Cadillac SRX

Familien-Jagdwagen

Foto: Achim Hartmann

Cadillacs neuer SUV kommt ab Juli zu Preisen ab 43.950 Euro nach Europa. Der scharfkantig gestylte Offroader glänzt mit moderner Technik und leichtfüßigem Elan.

Rasse statt Masse – und das bei einem Cadillac? Eigentlich undenkbar. Doch der bereits im vergangenen Jahr in den USA eingeführte SRX beweist, dass es geht. Der mit 4,95 Meter Länge für USVerhältnisse eher kurz geratene Allradler hat mit seinem 2640 Kilogramm schweren Offroad-Bruder Escalade, dem tumben Truppentransporter des Secret Service, überhaupt nichts gemein. So muss der 325 PS starke, inzwischen mit variabler Ventilsteuerung ausgestattete Northstar-V8 im SRX nur 2015 Kilogramm in Bewegung setzen. Das sind 180 Kilogramm weniger als im 30 Zentimeter kürzeren BMW X5 4.4i und sogar 235 Kilogramm weniger als im VW Touareg V8. Querlenker aus Aluminium an den vorderen Radaufhängungen, die Verwendung von hochfestem Stahl für den Motorträger, die Türschweller und Längsträger sowie ein zweiteiliges, hinter dem Armaturenbrett verlaufendes Magnesiumgussteil als Querversteifung reduzieren das Gewicht der selbsttragenden Stahlkarosserie spürbar.

Im SRX sitzt es sich wie in einem Cadillac CTS Kombi mit erhöhter Bodenfreiheit. Die relativ flach liegende Frontscheibe und das mit dem CTS nahezu identische Armaturenbrett mitsamt seiner charakteristischen, dem Fahrer zugewandten Mittelkonsole lassen nicht das herrschaftliche, für viele SUV-Fans maßgebliche Kutschbockgefühl aufkommen. Macht aber nichts, denn auch die einzeln arbeitenden Radaufhängungen verhindern zusammen mit dem permanenten Allradantrieb und der idealen Gewichtsverteilung von je 50 Prozent auf Vorder- und Hinterachse ebenfalls jene nostalgischen Kutschbockgefühle. 

Man spürt schon nach den ersten, etwas scharf angegangenen Kurven, dass elektronische Helfer wie ABS, Traktionskontrolle und Stabilitätsprogramm mit dem solide durchdachten SRX-Chassis wenig Arbeit haben: Da wankt nichts, da wackelt nichts. Wer Kurven mit zu viel Drive anfährt, den bringt maßvolles Untersteuern schnell zur Besinnung. Auch die Lenkung arbeitet auf Landstraßen und Autobahnen ebenso knackig wie einfühlsam.

Nur in der City – zum Glück nur dort – zeigt die elektronische Lenkung mit ihrer variablen Unterstützung typisch amerikanische Leichtigkeit. Das Gleiche gilt für den 4,6-Liter-V8, der dank einer gut abgestimmten Fünfgang- Automatik stets das gewünschte Maß an Leistung und Bewegung liefert – mal bullig wie ein Reisfeldochse, mal behände wie ein Panther. Die 100-km/h-Marke wird nach nur 7,4 Sekunden überschritten, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 225 km/h. Der V8-Motor arbeitet trotz der beiden mit Chromblenden aufgewerteten Auspuffendrohre nahezu geräuschlos. Nur unter Volllast ertönt ein helles, metallisches Grollen. Als Alternative bietet Cadillac einen neuen 3,6-Liter-V6 mit 258 PS.

Der grosszügig bemessene Beinraum für die herrschaftlich auf einer hohen Bank sitzenden Fondpassagiere erinnert wie die relativ niedrige Karosserie mit ihrem 2,95 Meter langen Radstand eher an einen klassischen US-Kombi als an einen geländegängigen SUV – zumal eine kürzere, zuschaltbare Geländeuntersetzung sowie mechanische Differenzialsperren gänzlich fehlen. Crossover heißen heute solche Fahrzeugkonzepte zwischen Familienkombi und Offroader, die dank relativ günstigem Luftwiderstand auch jenseits von 160 km/h ihren Motoren noch nicht das Letzte abfordern.

Einziger Nachteil: Die optional für den SRX erhältliche, sich elektrisch entfaltende Fondsitzbank taugt wegen des geringen Fußraums nur für Kinder. Die freuen sich dafür umso mehr über das 1,4 Meter lange, als Option lieferbare Glasschiebedach, das vor allem den Fondpassagieren freie Sicht auf Sternenhimmel und Alpengipfel erlaubt. Der Qualitätseindruck des Allrad-Kombis ist durchaus positiv und zeigt gegenüber den letztjährigen Cadillac-Modellen sogar einen gewissen Fortschritt. Der nach wie vor – fast wie bei BMW – sachlich und dennoch wohnlich, zum Großteil mit Kunststoffen gestaltete SRX-Innenraum bildet zusammen mit der kantig geformten Karosserie einen erfreulichen Kontrast zum derzeitigen optischen Luxurierungs-Trend in nahezu allen Fahrzeugklassen.

Der SRX, ab Juli zu Preisen ab 43 950 Euro im Handel, ist ein gut gemachter, leistungsstarker Familienwagen für komfortbewusste Individualisten, die sich mit ihrem Faible für das Besondere keine Nachteile einhandeln. Und eine Verwechslung mit Fahrzeugen des Bundesnachrichtendienstes ist völlig ausgeschlossen.   

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Technische Daten
Cadillac SRX 4.6 V8
Grundpreis 59.450 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4950 x 1845 x 1721 mm
KofferraumvolumenVDA 238 bis 1968 l
Hubraum / Motor 4565 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 239 kW / 325 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
Verbrauch 13,9 l/100 km
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