Corvette

Sechser-Vette

Foto: Foto: Achim Hartmann 15 Bilder

Der US-Sportwagen präsentiert sich als Cabrio und als Coupé in der sechsten Generation. Wieder einmal ist er stärker und sportlicher geworden. Die totale Reformation fängt schon mit der Karosserie an. Gerade noch so lang wie ein Porsche 911 war die Corvette beim Bodybuilder.

Rahmen aus Stahl, Karosserie aus Kunststoff, ein Achtzylinder mit Stoßstangen-Ventiltrieb – auch die sechste Generation des US-Sportwagens Corvette bleibt linientreu beim klassischen Technik-Konzept. Fortschritt auf kleiner Flamme, so der erste Eindruck. Doch der täuscht gründlich. Der Chefkonstrukteur des Corvette-Teams rückt die Sache gerade. „Die paar Teile“, sagt der schnurrbärtige Dave Hill, „die mit der bisherigen Corvette identisch sind, können Sie in einer Einkaufstüte nach Hause tragen.“ Die totale Reformation fängt schon mit der Karosserie an. Vorbei die Zeit der schwellenden Formen, die Corvette war beim Bodybuilder. Gerade noch so lang wie ein Porsche 911, ist der Klassiker zu einem kompakten Kraftpaket geworden – mit scharf konturierten Karosserielinien, die ein bisschen an den legendären Sting Ray (1963 bis 1967) erinnern.

Gleich zum Produktionsstart wird es ein Coupé – wie bisher mit herausnehmbarem Dach – und ein Cabrio geben. Das verfügt jetzt über eine elektrohydraulische Betätigung, eine Premiere für die Corvette. Denn 1962 stand ein Automatik- Dach zwar in der Optionsliste, schaffte es aber nicht in die Serienproduktion. Abschied gilt es zu nehmen von den Klappscheinwerfern, ein Corvette-Merkmal seit über 40 Jahren. Dafür zeigen sich unter den Klarglas-Abdeckungen nun Xenon-Scheinwerfer für Abblend- und Fernlicht. Die kompakteren Abmessungen gehen nicht auf Kosten der Insassen.

Das Platzangebot im Cockpit ist nahezu gleich geblieben. Dahinter schließt sich ein stattlicher Kofferraum an, der beim Coupé auf ein Volumen von über 600 Litern kommt, wenn die Beladung auf die Sicht nach hinten keine Rücksicht nimmt. Beim Cabrio sind es 295 Liter, von denen bei geöffnetem Dach nur noch 144 Liter übrig bleiben. Wer in der Corvette Platz nimmt, entdeckt eine neue GMWelt. Gut, den hochwertigen Eindruck eines Audi oder Mercedes wird ein Produkt der Marke Chevrolet nie vermitteln.

Aber die Zeiten der Plastik- Landschaft billigster Machart sind passé. Bessere Materialien und eine schon bei den ersten Vorserien- Exemplaren ordentliche Verarbeitung deuten an, dass hier noch einmal nachgebessert wurde. Deshalb musste auch der ursprünglich geplante Starttermin zum 50-jährigen Corvette- Jubiläum im letzten Jahr verschoben werden.

Die Bedienung blieb einfach und übersichtlich, mit einigen wichtigen Neuerungen. So gibt es nun auf Wunsch eine DVD-Navigation mit einem Bildschirm in der Mittelkonsole. Und den Schlüssel braucht der Corvette-Fahrer nie mehr aus der Hosentasche zu nehmen. Wenn er sich seinem Auto nähert, werden automatisch die Türen entriegelt. Anschließend genügt ein Knopfdruck, um den Motor zu starten. Der ist – im Prinzip – ein alter Bekannter, später Nachfahre des Small-Block-Achtzylinders, der 1955 erstmals die automobile Bühne betrat. Aber wohl kaum ein Automotor hat sich im Lauf seiner Karriere so nachhaltig verändert. Geblieben ist allein das technische Layout: zentrale Nockenwelle, Stoßstangen, zwei Ventile pro Zylinder. Was altertümlich anmutet, basiert auf nüchternen Überlegungen: Wer genügend Hubraum hat, der braucht keinen Vierventiler. Wer auf Höchstdrehzahlen keinen Wert legt, braucht keine oben liegenden Nockenwellen.

