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Citroën C6 V6 HDi

C si bon

Normal 0 21 Einen großen Citroën hat es schon lange nicht mehr gegeben. Ein halbes Jahrhundert nach dem glorreichen DS, nach CX und dem farblosen XM strebt nun der C6 zu neuem Ruhm in der Oberliga.


Jacques Chirac und andere Fans haben lange auf einen großen Citroën warten müssen. Nun ist sie gestillt, die Sehnsucht, und das Auto heißt einfach C6. Es gibt also wieder eine große Limousine, ein Modell, das – wie einst der DS – mit den etablierten Größen in dieser anspruchsvollen Kaste konkurrieren soll, auch natürlich mit den Platzhirschen von Audi, BMW und Mercedes. Es ist, nicht überraschend, eine klassische Limousine geworden, keine verquere Mixtur aus Kombi, Geländewagen und Sportcoupé, fast fünf Meter lang und mit einem Radstand von 2,90 Metern üppig gesegnet. Wer den stilistischen Glanz des alten DS, der berühmten Göttin, noch in den Augen hat, erkennt auch kein Retro-Styling. Es entstand eine langgestreckte, in der Sihouette Kraft und Tempo ausdrückende Linie, deren einziger auffälliger Gag das konkav verlaufende Heckfenster darstellt.

Und da man auch Breite braucht, um imposant zu wirken, misst das neue Auto hier fast 1,90 Meter. Das Markenemblem, der Doppelwinkel, seit Anbeginn eine Radverzahnung symbolisierend, hat gewaltige Ausmaße am Wagenbug angenommen. Ich bin der größte Citroën, heißt die Rückspiegel-Botschaft, mein Fahrer tanzt aus der Reihe und fährt ausdrücklich nicht Audi. Warum eigentlich nicht? Weil er etwas gesucht hat, das man sonst nicht mehr findet. In einer Zeit, in der die besten Limousinen der Welt längst eine asymptotische Annäherung an das Optimum erfahren haben, gibt es nicht mehr viele Möglichkeiten der Extravaganz. Alle sind schnell, alle liegen gut, alle sind komfortabel. Doch keiner federt auf so spezifische Art wie der neue C6, der das Citroën-Urgestein Hydropneumatik nach allen Regeln des technisch Machbaren kultiviert.

Es ist ein Komfort-Erlebnis, bei dem die mit variabler Dämpferhärte arbeitende Federung lange Wellen am besten schluckt. Kurze Unebenheiten werden auch mit Anstand verdaut, aber weniger souverän. In Gedanken ist man schon auf einer Route Nationale. Dieses ganz spezielle Schweben ist allerdings nicht jedermann zuträglich. Wer zur Seekrankheit neigt, wird vor allem im Fond meistens Windstärke acht verspüren. Wie üblich bei elektronisch geregelten Fahrwerken lässt sich durch eine S-Taste fahrdynamisch eine sportivere Dämpfer-Kennung aufrufen, doch hat man – außer vielleicht bei Slalom- Betrieb – keinerlei nützliche Funktion. Der C6 wird einfach härter und verliert von jener spezifischen Komfortgüte, deretwegen man ihn vielleicht sogar gekauft hat.

Das Ausfahren eines kleinen Heckspoilers jenseits von Tempo 100 und das Absenken des Fahrwerks bei höheren Geschwindigkeiten geschieht automatisch. Die Servolenkung zeichnet sich ebenfalls durch eine solche Variabilität aus. Geringe Tempi erfordern nur geringste Lenkkräfte, darüber wird der Widerstand größer. Gewöhnungsbedürftig bleibt allein das kartähnliche, etwas eckige Ansprechen bei Langsamfahrt – der alte DS zeigt hier offensichtlich noch seine Gene. Der ausgezeichnete Gesamtkomfort resultiert auch aus den geringen Windund Laufgeräuschen. Zusammen mit den unauffälligen Tönen des Sechszylinder- Dieselmotors ergibt sich so eine hervorragende Autobahn-Tauglichkeit. Bei 100 km/h zeigt das Phonmessgerät gerade einmal 65 dB(A), bei 160 sind es bescheidene 71. Im Interieur dominieren helle Farben, der Einrichtungsstil entspricht mit sachlicher Coolness dem Zeitgeschmack. Eine kleine, strenge Instrumenteneinheit liegt zentral im Blickfeld, mit digitaler Tachoanzeige, Tankuhr und Drehzahlmesser, auf dem sich das Band wie eine Raupe Richtung 5000 hangelt. Bei der Bedienung wollte Citroën das Auto gottlob nicht neu erfinden.

Alles ist natürlich ein bisschen unübersichtlicher als bei einem C1, doch es gibt keine echten Rätsel. Navigieren lässt sich per Sprachsteuerung, was die Bedienung spürbar beschleunigt. Man kommt also zurecht – keine Selbstverständlichkeit bei den Schönen und Teuren. Zu den besonderen Extras zählen mitlenkende Bi-Xenon-Scheinwerfer, ebenso das so genannte Head-up-Display (siehe „Spotlight“) und der Spur- Assistent. Jenseits von 80 km/h lässt das optionale System beim Überschreiten einer Mittellinie den Fahrersitz kräftig vibrieren. Vielleicht nützt es jenen C6-Käufern, die, vom Komfort überwältigt, sofort einschlafen.

Das soll nun nicht heißen, dass der C6 aufgrund seines Charakters nichts für engagierte Fahrer wäre. Nicht nur die verblüffende Handlichkeit schafft Fahrvergnügen, sondern auch das Zusammenspiel von Motor und Sechsgang-Automatik. Der Testwagen hat den 2,7 Liter großen, von zwei Ladern gemästeten Diesel-Direkteinspritzer, 204 PS stark und 440 Nm kräftig. Bis auf leichte Vibrationen um 2000 Touren verhält sich der Diesel kultiviert und angemessen dynamisch (knapp unter zehn Sekunden auf Tempo 100), aber nicht besonders sparsam (Testverbrauch 10,5 Liter pro 100 Kilometer). Wie üblich lässt sich die Automatik auch in einer Sportstellung betreiben oder manuell durchschalten, ganz nach Gusto.

Doch der Sinn einer Automatik ist ja das Automatische, und so fühlt man sich in Komfort-Stellung D am besten aufgehoben. Motor und Getriebe passen also zum Reisecharakter, der eine sportliche Gangart mit hohem Kurventempo freilich nicht ausschließt. Im Grenzbereich neigt der C6 nur zu maßvollem Untersteuern, der Einsatz des elektronischen Stabilitätsprogramms geschieht spät, vielleicht sogar etwas zu spät. Leichte Lastwechselreaktionen können vorkommen, ohne dramatische Folgen. Die Bremsen zeigen bei starker Belastung allerdings ein Nachlassen der Wirkung. Es ist ein Haar in einer gut schmeckenden Suppe. Mit diesem Auto ist, ganz ohne Retro-Design, der moderne Nachfolger des legendären DS entstanden. Das war nicht einfach, nicht einmal für Citroën. Chapeau.

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