Fahrbericht Alfa Romeo Spider 2.0 TS 16 V

Neuer Motor, Fahrwerk und Form

Die spiderlose Zeit bei Alfa ist vorbei. Zwei Jahre nach der Einstellung des alten Spider stellt Alfa Romeo den Nachfolger vor. An ihm ist alles neu: Motor, Fahrwerk und ganz besonders die Form.

Manche Hersteller tragen schwer an ihrer Tradition. Alfa Romeo hat sich im Falle des Spider erleichtert. Nichts erinnert am neuen Modell an die vor mehr als 40 Jahren mit der Giulietta gestartete Spider- Generation. Weder der Antrieb, noch das Fahrwerk und schon gar nicht das Styling. Nicht retro, sondern progressiv ist angesagt, und so präsentiert sich der offene Zweisitzer in einer ausgeprägten Keilform, deren Linien bei Pininfarina und im hauseigenen Centro Stile in Arese bei Mailand entworfen wurden. Dieser Bruch wird nicht allen gefallen.

Der neue Spider polarisiert, vor allem aber fällt er auf, wobei erfreulicherweise keine Zweifel an seiner Markenidentität aufkommen. Die weit heruntergezogene Motorhaube, die ebenso wie die vorderen Kotflügel und das Frontend aus Kunststoff besteht, geht nahezu ansatzlos in die ziemlich schräg stehende Windschutzscheibe über. Hinter der unvermindert ansteigenden Gürtellinie wartet ein tiefliegendes Cockpit, hinter den beiden Sitzen eine Ablage für eine kleine Reisetasche.

Viel Gepäck sollten Spider- Reisende ohnehin nicht vorsehen, denn was das hochgezogene Heck an Stauraum übrig läßt, ist ernüchternd: Ein Volumen von nur 110 Litern nennt das Datenblatt, und diese sind in schlecht nutzbarer Form vorhanden. Dafür verschwindet das Verdeck komplett unter einer festen Abdeckung. Seine Bedienung ist etwas umständlich, was der Akzeptanz der ab Herbst lieferbaren elektrischen Betätigung (3.000 DM) sicher förderlich sein wird. Im Gegensatz zu früher ist das Stoffverdeck allerdings gefüttert und verursacht auch bei hoher Geschwindigkeit erstaunlich wenig Windgeräusche. Aber auch offen macht der Wind den Spider-Insassen nicht allzu sehr zu schaffen.

Man sitzt tief und geschützt, Luftwirbel halten sich auch bei höherem Tempo in erträglichen Grenzen. Und ganz erstaunt stellt man fest, daß der neue Alfa Spider erstmals auch für langbeinige Personen genügend Fußraum bereithält. Die Sitze sind straff, der Schalthebel und das verstellbare Lenkrad liegen gut zur Hand, und an der Funktionalität der Bedienelemente und der Innenausstattung läßt sich kaum Kritik üben. Ansonsten ist das Kunststoff-Ambiente eine erschreckend einfallslose und auch lieblose Styling- Leistung.

Der neue Alfa Spider macht auch Schluß mit dem Hinterradantrieb. Quermotor und Frontantrieb lautet die Devise. Abschied nehmen heißt es auch von dem klassischen Alfa Romeo- DOHC-Motor. Der als Basistriebwerk eingesetzte Zweiliter- Twin Spark besitzt zwar auch zwei Nockenwellen, ist aber eine völlige Neukonstruktion. Doch der Abschied fällt leicht. Denn mit 150 PS und einem Drehmoment von 188 Newtonmetern steht der Vierventiler gut im Futter. Noch erstaunlicher ist freilich der Leistungseindruck, den das durchzugskräftige und auch drehwillige Triebwerk in dem doch relativ schwergewichtigen Zweisitzer (1370 Kilogramm Leergewicht) entwickelt. Das Werk nennt eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h und eine Beschleunigungszeit von 8,5 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h.

Das eng gestufte und relativ kurz übersetzte Fünfganggetriebe paßt gut zum Motorcharakter, die Akustik des schon bei 2.000 Umdrehungen kräftig antretenden Zweiliter- Motors unterstreicht den sportlichen Anspruch. Dennoch wird der mit zwei Ausgleichswellen operierende Vierzylinder nie störend laut oder nervt gar mit lästigen Vibrationen. All dies kann der im Dreiliter- Topmodell lieferbare V6 natürlich noch besser. Der aus dem Alfa 164 bekannte Zweiventiler macht mit seinen 192 PS auch im Spider eine gute Figur und verhilft ihm zu Fahrleistungen (225 km/h, null auf 100 km/h: 7,5 Sekunden), die man in einem offenen Zweisitzer nicht unbedingt sucht. Doch Leistungsüberschuß ist ja auch ein Komfortmerkmal, das vor allem dann spürbar wird, wenn man das vorhandene Potential nicht ausschöpft.

So betrachtet ist der Sechszylinder im neuen Spider eine durchaus attraktive Alternative. Damit das Fahrwerk mit so viel Power auch zurechtkommt, hat Alfa viel Aufwand getrieben. Er wird vor allem bei der Mehrlenker (Multilink)-Hinterachse deutlich, die in einem stabilen Hilfsrahmen aus Aluminium gelagert ist. Die aufwendige Achskonstruktion ist übrigens Hauptursache für das geringe Kofferraumvolumen. Sie ist aber auch die Basis für das ausgezeichnete Handling des neuen Spider, das kaum noch Rückschlüsse auf seine Antriebsart zuläßt. Denn ganz untypisch für einen Fronttriebler lenkt der Alfa Spider spontan in Kurven ein und läßt sich dann präzise mit dem Gaspedal kontrollieren.

Die ausgeklügelte Hinterachskinematik mit ihren belastungsabhängigen Vorspuränderungen ist dafür verantwortlich. Dabei bietet das sportlich straff abgestimmte Fahrwerk einen ordentlichen Komfort, von der Stoßempfindlichkeit bei Querfugen einmal abgesehen. Zur aktiven Fahrsicherheit kommt laut Alfa ein aufwendiger Sicherheitsstandard, der sich nicht allein im serienmäßigen Fahrerairbag und den pyrotechnischen Gurtstraffern erschöpft. Die Karosserie soll mit allen gängigen Crashtests fertig werden, gegen Überschläge wurde der Frontscheibenrahmen mit hochfesten Stahlrohren verstärkt. Auch hier ist der neue Spider also auf der Höhe der Zeit. Dies trifft auch für die Preisgestaltung zu, die ebenso wie die für Deutschland relevante Ausstattung noch nicht endgültig feststeht. Das Basismodell mit Vierzylinder-Twin Spark soll etwa 48.000 DM kosten, die mit Lederausstattung und Klimaanlage angereicherte V6-Topversion wird etwa 60.000 DM teuer sein. Damit ist sichergestellt, daß auch aus dem neuen Alfa Spider kein Massenauto wird.

Technische Daten
Alfa Romeo Spider 2.0 TS 16V
Grundpreis 24.389 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4285 x 1780 x 1315 mm
KofferraumvolumenVDA 110 l
Hubraum / Motor 1970 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 215 km/h
0-100 km/h 10,0 s
Verbrauch 9,5 l/100 km
Testverbrauch 9,8 l/100 km
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