Chevrolet Avalanche

Truck-Zuck

Der Chevy vereint die Vorzüge eines Pickup-Trucks mit denen eines Sport Utility - ein Crossover-Produkt reinsten Geblüts. Für standesgemäßen Vortrieb sorgt ein 5,3-Liter-V8 mit 290 PS.

Dieses Auto wirbelt schon vor dem Verkaufsstart im Herbst mächtig Staub auf – nicht nur in der kalifornischen Anza-Borrego-Wüste, wo Chevrolet seinen neuen Fullsize-Pickup für erste Probefahrten zur Verfügung stellte, sondern auch im Internet.

"Auf unserer Avalanche-Website hatten wir schon drei Millionen Besucher", sagt Brand-Manager Ed Schoener stolz, "200.000 von ihnen haben Kaufinteresse bekundet."

Dieser Chevy macht Nomen zum Omen. Denn Avalanche heißt Lawine, und von dieser scheint die größte GM-Division überrollt zu werden. Wenn schon 200.000 Kaufinteressenten da sind und jährlich nur 100.000 Avalanche gebaut werden können, bedeutet das entweder lange Lieferzeiten oder eine Einschränkung der Produktion des ebenfalls sehr populären Chevrolet Suburban.

Denn der Avalanche wird nicht nur in der gleichen mexikanischen Fabrik wie der Suburban gebaut, er teilt sich mit dem großen SUV auch 85 Prozent der Teile. Das macht die Fertigung flexibel.

Der Verkaufsstart des nur in den USA, Kanada und Mexiko lieferbaren Avalanche beginnt zunächst im Sommer in den drei US-Staaten mit dem höchsten Pickup-Truck-Absatz: Kalifornien, Texas und Florida. Der Preis: je nach Ausstattung und Antrieb (Standard oder Allrad) zwischen 30.365 und 38.000 Dollar – ein faire Summe in den USA, aber umgerechnet fast 80.000 Mark, was den Import nach Deutschland wenig attraktiv erscheinen lässt.

"Der Avalanche verkörpert genau das, was sich der amerikanische Kunde heute wünscht", schwärmt Marketing-Mann Schoener, "eine Mischung aus Fullsize-Pickup und Sport Utility." Denn die bis zu sechs Sitzplätze bietende und mit vier Türen ausgestattete Doppelkabine offeriert nahezu jene Geräumigkeit, die US-Autofahrer an SUV-Giganten wie Lincoln Navigator oder Chevy Suburban schätzen, während die robuste Pritsche den Nutzwert der vor allem im Mittelwesten geliebten Pickups liefert.

Das Potenzial für dieses Crossover-Konzept scheint wie alles im Land der unbegrenzten Möglichkeiten riesig zu sein. "Von den 100 Millionen US-Haushalten", weiß Schoener, "besitzen 30 Millionen sowohl einen SUV als auch einen Pickup-Truck, weil sie für beides Bedarf haben." Wenn nur ein Bruchteil von denen zum Avalanche greifen sollte: "Unglaublich."

Dabei war es um die Pickup-Trucks von Chevrolet – mit 645.000 verkauften Einheiten im vergangenen Jahr die Nummer zwei hinter Ford – zuletzt nicht so gut bestellt. Wie so vieles bei General Motors wurde lange Zeit auch der Trend zur viertürigen Doppelkabine verschlafen. Davon konnten Konkurrenten wie Dodge und Ford profitieren.

Doch mit dem Avalanche hat Chevy jetzt die Messlatte höher gelegt, denn solch einen durchdachten und praktischen Pickup hat die Autowelt bislang noch nicht gesehen. Der Clou des Avalanche ist sein so genanntes Midgate: eine Schleuse zwischen Fahrgastraum und Ladefläche. Sie besteht aus Blechschott und Heckfenster, die sich entweder separat oder auch gemeinsam entfernen lassen. Zum Laden von langem Transportgut lassen sich die Rücksitze komplett umklappen.

Die ganze Pritsche des 5,63 Meter langen und mit nahezu 3,2 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht gesegneten Pickup ist mit einer gummierten Antirutsch-Matte ausgekleidet, die sich – wenn mal Schlamm drüber war – per Gartenschlauch oder Hochdruckreiniger einfach abspritzen lässt. Eine darunter befindliche Drainage sorgt dafür, dass das Wasser auch wieder ablaufen kann.

Je nach Gusto gibt es zur Abdeckung der Ladefläche entweder eine Plane als Softtop oder ein stabiles Kunststoff-Hardtop, mit dem sich das Ladegut wetterfest und diebstahlsicher schützen lässt. Außerdem sind in die Flanken der Pritsche zwei riesige Staufächer eingelassen. Die eignen sich beispielsweise zum Unterbringen von Werkzeug oder nach dem Auffüllen mit Eiswürfeln auch als mobile Kühlbox. Ein Ablauf fürs Schmelzwasser ist integriert.

Obwohl die möglichen Umbauten selbst von einer Person und dank ausgeklügelter Beleuchtung sogar nachts bewerkstelligt werden können, ist der Avalanche nichts für Zartbesaitete. Denn die Heckklappe saust beim Öffnen ungebremst wie ein Fallbeil herab und lässt sich von kleinen Personen wegen des ungünstigen Hebels schlecht wieder schließen. Allerdings gibt es wenigstens Trittbretter für das Erklimmen der Ladefläche.

