Ein Daewoo namens Evanda

Achtung – stellen Sie sich eine Daewoo-Mittelklasse-Limousine für unter 21.000 Euro vor. Erwischt. Wachen Sie auf, die 90er-Jahre sind vorbei.

Selbst Daewoo hat das gemerkt – zumindest was Optik und Verarbeitung angeht. Denn mit dem Evanda ist den Koreanern ein großer Schritt in Richtung zweite Autobundesliga gelungen. Der Nachfolger des Leganza stammt aus der Feder von Italdesign und die Mannen rund um Giorgetto Guigiaro haben ganze Arbeit geleistet. Der 4,77 Meter lange Evanda gibt sich europäisch – bullige Front mit Klarglas-Scheinwerfern und Chrom-Grill, eine hohe Gürtellinie und breit ausgestellte Radhäuser sowie ein kräftiges Heck, das an den Volvo S60 erinnert. Recht so, will Daewoo schließlich im Stammland von VW Passat und Co. wildern.

Suche nach dem schlechten Eindruck

Auch unter dem coupéhaft-geschwungenen Dach sucht man zunächst vergeblich nach einem schlechten Eindruck. Auf den ersten Blick ist der Evanda innen ordentlicher verarbeitet als erwartet, alles ist an seinem Platz und vor allem alles ist da, serienmäßig. Angefangen von der Klimaanlage über die elektrisch verstellbaren Ledersitze, Reinluft-Filter, Audio-Fernbedienung im Leder-Lenkrad, ABS, Lendenwirbelstütze für Fahrer und Beifahrer, geschwindigkeitsabhängige Lenkung, elektronisch abblendender Innenspiegel bis hin zum Cassetten-Radio mit Fünffach-CD-Wechsler. Und die Ausstattungsliste nimmt kein Ende. Daher hier die kürzere Liste der Optionen: Vier-Stufen-Automatik (1.400 Euro) und Metalic-Lack (390 Euro).

Das war’s. Was fehlt? Das elektronische Stabilitätsprogramm ESP und ein wenig mehr Geschmack bei der Interieurausstattung: Denn im Evanda will sich kaum Mittelklasse-Feeling breit machen. Das Cockpit ist extrem funktionell, eigentlich schon langweilig. Der Innenraum besteht aus einem wilden Mix aus Holz-Imitat, weichen und harten Plastikteilen sowie Lederfragmenten. Die Ledersitze sind sehr weich, bieten nur geringen Seitenhalt und selbst bei niedrigster Einstellung rückt das Dach erdrückend nah. Dabei braucht der Evanda mit Platz eigentlich nicht zu geizen. Die Front- und Fond-Passagiere können sich ordentlich breit machen, selbst das Gepäckabteil ist mit 435 Liter Volumen gut dimensioniert. Kleines Raum-Manko: Der Zustieg zu den hinteren Sitzreihen ist durch die kurze und nicht weit genug zu öffnende Tür nur mit leichten Verrenkungen möglich.

Stehen und schön sein reicht nicht

Doch bis jetzt sitzen wir nur zu viert in einem schönen preiswerten Auto voller Gepäck und sind noch keinen Meter gefahren. Der nur nach Euro3-Norm eingestufte 2,0 Liter große Vierzylinder – der einzige Motor im Programm – macht sich zunächst einmal durch eine enorme Geräuschkulisse unbeliebt. Und gemäß dem Motto „Hunde die bellen, beißen nicht“, halten sich auch die 131 Pferdestärken des fast 1,5 Tonnen schweren Evanda im Zaum. Erst ab rund 3.500/min kommt das Daewoo-Schlachtross behäbig auf Touren. In 9,8 Sekunden soll der Evanda die 100 km/h-Hürde übersprungen haben, als Spitzengeschwindigkeit notiert Daewoo 200 Sachen. Voll beladen sicherlich „Traumergebnisse“. Ebenso träge wie die Beschleunigung scheint es der Evanda mit der Verzögerung zu nehmen. Rein subjektiv fehlten es den Bremsen der beiden Testwagen, die uns zur Verfügung standen, an Biss. Was bleibt? Kurven? Mag er auch nicht: schiebt über die Vorderräder, quietscht mit den Winter-Reifen und neigt stark die Karosserie.

Berge? Auch hier verweigert der Evanda – runterschalten, drauftreten und warten auf Leistung. Der einzige akzeptable Aggregatzustand des Evanda ist das Cruisen. Im fünften Gang (weil schön leise) bei 90 km/h (jaa, geschafft) dahingleiten (weil keine Kurven) ist wie auf dem Sofa zu Hause sitzen (schön weich und wenig aufregend).

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