Die neue Mercedes S-Klasse

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Foto: Rossen Gargolov 17 Bilder

Es ist wieder einmal soweit: Mit einer neuen Auflage der S-Klasse versucht Mercedes-Benz, den Luxus-Claim so abzustecken, dass sich daran alle anderen orientieren müssen.

Mehr gibt es derzeit nicht. Wer beim Kauf der neuen S-Klasse ohne Rücksicht auf die drohende Rechnung alle verfügbaren Sonderausstattungen ankreuzt, darf sicher sein, den aktuell höchsten Stand der Autotechnik zu erwerben.

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Hier nur einige Beispiele, denn für die ausführliche Beschreibung aller technischen Feinheiten wäre ein auto motor und sport-Sonderheft notwendig gewesen. So gibt es nun einen Abstandsregel- Tempomat, der das Auto im Stop-and-go-Verkehr bis zum Stillstand abbremst.

Oder den Nachtsicht- Assistenten mit Infrarot-Scheinwerfern, die auf einem Display sichtbar machen, was der Mensch selbst mit Bixenon-Scheinwerfern und Kurvenlicht nicht sieht. Oder den Park- Assistenten mit Rückfahr-Kamera, der die S-Klasse, wäre sie nicht so teuer, zum idealen Fahrschul-Auto machen würde. Denn er gibt exakte Anweisungen, wann und wie stark das Lenkrad eingeschlagen werden muss, um wie ein Profi in die Parklücke zu flutschen.

Es steckt noch viel mehr drin, das meiste erst möglich geworden durch die rasante Weiterentwicklung der Elektronik. Das wiederum führt beim Autofan der klassischen Sorte, der das Spitzenprodukt des deutschen Automobil-Baus womöglich seit Jahren kennt, zwangsläufig zu der Frage, was denn neu ist an habhafter Automobiltechnik, an Details, die man sehen und spüren kann, an Motor und Fahrwerk beispielsweise. Ist es da, weil ja alles schon von höchster Güte war beim Vorgänger, bei einem Feinschliff geblieben?

Die Mercedes-Entwickler um den SKlasse- Verantwortlichen Frank Knothe, einem Daimler-Urgestein seit fast 40 Jahren, geben freimütig zu, dass die Luft dünn wird. Wirklich große Sprünge sind im Bereich der Hardware-Technik wohl erst wieder zu erwarten, wenn die Energiesituation zu substanziellen Antriebsänderungen zwingt.

Aber, so Knothe, „wir haben uns Mühe gegeben“. Und das spürt man auch. Zunächst empfängt die S-Klasse- Passagiere ein Interieur, dessen moderne Gestaltung sich meilenweit absetzt von der bisweilen altväterlichen Gemütlichkeit, die das Vorgänger-Modell auszeichnete. Metallisch glänzende Schalter tragen dazu bei, aber natürlich auch der große, schwenkbare Bildschirm im Armaturenbrett sowie der dazugehörige Comand Controller auf der Mittelkonsole, der im Lauf der Evolution den Familiennamen seiner i-Drive-Vorfahren abgelegt hat.

Das Prinzip ist ähnlich wie bei allen derartigen Systemen und muss erst einmal über längere Zeit im Alltag erprobt werden, bevor ein endgültiges Urteil gefällt werden kann. Der Autor immerhin, ein erklärter Freund des klassischen Schalters, kam auf Anhieb gut damit zurecht und muss auch zugeben, dass die Fülle der Einstellmöglichkeiten mit herkömmlicher Schaltertechnologie nicht mehr zu beherrschen wäre.

Das meiste, was an Justier-Optionen im Comand-System hinterlegt ist, darf man nach einer persönlichen Grundeinstellung ohnehin getrost vergessen. Was man täglich braucht, etwa das Abrufen von Radio-Sendern oder das Eingeben eines Fahrtziels, geht leicht von der Hand. Für die Klima-Automatik gibt es ohnehin eine lange Leiste glänzender Tipptasten. Wer außerhalb des Automatik-Programms nach klimatischen Feinheiten sucht, muss allerdings ins Bildschirm-Menü.

Dort wartet – siehe Spotlight auf Seite 34 – eine Zutat, die mit zu den bemerkenswertesten Neuerungen der S-Klasse gehört. Fahren. Jetzt wird deutlich, dass hier wieder einmal Maßstäbe gesetzt werden. Nicht, dass die bisherige SKlasse plötzlich alt aussehen würde, aber der Unterschied ist spürbar. Vor allem im Fahrkomfort. Von den beiden lieferbaren Fahrwerken (Luftfederung als Standard und aktivem ABC-Fahrwerk) steht fürs erste Reinschnuppern die Standardversion zur Verfügung.

Und schon die verblüfft durch eine Geschmeidigkeit und Ruhe des Abrollens, die an das Über-Auto Maybach erinnert. Bodenwellen aller Art saugt die Federung förmlich auf. Dies ist ein Auto mit Verwöhnaroma auf langen Reisen – speziell wenn man gar nicht selber fährt, sondern dafür einen dienstbaren Geist bezahlt. Aber auch, wer dies aus Spaß am Autofahren weit von sich weist, wird bestens bedient.

Die S-Klasse präsentiert sich, obwohl wieder einmal größer geworden (3,3 Zentimeter mehr Länge bei der Normalversion, 4,3 mehr bei der hier gezeigten L-Variante mit 13 Zentimeter mehr Radstand), deutlich fahrdynamischer.

Die Lenkung arbeitet präziser, die Wankbewegungen der Karosserie scheinen reduziert. Das mag für den traditionellen S-Klasse-Kunden nur eine Nebenrolle spielen, erweckt aber nebenbei den beruhigenden Eindruck sehr hoher Reserven bei der aktiven Fahrsicherheit. Auch in Sachen Leistung ist das Konto weit im Plus. Denn der Motor des S 500, der zusammen mit dem S 350 zum Verkaufsstart im Oktober zur Verfügung steht (S 600 und S 320 CDI folgen im ersten Quartal 2006), ist eine komplette Neukonstruktion. Sie nimmt, wie es bei Mercedes längst die Regel ist, keine Rücksicht auf die Modellbezeichnung (oder umgekehrt), sondern weist 5,5 Liter Hubraum auf.

Im Gegensatz zum Vorgänger mit Dreiventiltechnik ist der neue V8 als Vierventiler konzipiert. Leistung und Drehmoment sind (siehe Tabelle) gewaltig angestiegen. Der neue S 500 beschleunigt fast eine Sekunde flotter als sein Vorgänger von null auf 100 km/h. Viel wichtiger: Im Verbrauch liegt er auf dem gleichen Niveau wie der alte Dreiventiler. Was beim alltäglichen Fahren spürbar wird, sind allerdings nicht die 388 PS, die unter der Haube schlummern.

Sie dürfen als Nebenprodukt eines bei 530 Nm liegenden Drehmoments gelten, das im Verein mit der Siebengang- Automatik für einen Antriebskomfort der Sonderklasse sorgt. Nur bei voller Beschleunigung erhebt der V8 seine wohl klingende Stimme, ansonsten dominieren Ruhe, nachdrücklicher Schub schon bei dezentem Gasgeben und Schaltvorgänge, die so unmerklich ausfallen, dass nur die Drehzahlmessernadel davon kündet.

Nadel? Von wegen. Die klassischen Rundinstrumente sind passé. Wir blicken jetzt auf einen Bildschirm. Moderne Zeiten.

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