Enorm in Form oder nur ein Blender?

L’art pour l’art oder echte Innovation? Der erste Fahrbericht über den Renault Vel Satis gibt wichtige Anhaltspunkte, ob der ambitionierte Renault Vel Satis mehr zu bieten hat als sein extravagantes Design.

Mit dem polarisierenden Zwitter aus Van und Limousine sucht Renault bewusst andere Wege, um sich in der imageorientierten Business-Class zu etablieren. Der Vel Satis tritt so andersartig, charaktervoll und selbstbewusst auf, dass er vom Establishment zumindest nicht ignoriert werden kann.

Renault vertraut dabei trotz Stummelhecks und steiler Heckscheibe weiter auf die Überzeugungskraft einer großen Ladeklappe und eines variablen Kofferraums, der allerdings im Normalfall nur 460 Liter fasst. Das sind gerade fünf Liter mehr als beim Vorgänger Safrane, obwohl der Vel Satis in allen Dimensionen kräftig zulegte. Die Gesamtlänge wuchs um neun Zentimeter auf 4,86 Meter, die Breite um vier Zentimeter auf 1,86 Meter, die Höhe sogar um 14 Zentimeter auf 1,58 Meter. Zusammen mit dem relativ geraden Dachverlauf, dem Platz sparenden Frontantrieb mit Quermotor und dem um 7,5 Zentimeter gestreckten Radstand (2,84 Meter) verspricht das innen üppige Raumverhältnisse.

Die Erwartungen werden nicht enttäuscht, denn nicht nur vorn genießen die Passagiere viel Bewegungsfreiheit und ein überaus luftiges Interieur. Gerade im Fond lernt man die Vorteile der ungewöhnlichen Proportionen schätzen: Zum Platzangebot der Luxusklasse gesellen sich hier eine angenehm hohe Sitzposition und ein bequemer Einstieg durch großzügige Türöffnungen. Auf den breiten Vordersitzen mit integrierten Gurten stellt sich sogar echte Clubatmosphäre ein, weil ihre fünffache elektrische Verstellung bis hin zur horizontal geteilten Rückenlehne ein Höchstmaß an Ergonomie erlaubt.

Auch Karosseriesteifigkeit, Qualitätsanmutung und Funktionalität der Karosserie überzeugen, obwohl das Holzdekor der Topversion wie Plastik wirkt und die Tasten des serienmäßigen CD-Radios viel zu klein sind. Ansonsten stören weder Designspielereien noch überfrachtete Bedienelemente.

Die gehobenen Ambitionen untermauert eine Motorenpalette, mit der Renault in neue Regionen vorstößt. Wie die beiden Vierzylinder mit dem stattlichen Leergewicht (ab 1,7 Tonnen) zurechtkommen, müssen spätere Tests zeigen. Für erste Fahreindrücke standen nur die aus Japan bezogenen V6-Triebwerke zur Verfügung, von denen sich Renault einen Anteil von 64 Prozent verspricht und mit denen die Auslieferung im Mai beginnt.

Der 3,5-Liter-Benziner von Partner Nissan gefällt mit seidigem Lauf, kraftvollem Antritt und gleichmäßiger Leistungsabgabe, harmoniert aber nicht sonderlich mit der serienmäßigen Fünfgang-Automatik. Schon bei leichtem Lupfen des Gaspedals vor Kurven hält sie nicht den Gang, sondern schaltet einfach hoch, um auf erneutes Gasgeben gleich zwei Gänge runterzuschalten. Besser funktioniert das Zusammenspiel mit dem Dreiliter-Common-Rail-Diesel von Isuzu, der auch im Saab 9-5 eingebaut wird und mit seinem bulligen Durchzug eine schaltarme, entspannte Fahrweise erlaubt.

Nicht ganz zum gebotenen Antriebs- und Geräuschkomfort will allerdings die straffe Fahrwerksabstimmung passen. Zumindest mit 18-Zoll-Reifen rollt der Vel Satis reichlich trocken ab und quittiert kurz aufeinander folgende Querfugen mit störenden Erschütterungen, zudem wirkt die Lenkung etwas indirekt. Ansonsten profitieren Handling und Fahrstabilität von der überarbeiteten Vorderachse des Laguna und einer völlig neuen Mehrlenker-Hinterachse.

Reicht das für eine französische Revolution auf dem Automarkt? Wohl kaum, denn Renault selbst traut dem Vel Satis gerade mal drei Prozent Anteil am europäischen Oberklasse-Markt zu – knapp 300.000 Exemplare bis 2008.

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