Daihatsu Materia

Materia-Prüfung

Foto: Daihatsu Materia 5 Bilder

Mit verblüffendem Design auf bewährter technischer Grundlage dringt der Daihatsu Materia ins Kleinwagen-Revier ein.

In Japan sind sie so selbstverständlich wie Sushi oder Pachinko- Glücksspiele: boxförmige Kleinwagen mit weit vorgezogenem Dach und Stummelhaube. Sie heißen Toyota Bb oder Daihatsu Coo und bringen einen Hauch Böse-Buben-Image ins 3,80-Meter- Rudel – ab März als Materia auch in Deutschland. Strenger Blick aus Schlitz- Scheinwerfern, breiter Grill, steile Frontscheibe, hohe Gürtellinie, viel Blech, wenig Glas und davon noch ein Großteil dunkel gefärbt – Budget-Fernöstler und andere Kleinwagen-Praktiker sahen in Europa bisher anders aus. Selbst schuld, schließlich enthält die DNA der kastigen Spezies eine dicke Portion Nutzwert.

Nicht umsonst sind Container, Postpakete und Tetrapaks ebenfalls quaderförmig. So erwarten den Materia-Besitzer nach dem Öffnen der großen Türen ein generös geschnittener Innenraum mit viel Platz für Kopf, Schultern und Beine sowie ein annähernd symmetrisch aufgebauter Armaturenträger mit mittig platzierten Instrumenten und Bedienelementen für Stereo- und Klimaanlage.

Provozieren die in strengem Blau erleuchteten, halbrunden Acryl-Instrumente mit der klitzekleinen LCD-Anzeige für Tankinhalt und Streckenzähler noch die Kritik von DIN-Normierern, so dürften diese angesichts der serienmäßigen Audio-Einheit versonnen lächeln.

Griffiger Zentralregler, klar beschriftete, üppig dimensionierte Tasten und die gut ablesbare Digitalanzeige stehen für Musikhören ohne Handbuchstudium. Und das akustische Vergnügen im Materia enthält sogar noch eine optische Komponente: Die Zierringe der Türlautsprecher leuchten nämlich auf Knopfdruck im gleichen hypnotisch-durchdringenden Blau wie die Tür-Innengriffe. Fehlt bloß noch Low-Glow, die bei Westküsten-Sprechgesänglern wie Ruhrpott-Tunern gleichermaßen beliebte Unterbodenbeleuchtung per Neonröhren.

Etwas Feintuning könnte indes der 1,5 Liter große 103-PS-Benzinmotor vertragen, von dem Daihatsu in Deutschland 90 Prozent Verkaufsanteil erwartet. Dröhnig und vibrierend, müht er sich trotz Vierventil-Technik und verstellbarer Nockenwellen zäh und lustlos durch das Drehzahlband, verliert ab 5000/min endgültig den Elan. Gangwechsel untermauern den Eindruck eines modernen Antiquariats unter der Materia- Motorhaube. Mit einem dürren, roh vibrierenden Schaltstock hakelt man sich auf langen Wegen durch unpräzise Gassen zu den fünf Stufen.

Das sollte die Tochterfirma des zweitgrößten Automobilherstellers der Welt eigentlich besser hinbekommen. Etwa so wie den überzeugenden Raumeindruck im Fond. Die Platzverhältnisse auf der ausreichend bequem gepolsterten, stufenlos um 16 Zentimeter verschiebbaren Rückbank mit verstellbaren Lehnen erinnern nämlich weniger an einen Kleinwagen der 3,80- Meter-Klasse, sondern orientieren sich mindestens eine Kategorie höher.

Sogar bei voll zurückgeschobenen Vordersitzen bleiben Langbeinigen noch Reserven. Allerdings auf Kosten des Gepäckraums, dessen 294 Liter (bei vorgeschobener Bank) in der hinteren Position dann zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen. Wer allerdings die Lehnen umklappt, verfügt über 1000 Liter Volumen, bei flachgelegtem Beifahrersitz außerdem über 2,20 Meter Ladelänge. Eiligen Spediteuren dürfte neben der angemessen komfortablen Federung das problemlose, kalkulierbare Handling entgegenkommen, das sich leider nur beim 1,5-Liter für 500 Euro Aufpreis mit der elektronischen Stabilitätskontrolle VSC weiter absichern lässt.

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Technische Daten
Daihatsu Materia 1.5
Grundpreis 16.990 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3800 x 1690 x 1635 mm
KofferraumvolumenVDA 181 bis 1358 l
Hubraum / Motor 1495 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 76 kW / 103 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Verbrauch 7,1 l/100 km
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