Cayenne Speedart vs. Techart

Mit Breit-Sicht

Foto: Reinhard Schmid 25 Bilder

Schon ab Werk ist ein Porsche Cayenne Turbo nicht gerade schwachbrüstig. Das hält die schwäbischen Tuner Speedart und Techart nicht davon ab, Hand anzulegen.

Es kommt nicht immer nur auf Leistung an – sondern auch darauf, sie optisch rüberzubringen. Ein Porsche Cayenne Turbo zum Beispiel schafft das schon in serienmäßigem Zustand, aber getunt noch viel eindrucksvoller. Wo könnte man das besser testen als auf einer Autobahnraststätte?

Aus sicherer Entfernung hat man die beiden Cayenne-Interpretationen Speedart Titan BTR 550 und Techart Magnum gut im Blick. Dezent sieht anders aus: Breite Schürzen, Spoiler-Pakete und Lüftungsöffnungen in der Motorhaube – beim Speedart im DIN-A4-Format – heben die SUV von der Masse ab und sorgen schnell für interessierte Betrachter, die mehrere Besichtigungsrunden um die Autos drehen.

Mixtur aus Fauchen und Brabbeln

Mangels Porsche-Wappen rätselt sogar mancher Schaulustige, was das für ein Brummer sei. Doch als reine Show-Objekte sind die beiden natürlich nicht gedacht. Also runter vom Parkplatz und rauf auf die Autobahn. Den Dreh mit dem Zündschlüssel beantwortet der Speedart Titan mit einer Mixtur aus Fauchen und Brabbeln. Der klappengesteuerte Sportauspuff sorgt für eine Lautmalerei, die erneut Blicke anzieht.

Beim Tritt auf das Gaspedal macht der rund 158.200 Euro teure, auf 550 PS erstarkte Turbo-Achtzylinder klar, dass er zur zügigen Fortbewegung berufen ist. Die Beschleunigung drückt die Passagiere in die Sitze. Von rund 2,5 Tonnen Lebendgewicht ist kaum etwas zu spüren. Der Porsche sprintet vehement los, nur kurz unterbrechen die Schaltvorgänge der Sechsgang-Automatik den Vortrieb. Die Fahrwerksabstimmung ist sehr straff geraten.

Querfugen werden deutlich an den Fahrer gemeldet, Bodenwellen jedoch erstaunlich souverän glattgebügelt. Das Tierferlegungsmodul für die Luftfederung bringt die Karosserie 40 Millimeter näher an die Straße und verleiht dem ohnehin nicht allzu schlanken Porsche ein noch gedrungeneres Erscheinungsbild. Trotz 22-Zoll-Rädern mit 295er Breitreifen sind Spurrillen kein Thema, der SUV bleibt überraschend stabil.

Die Leichtigkeit, mit der 2,5 Tonnen unter Volllast agieren, ist beachtlich. Die Grenzen erfährt die straffe Gesamtauslegung allerdings bei forcierter Gangart auf kurvigen Landstraßen. Zweit- oder drittklassige Asphaltpisten bringen den Titan ein wenig aus dem Konzept. Auch das Umschalten vom Sport- in den Komfort-Bereich der Luftfederung ändert nichts daran, dass der Speedart-Cayenne auf schlechten Landstraßen ungewollte Sprünge macht. Glatte Asphaltpisten sind eher sein Metier.

Bremsvorteil beim Speedart

Immerhin hat der von Speedart verbaute Tourismo-Bremsenkit mit 368 Millimeter Scheibendurchmesser kein Problem, den Vortrieb des schwergewichtigen Titan zu reduzieren. Gut dosierbar und vor allem kräftig zupackend agiert die Bremse so, wie man das von Sportwagen-Stoppern erwartet.

Techart behält beim 189.964 Euro teuren Magnum dagegen die serienmäßige Bremsanlage bei und verschenkt somit eine Möglichkeit, die Verzögerung zu verbessern. Dabei gäbe es hier durchaus Handlungsbedarf: Der Druckpunkt ist nur vage zu erahnen, und beim Tritt auf das Pedal hat man das Gefühl, einen großen Kaugummi zu verformen. Präzises Anbremsen von Kurven ist schwierig – das erzieht zu einer defensiveren Gangart.

Vom auffälligen Äußeren mit den silbernen Querstreben vor dem Kühler sollte man beim Techart nicht auf die Fahreigenschaften schließen: Der Magnum fühlt sich eher unauffällig an. Mit 535 PS leistet der Turbo weniger als im Titan. Außerdem verzichten die Leonberger auf einen Klappenauspuff, die Geräuschentwicklung ist dezenter als beim Mitbewerber.

Untermotorisiert wirkt er zwar keinesfalls, aber weniger martialisch als der Speedart. Deutlich moderater geriet auch die Fahrwerksabstimmung. Vor allem auf schlechten Belägen wirkt der Techart-Cayenne komfortabler, stuckert weniger. Schnelle Kurven auf Landstraßen durcheilt er auffallend zielgenau, doch bei allzu forscher Gangart neigt er zum Untersteuern.

Reifen sorgen für Nervosität

Techart setzt auf das Luftfederungsmodul Sport sowie 43 Millimeter Spurverbreiterung vorn und 35 Millimeter hinten. Dazu gibt es 22-Zoll-Räder mit Reifen der Größe 295/30 vorn und 335/25 hinten, die ihn auf der Autobahn empfindlich auf Längsrillen reagieren lassen. Dadurch büßt er ein wenig von seiner Souveränität ein.

Zumal der Magnum jedes noch so leichte Zucken am wie beim Speedart unnötig dick gepolsterten Sport-Volant mit einer Kurskorrektur quittiert. Jedenfalls ist der Spagat zwischen guten Fahreigenschaften und spektakulärem Styling mit den Ultrabreitreifen nicht besonders harmonisch gelungen.

Technische Daten
Speedart Titan BTR 550 TechArt Magnum
Hubraum / Motor 4806 cm³ / 8-Zylinder 4806 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 404 kW / 550 PS bei 5700 U/min 393 kW / 535 PS bei 5800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 279 km/h
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