Ein Auto für Cowboys eben, und seien es nur Asphaltcowboys. Und eines, das so solide sein soll, wie es dem der Felsenwelt entlehnten Chevy-Truck-Werbeslogan "Like a Rock" entspricht. Da ist was Wahres dran, zumindest, wenn man den nochmals verstärkten, stabilen Leiterrahmen des Suburban als Unterbau gesehen und den Avalanche mal durchs Grobe gelassen hat: Da ächzt und quietscht nichts, der Chevy wirkt so steif wie eine Gleisschwelle.

Die Qualitäts- und Materialanmutung im Innenraum will dazu allerdings überhaupt nicht passen. Die Stoffe für Türverkleidung und Sitzpolster wirken wie aus der Altkleider-Sammlung hervorgekramt, der Look der Armaturentafel erinnert an Plaste und Elaste aus Zschopau, und die Güte von Fit & Finish würde den Spaltmaß-Fetischisten im VW-Konzern Tränen in die Augen treiben.

Mal sehen, was Cadillac daraus macht. Denn unter dem Namen Escalade EXT wird der Avalanche bald der erste Pickup-Truck von Cadillac.

Über die Verarbeitung dürften sich aber die wenigsten Avalanche-Fahrer aufregen, denn die ist typischer US-Standard. Hauptsache, die Kiste läuft.

Dass sie ordentlich läuft, dafür sorgt der so genannte Vortec-V8, eine 5,3 Liter große Gusseisen-Maschine mit 290 PS und 441 Nm Drehmoment, die mit einer Vierstufenautomatik gekoppelt ist. Der Achtzylinder kann in dem schweren Trumm zwar keine Bäume ausreißen, aber er entpuppt sich als souveräne Antriebsquelle mit guten Reserven am Berg oder beim Überholen, wobei ihn die lang übersetzte Automatik meist mit niedrigsten Drehzahlen dahinschnüren lässt.

Das schont die Nerven und auch den Geldbeutel. Denn so gefahren, lässt sich der große Pickup laut Chevrolet  durchaus mit 13 bis 18 Litern pro 100 Kilometer abspeisen – und der Spritverbrauch ist mittlerweile auch in den USA ein Thema, wo der Liter Normalbenzin noch für umgerechnet eine Mark zu haben ist.

Der Fahrkomfort wirkt ebenfalls ganz manierlich. Die Vordersitze mit integrierten Sicherheitsgurten sind bis auf den schweißtreibenden Bezug sehr bequem, und auch die Federung ist so komfortabel abgestimmt, dass der Gedanke, mit einem Avalanche die USA zu durchqueren, nicht zur Horrorvision wird.

Solange die Räder parallel federn müssen – wie zum Beispiel beim Überfahren von Querfugen –, ist der Komfort sogar erstaunlich gut. Wenn allerdings Schlaglochpisten mit wechselseitigem Einfedern zu bewältigen sind, schlägt die schraubengefederte starre Hinterachse wie ein übel gelauntes Maultier aus.

Wer den Avalanche auch als Lastesel benutzen will, kann gegen Aufpreis die High- Performance-Ausführung mit 8,1 Liter Hubraum und 340 PS kaufen. Damit lässt sich dann ein amerikanisches Mobile Home samt SUV im Schlepp ziehen.

Auf die Mobilität seiner Kunden setzt Chevrolet ohnehin wie nie zuvor. Denn vom Avalanche gibt es nicht nur ein mit dem Expeditionsausrüster North Face entwickeltes Sondermodell. GM hält für den Trend-Pickup auch ein umfangreiches Zubehör-Sortiment bereit.  Es reicht vom Dachträger für Kanus, Kajaks oder Mountainbikes über Skiboxen, Laderaum-Verlängerungsgitter und elektrisch beheiz- wie kühlbare Cupholder bis hin zum Zelt, das die Ladefläche komplett überspannt und eine integrierte Bordküche beherbergt – ganz nach dem Motto: My chrome is my castle.

Neues Heft
Top Aktuell e.Go Life 60, Exterieur e.Go Life 60 Elektrokleinstwagen Bereit den Stadtverkehr zu rocken?
Beliebte Artikel BMW 3er G20, 330i BMW 3er G20 (2018) im Fahrbericht Wie hart ist er mit und ohne Sportfahrwerk? Skoda Scala Skoda Scala (2019) Polo in Golf-Größe schon ausprobiert
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Jaguar Land Rover Fahrdynamik Advertorial Auf Knopfdruck: Sport Mehr Fahrspaß durch Technik Porsche 911 (992) Cabrio Erlkönig Erlkönig Porsche 911 Cabrio (992) Offener Elfer startet 2019
Allrad Toyota RAV 4 2018 New York Sitzrobe Toyota RAV4 (2018) SUV-Neuauflage ab 29.990 Euro Porsche Macan, Facelift 2019 Porsche Macan (2019) Facelift Scharfes Heck, starke Motoren
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) Carrera Coupe Porsche 911 (996) Kaufberatung Probleme des Schnäppchen-Elfer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Hymer B-MC I 580 Hymer B-Klasse MC I 580 Test Neues Konzept, neue Epoche? Weihnachtskalender 2018 Tür 15 Mitmachen und gewinnen Nighthawk von ROLLPLAY
CARAVANING Deichselschloss Diebstahlschutz für Caravans Deichselschlösser und Co Weihnachtskalender 2018 Tür 15 Mitmachen und gewinnen Nighthawk von ROLLPLAY