Fahrbericht Alfa Romeo 147

Er ist der kleinste und jüngste Sprössling der oberitalienischen Autobauer, und trotzdem scheint der neue Alfa 147 die sportliche Extravaganz seiner großen Brüder geradezu inhaliert zu haben.

Bereits die ersten Fotos haben der Autowelt gehörigen Appetit auf die neueste Kreation des Hauses Alfa Romeo gemacht. Live und in Farbe kann der Alfa 147 genannte Neuling in der Kompakt-Klasse sogar einen noch sympathischeren Eindruck hinterlassen als im Bild. Alfa Romeo geht mit dem 147 neue
Wege: Gegenüber den großen Brüdern, dem strengen 156 und dem eleganten 166, schaut der kleine Alfa geradezu organisch, bullig aus. Besonders die markante Front setzt durch den wappenförmigen Hochkant-Kühlergrill mit prominent aufgesetztem Markenlogo klassische Akzente. Trotzdem umschifft Alfa gekonnt die allzu banale Retro-Ecke, lässt Freiraum für geschwungene,
moderne Linien und komprimiert die Formenvielfalt des 147 zu einem anregenden Erscheinungsbild. Am Heck ähnelt er ein wenig dem ebenfalls sehr attraktiven Peugeot 206, bewahrt jedoch durch die breite Spur, kräftig ausgestellte Kotflügel und das für Alfa Romeo charakteristische Heckfenster mit dem mittigen Winkel seine Eigenständigkeit. Weitere Gestaltungsdetails übernimmt der Alfa 147 vom 156. Dazu gehören beispielsweise die verchromten Bügeltürgriffe und – für die ab Frühjahr 2001 erhältliche viertürige Version – die in der C-Säule versteckten hinteren Türgriffe. Auch im Cockpit finden sich Design-Elemente des 156: In tiefen runden Höhlen sitzen Tachometer und Drehzahlmesser,
die Anzeigen von Bordcomputer, Tankuhr und Motortemperatur sind ebenfalls in einem runden Gehäuse untergebracht. Mit dem großen, mittig auf dem Armaturen-
träger platzierten Ausströmer enden aber die Gemeinsamkeiten.

Die Mittelkonsole glänzt in sportlichem Metallic-Ton und stellt die wichtigsten
Bedienelemente von Radio, Klimaanlage und optionalem Navigations/Telefonsystem griffgünstig bereit. Der Armaturenträger ist aus grob genarbtem, angenehmem Material gefertigt, und auch die Sitzbezugsstoffe – Ledersitze sind gegen Aufpreis erhältlich – strahlen schicke Gemütlichkeit aus. Insgesamt kann das Interieur des neuen Alfa 147 also als funktional und hochwertig bezeichnet werden. Den Radstand von 2546 Millimetern – größer als beim Klassenprimus VW Golf – macht sich der 147 zu Nutze, um seinen Passagieren vorn wie hinten viel Platz zu bieten. Die Sitze stellen einen gu-ten Kompromiss aus Komfort und sportlichem Halt dar, selbst in den Einstiegsversionen ist der Fahrersitz höhenverstellbar und mit einer Lordosenstütze ausgestattet. Auch das Lenkrad ist axial- und höhenverstellbar, die Fondsitzbank im Verhältnis 60:40 asymmetrisch umlegbar. Was den neuen Kompakt-Alfa jedoch neben seinen sonstigen Qualitäten zur echten Alternative gegenüber gehobenen, aber auch hochpreisigen Segmentkonkurrenten wie dem Audi A3 machen soll, ist sein sehr hohes Ausstattungs-
niveau. Bereits die Basisversion Progressive bietet Zentralverriegelung per Fernbedienung, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber, manuelle Klimaanlage, Radio und – ein Novum in der Golf-Klasse – komplette Sicherheitsausstattung bis hin zu Seiten- und selbst Kopf-Airbags. In der Ausstattungsvariante Distinctive kommen dann Leichtmetallräder, eine Zweizonen-Klimaautomatik, Lederlenkrad, Bord-
computer, Tempomat und CD-Radio hinzu. Gegen Aufpreis sind im Alfa 147 spezielle Extras zu haben, die sonst deutlich größeren Autos vorbehalten waren: Autotelefon mit Freisprecheinrichtung, Navigationssystem mit großem Anzeige-Display, Sprachsteuerungsmodule, Regensensoren und ein speziell abgestimmtes Hi-Fi-System. Was wäre ein Alfa Romeo jedoch ohne ausgeprägt sportliche Tugenden? Ohne dynamische Fahreigenschaften. Ohne kraftvolle und drehfreudige Motoren. Der Alfa 147 steht jedenfalls mit allen vier Rädern in der Tradition seiner spritzigen Vorgänger: Mit agilem Handling, sicherem Fahrverhalten und gut dosierbaren Bremsen kann der neue, kleine Alfa bei den ersten Fahreindrücken brillieren. Angeboten wird der Alfa 147 ab Januar 2001 vorerst mit drei Benzinmotoren, einem 105 PS leistenden 1,6-Liter-Vierzylinder und einer 120 PS starken 1,6-Liter-Variante sowie einem 150-PS-Zweiliter.

Dabei wird das stärkste Triebwerk zuerst nur mit einer überarbeiteten Version des vom 156 bekannten Selespeed-Getriebes, einer elektro-
hydraulisch betätigten Schaltung, angeboten. Später, im Frühjahr 2001, soll die
Modellpalette des Alfa 147 dann um den Viertürer, einen 110 PS starken 1,9-Liter-Diesel und die Zweiliter-Version mit konventionellem Fünfganggetriebe angereichert werden. Die leistungsstarke Topmotorisierung zu Beginn nur mit dem Selespeed-Getriebe anzubieten, scheint unverständlich, auftretende Bedenken wischt die Halbautomatik nach kurzer Eingewöhnungszeit jedoch vom Tisch. Nahezu ohne Zugkraftunterbrechung wechselt Selespeed die Gangstufen aufwärts, beim Herunterschalten gibt die Elektronik sogar dosiertes Zwischengas. Die am Lenkrad platzierten Schalt-Wippen sind griffgünstig und liegen an-
genehm auf den Fingerkuppen. So kommt fast Formel 1-Feeling auf. Für problemlosen Betrieb im
innerstädtischen Stop-and-go-Verkehr lässt sich auf Knopfdruck
in den City-Modus wechseln, die
Selespeed-Schaltung benimmt sich dann wie eine konventionelle Vollautomatik, wechselt die Gangstufen manierlich im Alleingang und – Indiz für eine gelungene Abstimmung – schlägt sich sogar bei forcierter Fahrt auf freien Landstraßen gut: Beim Anbremsen von Kurven schaltet die Automatik selbsttätig herunter und verfällt so am Kurvenausgang nicht in das hysterische Herunterschalten konventioneller Schaltautomaten. Manko: Beim Rückwärts-Anfahren am Berg stellt die Automatik zu spät den Kraftschluss her, der Wagen rollt eine Schreck-
sekunde lang in die falsche Richtung. Idealer Partner des Selespeed-Getriebes ist der kraftvolle Zweiliter-Vierzylinder, aber auch die kleineren Motoren, besonders der spritzige 120-PS-Motor, können gut gefallen. Einzige Ungereimtheit im Fall Alfa 147: Die Preise stehen noch nicht endgültig fest, sie werden sich zwischen 31 900 und 44 200 Mark einpendeln. Johannes Riegsinger

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