto: Achim Hartmann 11 Bilder

Er ist der tiefschwarze Traum aller Transporter-Treiber. Mit seinem 426 PS starken 6,1-Liter sorgt der 180.000 Euro teure Brabus Viano V8 für exzessive Lust am Laster.

Sechs Punkt eins. Das drückt nicht nur die Hubraumgröße, sondern auch die Beschleunigung von null auf 100 km/h aus. Unter Volllast duldet der V8 keine Götter neben sich. Schließlich muss er kubikmeterweise Ansaugluft inhalieren, mit Super Plus vermischt acht Brennräumen zum Fraß vorwerfen und zornig durch die vier Auspuffrohre in den Orkus schleudern. 5.000 Umdrehungen, Tempo 220 – die Automatik legt die fünfte Stufe ein. Etwas später pfeift die Tachonadel über die 260er- Marke und das Glasschiebedach ohrenbetäubend unter dem heftigen Sog.

Wer das erträgt, darf sich daran erfreuen, dass selbst hartleibige Linke-Spur-Residents mit ihren Freude-am-Fahren-Limousinen klein beigeben und die schwarze Schrankwand passieren lassen.

Understatement mit 621 Nm

Keine Schande, Jungs. Hinter der per Kunststoff-Kosmetik behandelten und mit Xenon-Nebelscheinwerfern sowie einer Carbon-Spoilerlippe aufgebrezelten Schnauze lauert ein aufgebohrter V8. Einst als Fünfliter geboren, bekam der Mercedes-Dreiventiler bei Brabus in Bottrop neben vergrößerter Bohrung modifizierte Zylinderköpfe und Nockenwellen. Plus eine durchsatzfreudigere Auspuffanlage mit Metallkatalysator.

Die offenkundig neidischen Seitenblicke der Zivis in ihrem verlebten 98er-Diesel-Vito sind berechtigt. Tröstet euch, Jungs: Die wütend eruptierenden 621 Newtonmeter des 6.1 würden die angetriebene Vorderachse eures Dienstwagens einfach rausrupfen. Der Brabus Viano V8 zieht unbarmherzig durch, lenkt trotz der ein wenig indirektdiffusen Lenkung ausreichend zielgenau ein und enthält sich dank dem straff abgestimmten Fahrwerk sogar der bei Serien-Vans üblichen Wankneigung. Auf ebener Piste und gepflegtem Asphalt krallen sich die 18-Zöller regelrecht in den Belag und ermöglichen problemlos Kurvengeschwindigkeiten, die nicht nur in Transporterkreisen aller Ehren wert sind.

Elektronik bremst ein

ESP greift bei bei allzu übermütigen Manövern maßregelnd ein. Vor allem auf nasser Piste muss zudem die Traktionskontrolle ran. Sie lässt sich zwar abschalten, kehrt aber ab Tempo 50 klammheimlich zurück: Mit qualmenden Radhäusern vorgetragene Drifts sind somit Fehlanzeige.

Dafür gönnt der Brabus-Viano seinen Gästen vorn wie hinten erträglichen Restkomfort selbst auf leicht welligen Pisten. Fondpassagiere rekeln sich unterm Alcantara-Dachhimmel entspannt auf lederbezogenen Sitzen. Wem das V8-Stakkato auf Dauer fad wird, der kann zum DVD-Entertainment mit zwei unterm Dach montierten, ausklappbaren Monitoren plus Infrarot-Kopfhörer greifen.

Bei Bedarf kann man aber genausogut die hinteren Sitze rausschmeißen und Mountainbikes oder zwei Motorräder hineinstopfen – für Letztere vielleicht die einzige Chance, mal auf 245 km/h zu kommen.

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