Dem gegenüber stehen die Vorteile des OHV-Achtzylinders: wenig bewegte Teile, geringes Gewicht, kompakte Abmessungen, minimierte innere Reibung. Die jüngste Ausbaustufe des V8, LS 2 genannt, kommt auf sechs Liter Hubraum und 402 PS. Im Verbrauch soll sie Maßstäbe setzen – die Normwerte jedenfalls bescheinigen der Corvette diesbezüglich den Spitzenplatz unter allen Sportwagen, die mindestens 400 PS unter der Haube haben. In den USA ist die Corvette der einzige Vertreter dieser Leistungsklasse, der vom Staat nicht mit der so genannten Gas-Guzzler-Steuer (Benzinsäufer) belegt wird. Dazu trägt bei, dass die Corvette im Gegensatz zum üblichen Trend leichter geworden ist.

Nur rund 1450 Kilogramm gilt es zu bewegen, eine leichte Bürde für einen so hubgeräumigen Ami-Achtzylinder. Kombiniert wird der serienmäßig mit einem Sechsganggetriebe, auf Wunsch auch mit einer verbesserten, aber nach wie vor nicht vollständig überzeugenden Viergang-Automatik. Die manuelle Schaltbox wird erste Wahl bleiben. Zumal sie sich weit besser schalten lässt als beim Vorgänger: mit kurzen Wegen, knackig und exakt, wenn auch nicht gerade leichtgängig. Das Ganze ergibt eine Antriebskombination, die einfach Spaß macht.

Der V8 zieht aus niedrigen Drehzahlen wie eine Lokomotive, dreht willig bis über 6000/min und entwickelt dabei einen Sound, wie er amerikanischer nicht sein könnte – ein Powerpaket, das die Corvette in nur 4,2 Sekunden auf 100 km/h schleudern soll und ihr – als Coupé – den Eintritt in den exklusiven 300-km/h-Club ermöglicht. Schnell sein auf der Geraden ist eines. Aber erst auf kurvenreichen Strecken zeigt die neue Corvette, was in ihr steckt. Hier ist, Fahrversuche auf einer Rennstrecke im US-Bundesstaat Virginia bestätigen es, ein Sportwagen entstanden, der es mit den Besten seiner Zunft aufnehmen kann. Dem Vorgänger, gewiss kein schlecht liegendes Auto, nimmt die neue Corvette auf der 4,5-Kilometer-Strecke über fünf Sekunden ab. Und das mit eingeschaltetem ESP, das neu abgestimmt wurde und damit dem sportlich orientierten Fahrer entgegenkommt.

In Bestform präsentiert sich die Corvette mit dem Sportfahrwerk (Option Z 51). Für Komfortorientierte gibt es eine Version mit automatischer Stoßdämpferverstellung (Magnaride). Mit ihr wird die Corvette zum Grand Tourer, der erstmals aufräumt mit der Vorstellung, dass quer eingebaute Blattfedern nur ein unzureichendes Schluckvermögen bieten und die Hinterachse auf Bodenwellen zu trampelndem Versetzen verleiten. Corvette, die sechste: mehr Dampf, mehr Handling, mehr Komfort. Und somit wiederholt sich der Autor, der den USSportwagen seit seiner dritten Generation begleitet hat: die beste Corvette, die es je gab. Zumindest bis im nächsten Jahr das Sportmodell Z 06 kommt – mit voraussichtlich 500 PS.

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Technische Daten
Chevrolet Corvette C6
Hubraum / Motor 5967 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 298 kW / 405 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 300 km/h
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