Elektroauto e.Go Life (2018) Fahrbericht

Wie viel Spaß macht der E-Kleinwagen beim Fahren?

e.Go Life Foto: e.GO Mobile AG 10 Bilder

Die e.GO Mobile AG hatte auf der CeBIT in Hannover 2017 das Elektroauto e.Go Life vorgestellt. Den Kleinwagen gibt es mit drei verschiedenen in drei Leistungsstufen und Batteriegrößen. Mit der kleinsten kostet er ab 15.900 Euro. Wir durften den günstigen Kleinwagen mit Elektroantrieb bereits fahren.

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Die aus einem Forschungsprojekt der Hochschule RWTH Aachen hervorgegangene e.GO Mobile AG will mit dem e.Go Life die Elektromobilität voranbringen – und zwar über den Faktor Preis. Der e.Go Life kostet nämlich selbst mit der größten Batterie (23,9 kWh) noch unter 20.000 Euro. Natürlich ist er prämienfähig. Mit der E-Auto-Prämie beträgt derzeit 4.000 Euro. Damit kostet der Elektrozwerg mit der kleinsten Batterie (14,9 kWh, 27 PS) unter dem Strich nur 11.900 Euro.

Fahrbericht e.Go Life

Die Planung hängt viereinhalb Monate. Doch Probleme mit einem Zulieferer und den Abnahmeprozessen bremsten das ungeduldige Start-up e.GO Mobile AG zunächst einmal ein. Nun steht der Zeitplan für den kleinen Stromer, der erst Ende 2016 noch einmal für mehr Seitencrash-Sicherheit um 22 Zentimeter an Breite zulegte, fest: Werkseröffnung im September 2018, Produktionsstart im November.

Aktuell geht es nur noch ums Feintuning des Fahrwerks mit beachtlichen 16 Zentimetern Federweg, letzte Änderungen am ziemlich rustikal gemachten Cockpit und den noch etwas seitenhaltschwachen Sitzen sowie die finale Freigabe. Der lausbubenhaft gezeichnete Winzling, der vorn immerhin 47 Zentimeter definierten Verformungsweg hat, wird von einem E-Motor angetrieben. Der sitzt wie die Akkus weit unten in einem Alu-Spaceframe – gut für einen tiefen Schwerpunkt. Zum Start kommt der Life mit 20, 40 oder 60 Kilowatt Höchstleistung. Die Preise: 15.900, 17.400 und 19.900 Euro.

e.Go Life Fahrbericht 2018 Vorserie Foto: e.Go
Das versprochene Kart-Feeling können wir so bestätigen. Der e.Go Life folgt Lenkbefehlen zackig und ohne zu wanken.

Doch nun rein in das Vorserienauto, um zu erkunden, was die aktuell 3.000 Blind-Besteller erwarten dürfen – diese Zahl nennt Vorstandschef Günther Schuh, der zuvor durch den für DHL entwickelten StreetScooter bekannt geworden ist. Die Räder sind weit in die Ecken der Kunststoffkarosserie gerückt, deren Komponenten mit teils großzügig bemessenen Fugen an den Rahmen geschraubt sind und sich daher schnell auswechseln lassen. Erster Eindruck: Für 3,35 Meter Länge ist das Raumangebot beachtlich. Selbst wenn ein 1,90-Meter-Mann kommod hinterm Lenkrad sitzt, passt ein ebenso großer Mitfahrer noch hinter ihn. Der Standard-Kofferraum ist dafür mit 140 Litern eher klein. Bei umgeklappten Lehnen sollen es 680 sein.

Vollstrom und los: Mit hellem Summen kommt der Life aus den Puschen, während der Digitaltacho schnell 50 km/h und mehr zeigt. Diesem Auto fehlt noch die serienmäßige Servolenkung, Richtungsänderungen brauchen also Kraft. Doch zu spüren ist das von Schuh versprochene Handling-Talent des Hecktrieblers schon jetzt: kein Wanken, kein Zögern – der Life folgt den Vorderrädern sehr willig auch in enge Kurven hinein. Die Ausstattung ist wie bei allen preissensiblen Stromern übersichtlich. Infotainment (1.200 Euro), Alus (ab 600 Euro), Klimaanlage (1.700 Euro), LED-Licht (650 Euro) oder Sitzheizung (150 Euro) kosten extra. Erstes Fazit: Das könnte was werden.

