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Citroën C1, Peugeot 107, Toyota Aygo

Wie es euch gefällt

Citroën C1, Peugeot 107, Toyota Aygo – was sich so verschieden anhört, ist doch fast das Gleiche. Ein Auto, drei Hersteller, drei Outfits, keine Motorenauswahl: Es gibt nur einen einzigen, einen Einliter-Dreizylinder mit 68 PS.

Es ist nicht der berühmte, manchmal auch gerügte Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Hier geht es um Äpfel und Äpfel – Granny Smith contra Cox Orange contra Boskop. Der moderne Automobilbau einer globalisierten, um Kostensenkungen ringenden Welt hat es möglich gemacht.

Die drei Auto-Zwerge Citroën C1, Peugeot 107 und Toyota Aygo entstammen nicht nur einer einzigen Denkfabrik, sondern auch einer einzigen Produktionsstätte (siehe Spotlight auf Seite 81). Nichts bewegt Sie wie ein Citroën – der doppelsinnige Slogan der Franzosen hört sich hier wie Hohn an. Denn auch ein Toyota bewegt sich nun wie ein Citroën, und der kleinste Peugeot tut es nicht minder.

Drei Mal das Gleiche, da kann der Käufer im Prinzip nichts falsch machen. In seinen Basiswerten fährt er tatsächlich immer das gleiche Produkt. Doch es gibt Unterschiede. Für die wichtigsten Differenzen sorgten die Styling-Abteilungen. Wie ein Toyota soll ein Citroën ja nun wirklich nicht aussehen, und das tut der C1 mit seinem großen Kühlermaul ebensowenig wie der 107 von Peugeot, der sich seinerseits um Familienähnlichkeit bemüht. Auch das Heck differiert, wobei die gläserne Klappe Eigenwilligkeit bei allen gewährleistet. Ein wenig Scheu hat man schon, den winzigen 130-Liter-Kofferraum mit Elan zu verschließen, aber die Klappe zerbricht nicht.

Der einstige Entwicklungschef von Porsche, Helmuth Bott, bekannte einmal, einen Mercedes würde er mit verbundenen Augen erfühlen. Auch die drei in der Länge nur 3,43 Meter messenden Winzlinge lassen sich erfühlen. Alles fasst sich nämlich japanisch an, und das muss auch für einen Citroën oder Peugeot kein Nachteil sein. Der Geist von Toyota ist überall präsent, das Trio zeigt sich gut verarbeitet, wirkt steif in den Karossen und präsentiert auch bei der Bedienung fernöstliche Grundwerte.

Nichts verwirrt, alles ist an der richtigen Stelle. Dabei liefert ausgerechnet der Citroën ein Fallbeispiel genialer Einfachheit. Mit 8390 Euro hat er neben den knapp 9000 Euro kostenden, aber besser ausgestatteten Brüdern den geringsten Basispreis und führt damit ausstattungsmäßig in eine längst vergessene Autowelt. Es gibt noch richtige Türschlösser, die man mit dem Zündschlüssel knackt, fast schon exotisch anmutende Fensterkurbeln und manuell einstellbare Außenspiegel.

Der wahre Mangel des C1 besteht im Verzicht auf eine Servolenkung. Es gibt sie für 300 Euro, und man sehnt sie sich nach dem Bezwingen der ersten Parklücke herbei. Ausgerechnet dieses Extra in die Aufpreisliste zu nehmen ist schwer nachvollziehbar, denn man entzieht dem Fahrer ein Kleinstwagen- Vergnügen: leicht irgendwo rein, leicht wieder raus.

Die Aufpreise für die in allen drei Fällen lieferbaren viertürigen Versionen differieren kaum, 350 Euro sind es beim Aygo, 400 Euro beim C1, 450 beim Peugeot. Mit den besseren Extras lässt sich das Trio leicht auf über 12 000 Euro hieven. Eine Klimaanlage kostet beim Toyota 950 Euro, beim 107 sind es 900, Citroën schnürt ein Paket aus Klimaanlage, Radio mit CD-Player und Drehzahlmesser für 1100 Euro, allerdings nur für die teurere Style-Version.

