Caterham Seven 165 im Fahrbericht

Fahrspaß maximal konzentriert

Caterham Seven 165, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 15 Bilder

Gibt man "Caterham" ins iPhone ein, wird es in "Vaterland" korrigiert. Was keineswegs die wichtigste Erkenntnis ist auf unserer kleinen Reise mit dem Seven 165 in den Verzicht.

Der Selbstaufbau eines Seven sei, informiert Caterham Cars, ein Unterfangen, das selbst dem ungeübten Schrauber mit einem herkömmlich bestückten Werkzeugkasten in 60 bis 70 Stunden gelinge. Es stelle ein gleichermaßen einzigartiges wie aufregendes und befriedigendes Erlebnis dar. Nun fehlt es uns nicht an mangelnder Übung, doch an dieser einen Stelle verzichten wir hier auf Verzicht und lassen uns den Caterham Seven 165 als komplett montiertes Auto liefern.

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Caterham Seven 165 hat sich 41 Jahre Zeit gelassen

Wobei nach üblichen Ansichten durchaus eine gewisse Widersprüchlichkeit besteht zwischen den Begriffen "komplettes Auto" und "Caterham Seven 165". Der geht zurück auf Colin Chapmans Lotus Seven, der sich ab 1957 dadurch auszeichnet, das Wenige zu mehren sowie Entbehrliches wie Türen, Verdecke und jede Form von Komfort als Mumpitz für ehrlose Jammerlappen zu verdammen. Chapman selbst nennt es das "Hinzufügen von Leichtigkeit", mit dem es sich bei der auch finanzfragil-leichtgewichtigen Firma Lotus 1972 erledigt hat.

Da stoppt Lotus die Produktion des Seven, verkauft die Rechte an der Konstruktion an Graham Nearn. Der gründet dafür Caterham Cars, wo es gerüchteweise auch eine Entwicklungsabteilung gibt, die sich wohl bevorzugt damit beschäftigt, Gründe zu konstruieren, alles beim Alten zu belassen. So ändert sich über die Jahrzehnte vor allem die Motorisierung, wechselt in munterer Reihe zwischen Ford, Opel und Rover.

Schwächen als Tradition zu verklären und Stillstand als Unerschütterlichkeit zu stilisieren, sind Erfolgsprinzipien, die auch den nur neun Jahre älteren Land Rover zu einem langen, glücklichen, charakterfesten Leben verholfen haben. Und wie sie nur das Vereinigte Königreich ermöglicht, das wir nicht zuletzt wegen seines ganz eigenen Begriffs der Vollkommenheit so schätzen. Man stelle sich nur vor, der Caterham Seven 165 geriete in eine deutsche Entwicklungsabteilung: In drei Wochen hätte man ihn zu einem Boxster, TT oder gar SLK wegperfektioniert.

Bei Caterham hat es 41 Jahre gedauert, einen vollkommenen Seven hervorzubringen. Es ist der Caterham Seven 165, bei dem unter der Alu-Motorhaube (leicht und verwindungsfest wie ein Kopfkissen) ein 658 Kubik kleiner Suzuki-Dreizylinder droht, durch die dürren Haltestreben auf die Straße zu plumpsen. Dieses Auto inspiriert uns zu einer Reise, auf der wir vor dem Verzichtbaren fliehen, um das Einfache zu leben.

In 80 Pferden um die Welt

Wir packen: Schlafsack, Isomatte, Wurfzelt, dann bleibt genau noch Platz für Zahnbürste und Scheckkarte. All das lagert in dem schmalen Tunnel für die Beifahrerbeine. Im Tunnel für die des Fahrers stehen noch die drei Pedale. Nun erinnere ich mich, dass mich einst eine Schuhverkäuferin in der Stuttgarter Innenstadt auslachte ("Ha ha! So kloine Fiaß!"), doch selbst mit Schuhgröße 41 erwischst du immer mindestens zwei Pedale auf einmal. Das da könnte die Kupplung des Caterham Seven 165 sein, feste drauf, Zündung an, Startknopf drücken, und der Dreizylinder feuert los. Die Kupplung lässt sich so leicht dosieren wie ein Lichtschalter. Schnipp. War wohl zu viel Gas, der Seven kavalierstartet davon. Allerdings dreht nur das rechte Hinterrad durch. Weil eine Sperre fehlt und meine, ähm, höchstens 56 Kilo natürlich eher auf das linke Hinterrad drücken.

490 Kilo nur wiegt der Caterham Seven 165, doch wer nun vorrechnet, dass sein Leistungsgewicht von 6,13 kg/PS doch fast doppelt so hoch liegt wie bei einem Mercedes SL 65 AMG, hat nichts von Sportwagen verstanden.

Tempo ist, was du draus machst

Es geht um Leistung und Gewicht, nicht um Leistungsgewicht. Tempo ist keine Frage der Geschwindigkeit, sondern der Inszenierung. Und Freude – wenn der Caterham Seven 165 dich in 6,9 Sekunden auf 100 km/h patscht, fühlt sich das an, als fahre eine Achterbahn Amok.

Es bringt den Respekt vor der Geschwindigkeit zurück. 80 km/h im Caterham Seven 165, das sind 22,2 Meter Asphalt, die in jeder Sekunde ein paar Zentimeter unter deinem linken Ellenbogen vorbeiwitschen, der so fesch aus dem Türausschnitt heraushängt. Egal, ladersprotzelnd hoch auf 8.000 Touren, den nächsten der herb-präzisen fünf Gänge reinklickediklacken, und weiter. Dazu dröhnt der Monoauspuff. Du siehst die Räder einlenken, fast schon bevor du am Lenkrad in Single-Vinyl-Format gedreht hast, siehst, wie die 14-Zoll-Räder an der Aufhängung mit dürren Dreieckslenkern herumhüpfen – umtriebiger und baumeliger, als du das an sich sehen magst. Vor der Kurve haben wir schon 90 drauf, die musst du erst mal wieder wegverzögern ohne Bremskraftverstärker. Und: Du solltest vor dem Einlenken mit allem abgeschlossen haben – dem Bremsen, Kuppeln, Zurückschalten und ein wenig auch mit dem Leben, wenn die Kräfte des Lastwechsels die hintere Starrachse nach außen drängen.

Caterham Seven 165 fordert volle Konzentration

Der Caterham Seven 165 braucht keinen Aufmerksamkeitsassistenten, er ist einer, fordert dir in jeder Sekunde volle Konzentration ab. Zudem weißt du, dass die Sicherheitsgurte bei einem Unfall nur den Zweck erfüllen, dass dein Körper im Auto verbleibt und man ihn nicht anderswo wird suchen müssen.

Wir fahren durch den Tag, über sachte Hügel, herbstbunte Wälder, schleudern Laub auf und mitunter etwas zu leichtfertig um Kurven. Wir halten für einen Kaffee, ein Stück Apfelkuchen und Brezeln – auch alles Dinge, deren Grundidee sich nicht mehr verbessern lässt. Weiter über schmale Landstraßen, bis es dunkel wird. Dann steht der Caterham auf einem Berg, im Westen duckt sich die Sonne, unten strömt der Fluss zum Meer. Zelt, Isomatte und Schlafsack raus. Und morgen fahren wir einfach weiter.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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