Neues Motorenangebot ab Sommer 2018

Download Preisliste e.GO Life (PDF, 0,54 MByte) Kostenlos

Die Elektromotoren kommen von Bosch und wurden von 48 auf 230 Volt umgestellt. Die neue Basisversion mit 20 kW soll eine Real-Reichweite von 104 Kilometer schaffen. Die 40-kW-Variante wird mit 114 Kilometer Reichweite angegeben und die 60-kW-Version mit 154 km. Das neue Powermodell soll in 3,2 Sekunden auf 50 und in 8,6 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit klettert auf 152 km/h. Die kleineren Versionen lassen es bei 121 km/h bzw. 142 km/h bewenden. Die mittlere Leistungsvariante ist mit 17.400 Euro eingepreist. Das Power-Modell soll ab 19.900 Euro zu haben sein.

Die Batteriekapazitäten werden 14,9 kWh, 17,9 kWh und 23,9 kWh betragen. Die Ladezeiten an 230 Volt werden mit sechs bis knapp 10 Stunden angegeben. An einem Schnelllader sollen sie auf 3 bis rund 4,5 Stunden sinken. Das Leergewicht mit Batterie soll zwischen 880 und 950 kg liegen

Anlassermotoren an der Hinterachse

Der e.Go Life kommt als Zweitürer mit einer 2+2-Sitzkonfiguration. Er misst in der Länge 3,35 Meter, in der Breite 1,70 Meter und in der Höhe 1,57 Meter. Das Design wirkt wie eine Mischung aus glattgelutschtem VW Lupo und VW Up. Ohne Batterien sollte das Leergewicht ursprünglich bei 650 kg liegen. Für den Life waren waren anfangs übrigens zwei Elektromotoren an der Hinterachse vorgesehen. Dabei sollte es sich um herkömmliche Anlassermotoren handeln, wie sie beispielsweise in Hybridmodellen verbaut werden.

e.Go Life Foto: e.GO Mobile AG
Den 22 kW starken Elektroantriebsstrang liefert Bosch. Er besteht aus zwei Elektromotoren an der Hinterachse.

Den Bau der Produktionsstätte für die Serienfertigung des e.Go Life im Triwo-Technopark in Aachen unterstützte das Land Nordrhein-Westfalen mit rund 3,6 Millionen Euro – insgesamt liegt die Investionssumme der Triwo AG bei 25,7 Millionen Euro. Deren Gebäude wird dann an die e.Go Mobile AG vermietet. Insgesamt umfasst das Fertigungsgelände 16.000 Quardatmeter, jährlich sollten dort 10.000 Fahrzeuge entstehen. Jetzt wird verdoppelt (siehe Interview).

Interview mit e.Go Life-Chef Günther Schuh

Günther Schuh lehrt Produktionstechnik an der RWTH Aachen, der führenden Ingenieurschmiede in Deutschland. Außerdem ist er Chef der e.Go Mobil AG, seiner inzwischen zweiten Autofirma.

Was macht den e.Go so günstig?

Schuh: Das beginnt mit dem Grundkonzept. Wir wollten ein Stadtauto bauen. Also genügen rund 100 Kilometer Reichweite und geringe Geschwindigkeiten. Deshalb reichen Anlassermotoren, die den e.GO bis Tempo 50 so schnell beschleunigen wie jedes andere Auto auch und maximal 100 km/h schaffen. Im Vergleich zum Elektromotor im i3 sind sie sehr günstig. Gleichzeitig aber auch so sparsam, dass wir auch mit einer kleinen Batterie auskommen – das wiederum spart Gewicht. Der Rahmen besteht aus einfachen Vierkant-Aluprofilen. Und wir haben alles weggelassen, was man nicht braucht. Das gilt nicht nur für das Auto selbst. Auch bei der Produktion gehen wir neue Wege.

Was machen Sie anders als ein Autohersteller?

Schuh: Wir verzichten zum Beispiel auf ein Presswerk, das allein eine Investition von rund 120 Millionen Euro darstellt. Unsere Karosserie produziert ein Kofferhersteller, der hochwertigste Thermoplastmaterialien benutzt. Diese sind elastischer als Metall und verdauen sogar einen Parkrempler. Und sie erlauben uns, auch auf die teure Lackierstraße zu verzichten.