Bei der Sicherheitsausstattung herrscht weitgehend Einigkeit, mit einem leichten Vorteil für den Toyota. Neben Fahrerund Beifahrer-Airbags hat er Sidebags und Kopfairbags vorne und hinten. C1 und 107 bieten für den Fall des Falles das Gleiche auf, Kopfairbags kosten bei beiden allerdings 250 Euro Aufpreis – und sind beim Citroën unverständlicherweise auch erst bei den teureren Versionen lieferbar.

Unter der stummeligen Motorhaube endet die Vielfalt. Nicht nur das alte Ford T-Modell wurde mit nur einem einzigen Motor geliefert, sondern – den kommenden Diesel für den C1 einmal ausgenommen – auch das Zwergen-Trio. Die Qual einer eventuellen Wahl entfällt also, am Werk ist ein Vierventiler mit einem Liter Hubraum, dessen Besonderheit in der Zylinderzahl liegt. Es sind nicht die klassenüblichen vier, sondern nur drei, langhubig ausgelegt, mit 68 PS bei 6000 Touren kein Kind von Traurigkeit.

Rund 850 Kilogramm sind nicht viel Last für das kleine Maschinchen, dessen japanische Wurzeln schnell deutlich werden. Es wirkt emsig und solide, und zusammen mit dem gutturalen Sound beim Beschleunigen kommt so etwas wie Motorvergnügen auf. Auch ohne Ausgleichswelle werden die arttypischen Schwingungen wirksam im Zaum gehalten, das gut gestufte Fünfgang-Getriebe schaltet sich exakt, und so entpuppen sich Aygo und Konsorten keinesfalls als Verkehrs- Hindernisse. Tempo 100 wird in 13,5 Sekunden erreicht.

Im Durchzugsvermögen darf man nicht zu viel erwarten. Immerhin tritt der Dreizylinder subjektiv kräftiger an, als es die Messwerte erwarten lassen.

Der Umgang mit der Maschinerie macht also Freude, und auch was man an der Tankstelle erlebt, zieht die Mundwinkel nach oben. Die zurückhaltend gefahrenen Verbrauchsrunden zeitigen Werte von kaum mehr als vier Liter pro 100 km, mit fünf Litern ist man schon zügig unterwegs.

Man erreicht mit etwas Zurückhaltung Diesel-Verbräuche, ohne Diesel zu fahren, und selbst das geringe Tankvolumen entpuppt sich bei solchen Trinksitten nicht als Ärgernis. Zum vollkommenen kleinen Glück reicht es dennoch nicht bei den dreien. Auch wenn das günstige Leistungsgewicht die Langstrecken-Eignung der französisch-japanischen Minis nicht in Frage stellt – der Federungskomfort tut es.

Niemand hat hier Sänften erwartet, doch die Resultate sind auch dann enttäuschend. Subjektiv wird man von den Härten im Peugeot und erst recht im Citroën am meisten überrascht und findet das unpassend. An den Fahreigenschaften und Bremsen gibt es nichts auszusetzen, das Kurvenverhalten ist neutral, auch vor Lastwechselreaktionen ist man gefeit. ESP ist in keinem Modell lieferbar, die Handlichkeit der kleinen Autos erscheint verblüffend, das Kurvenfahren macht Spaß – wenn auch nur mit Servolenkung.

Doch es bleibt dabei: Den Kleinwagen haben die Schöpfer von Aygo, C1 und 107 mit ihrem unterschiedlichen Gleich-Produkt ganz gewiss nicht neu erfunden. Bleibt die Frage, welchen man nehmen soll. Die Antwort ist einfach: den, der gefällt. Oder keinen.

Technische Daten

Toyota Aygo 1.0i City Citroën C1 1.0i Advance Peugeot 107 70 Filou
Grundpreis 10.207 € 9.390 € 10.050 €
Außenmaße 3410 x 1615 x 1465 mm 3435 x 1630 x 1470 mm 3430 x 1630 x 1470 mm
Kofferraumvolumen 130 bis 782 l 139 bis 712 l 139 bis 712 l
Hubraum / Motor 998 cm³ / 3-Zylinder 998 cm³ / 3-Zylinder 998 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 50 kW / 68 PS bei 6000 U/min 50 kW / 68 PS bei 6000 U/min 50 kW / 68 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 157 km/h 157 km/h 157 km/h
0-100 km/h 13,4 s 13,4 s 13,5 s
Verbrauch 4,6 l/100 km 4,6 l/100 km 4,6 l/100 km
Testverbrauch 6,7 l/100 km 6,7 l/100 km 6,8 l/100 km
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