VW Passat R-Line Edition, Exterieur Jörg Künstle

VW Passat Variant R-Line Edition im Fahrbericht

Quer oder weniger?

Im Sondermodell R-Line Edition kann erstmals das elektronische Stabilisierungsprogramm ESC deaktiviert werden. Wie sicher fährt der Passat dann noch?

Kaum baut VW mehr als 30 Millionen Passat, darf der sich selbst ein bisschen feiern. Und seine Besitzer mit ihm. Zumindest jene 2.000 Käufer eines Variant R-Line Edition. Dessen Merkmale: angetrieben vom kräftigsten TDI- oder TSI-Triebwerk (240/272 PS), lackiert in Mondsteingrau mit schwarzen 19-Zoll-Felgen. Und, Trommelwirbel, Tusch: mit einem elektronischen Stabilisierungsprogramm, das sich komplett abschalten lässt. Das selbst dann nicht eingreift, wenn der Fahrer im ABS-Regelbereich bremst.

Zunächst aber muss die Elektronik zeigen, wie gut sie arbeitet. Da es hier ja um die Querdynamiktalente des Passat geht, bleibt der Vollschutzmodus außen vor. Ein bisschen per Touchscreen in den Fahrzeugeinstellungen kruschteln, da taucht „ESC Sport“ auf. Aber Fahrversuche auf öffentlicher Straße? Ausgeschlossen.

Ab auf den Spielplatz!

Auf dem Gelände des auto motor und sport-Fahrsicherheitszentrums am Nürburgring findet sich genügend Platz, um ein bisschen zu spielen. Eine bewässerte Kreisbahn beispielsweise, in deren Radius der VW sich sehr schnell und sehr innig verknallt, ihn gar nicht verlassen mag. Die Elektronik regelt permanent, sehr sensibel mit kleinsten Eingriffen, hält so den 4,78 Meter langen und über 1,7 Tonnen schweren Kombi exakt in seiner Umlaufbahn. Das Tempo? Hoch, höher als erwartet. Dabei übermittelt die Lenkung exakt jene Informationen der Vorderräder, die dem Fahrer einzuschätzen helfen, wann die Haft- in Gleitreibung übergeht – ein Zustand, den der eine oder andere vielleicht mal bewusst herbeiführen möchte.

Der Drift, die vermeintlich hohe Kunst der Fahrzeugbeherrschung, stabile Instabilität sozusagen, eine Welt, deren Grenzschützer den Passat bislang abwiesen. Zugegeben, eine sehr kleine Welt. Wäre aber schon witzig, würde sie ein Passat nun aufmischen. Na dann: ESC aus. Das Doppelkupplungsgetriebe arbeitet nun im manuellen Modus, der Vierzylinder-Turbodiesel mit zwei Turboladern entwickelt mit 500 Newtonmetern ein ausreichend hohes Drehmoment, um den Familienwagen quer zu bekommen.

VW Passat R-Line Edition, Exterieur
Jörg Künstle
Selbst mutwillige Lastwechsel bringen den Passat nicht aus der Ruhe, höchstens ins Untersteuern.

Wieder rauf auf die Kreisbahn, kräftiger Gasstoß und: nichts. Also schnell die Schublade mit den Fahrdynamiktricks aufgezogen. Anpendeln, Lastwechsel, teils radikal über Linksbremsen. Den Passat lässt das allerdings kalt, seine frischen 235/40-19-Reifen werden mit dem Wasser auf der Fahrbahn problemlos fertig, der mechanische Grip liegt auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Der exklusive Variant fährt extrem lange neutral, verträgt von Runde zu Runde mehr Tempo, beginnt erst spät und sacht zu untersteuern. Kein Driftmonster also, aus gutem Grund: Unsere Fahrzeuge sollen sich so verhalten, als ob sie kein ESP nötig hätten, sagt VW.

Ein bisschen quer geht immer!

Aber hey, ein bisschen was wird schon gehen. Daher: Belagwechsel. Rüber auf die Niedrigreibwertfläche. Ein µ-Wert kurz vor null. Hier reicht tatsächlich ein motivierter Gasstoß, damit der Variant seine langes Heck heraushängt, die elektronisch geregelte Lamellenkupplung des Allradantriebs schickt nun maximal die Hälfte des Motordrehmoments an die Hinterachse. Doch das reicht, um den Passat einen Moment lang quer zu halten – bevor der glatte Belag endet. So weit, so lustig, schön, dass der Familienkombi das nun darf. Er darf sogar noch mehr, denn VW begründet die Abschaltfunktion des ESC mit Besuchen auf der Rennstrecke.

Da kann es tatsächlich passieren, dass in bestimmten Bereichen eine höhere Regelschwelle des ESC nicht ausreicht. Im Karussell der benachbarten Nordschleife kommt die Elektronik gerne mal aus dem Tritt, speziell bei der Ausfahrt, grätscht dann irritiert ein. Wenn den Passat-Fahrer also mal der Hafer sticht, er sich im Touristenverkehr austoben möchte – bitte sehr, jetzt geht’s. Und er kann dennoch mit der Gewissheit fahren, dass ihn der Variant nicht aus der Bahn wirft, beim übermotivierten Einlenken ins Brünnchen beispielsweise.

Zugegeben, ein sehr nischiger Anwendungsbereich. Ebenso wie das Driften, das man übrigens im Fahrsicherheitszentrum (www.fszn.de) lernen kann. Und wenn dann mal wieder das Winterwetter ausreichend Schnee liefert, könnte es lustig werden mit dem Passat R-Line Edition. Natürlich nur auf abgesperrter Fläche.

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