Thermoplast erinnert an den Trabant …

Schuh: Heutige Thermoplastteile sehen unglaublich gut aus. Ein Autohersteller muss fünf Klarlackschichten auftragen, um unsere Brillanz zu erreichen. Und da die durchgefärbten Bauteile angeschraubt oder angeklebt werden, ist auch eine Reparatur viel einfacher und günstiger.

Es heißt überall, die Kunden seien noch nicht reif für E-Autos.

Schuh: Die Hauptfehleinschätzung liegt darin, dass die Autohersteller meinen, der Markt nehme Elektroautos zum Beispiel wegen fehlender Reichweite noch nicht an, am Preis liege es nicht. Da bin ich ganz anderer Meinung: Es liegt am Preis. Viele Nutzer würden eher eine eingeschränkte Reichweite akzeptieren als einen hohen Preis. Wenn ich ein reichweitenbeschränktes Auto anbieten will, dann muss eben der Preis stimmen!

Wollen Sie die Autoindustrie ärgern?

Schuh: Nein, wir sind keine Besserwisser. Wir wollen aber mal aufzeigen, wie man ein günstiges Elektroauto bauen kann, das sich auch ein Privatkunde leisten kann. Wir hoffen im Gegenteil, dass die Hersteller unsere Ideen übernehmen.

Wer sind die Geldgeber für das e.Go-Projekt?

Schuh: Wir verfügen natürlich über Kapital aus dem Verkauf von Street Scooter an die Post. Zudem haben wir strategische Investoren aus der Autoindustrie – aber keine Autohersteller. Diese wollten zwar auch bei uns einsteigen, aber da wäre uns die Gefahr zu groß, dass sie uns beeinflussen wollen.

Und wie kommt der e.Go bisher an?

Schuh: Die Resonanz ist überwältigend: 814 Bestellungen von Privatkunden in zweieinhalb Monaten sind mehr, als wir erwartet haben. Das zeigt: Auch Privatkunden greifen zu, wenn der Preis stimmt. Hinzu kommen Städte, Behörden, Pflegedienste und Logistiker, die sich für das Auto interessieren. Die Polizei in Aachen wird einige Autos im Verwaltungsbereich testen, vielleicht auch die Bundeswehr. Die Nachfrage der Flottenkunden ist auch viel größer als erwartet. Wir haben bereits die geplante Anlaufproduktion 2018 verkauft und versuchen jetzt, die Kapazität auf 1.800 Autos zu erhöhen.

Welche Kapazität hat Ihre Fabrik?

Schuh: Ursprünglich hatten wir für 2019, das erste volle Produktionsjahr, den Bau von 10.000 Autos geplant. Jetzt ziehen wir die Einführung einer zweiten Schicht in der Produktion vor. Wir werden sie Ende Mai 2019 einführen und kommen dann auf eine Jahresproduktion von 20.000 Autos.

Der e.Go Life wird autonom parken können

04/2018 e.GO Parkhaus Foto: e.GO
Mit den selbstparkenden Kleinwagen will e.Go mehr Autos auf bestehenden Flächen unterbringen. Klar, es besteht kein Platzbedarf zum Ein- und Aussteigen.

Auch an Funktionen für das autonome Fahren forscht e.Go. Zusammen mit dem Kooperationspartner Bosch startet das Unternehmen am eigenen Standort in Aachen das Projekt „Automated Valet Parking“.

Zwölf e.Go-Autos sollen so umgerüstet werden, dass sie an der Einfahrt eines Parkhauses in Aachen einfach abgestellt werden. Die Suche einer freien Lücke übernimmt das Auto selber. Außerdem fährt es, wenn es wieder benötigt wird, selber aus dem Parkhaus heraus.

Die Technologie dafür wird von e.Go-Mitarbeitern getestet werden, soll aber in absehbarer Zeit auch für Kundenfahrzeuge zur Verfügung stehen.

„Parkhäuser sind das Revier eines kompakten, wendigen Stadtautos wie dem e.GO Life. Mit dem Automated Valet Parking können wir noch mehr erreichen – nämlich bis zu 50 Prozent mehr Fahrzeuge in einem existierenden Parkhaus unterbringen. Für die Technik-Option im e.Go Life müssen die Kunden nur einen minimalen Aufpreis zahlen“, sagt Prof. Dr. Günther Schuh.

Neuester Kommentar

Ein toller Zweitwagen. Und 156 km sollten auf dem Land reichen. Man kann sich ja ein Schnelllader/Steckdose in die Scheune legen lassen.

Opa Heinz 19. Juli 2018, 13:37 Uhr
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