Alfa Romeo Stelvio, Fahrbericht Hans-Dieter Seufert
Alfa Romeo Stelvio, Fahrbericht
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Alfa Romeo Stelvio, Fahrbericht 22 Bilder

Fahrbericht Alfa Romeo Stelvio (2017)

Erste Fahrt im neuen Mittelklasse-SUV

Nach der schönen Giulia soll der SUV Stelvio helfen, Alfa Romeo aus der Versenkung zu holen. Erste Ausfahrt im 210 PS starken Allrad-Diesel.

Keine leichte Aufgabe für Spätstarter: Wie will man sich heute noch mit einem SUV von der Konkurrenz abheben? Noch dazu als Traditionsmarke, deren Fans selbst Dürrejahre treu ertrugen, aber jetzt den ganz großen Wurf erwarten? Macht man ihn extrem sportlich? Oder besonders extravagant?

Nö, man baut einfach ein richtig gutes Auto. Ein Auto wie den Stelvio, der gar nicht erst versucht, krampfhaft anders zu sein, sondern erstaunlich geerdet daherkommt. Das fängt schon bei der Größe an: Mit einer Länge von 4,69 Metern zielt er auf die gerade noch stadttauglichen Abmessungen eines BMW X3 oder Audi Q5.

Sitz? Passt und hat Luft

Trotz längs verbauter Motoren fällt das Platzangebot mehr als luftig aus. Fahrer und Copilot sitzen auf bequemen Sportsesseln, die auch größeren Mitteleuropäern eine perfekte Position ermöglichen. Apropos: Im Vergleich zur Giulia, mit der sich der Stelvio Plattform und Antriebstechnik teilt, sitzen die Insassen 19 Zentimeter höher, was den Einstieg erleichtert und der Übersicht aufs Verkehrsgeschehen zugutekommt.

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Sportliches Cockpit wie in der Giulia.

Mitfahrer in Reihe zwei freuen sich über viel Bein- und Kopffreiheit sowie eine dreigeteilt umklappbare Rückbank. Wird nur das schmale Mittelsegment vorgeschwenkt, entsteht ein Viersitzer mit großer Durchlade für Ski oder ähnliches Sperrgut. Da sich das Heckrollo ohne großen Kraftaufwand entfernen lässt, entsteht bei komplett flacher Rückbank ein großes Ladeabteil mit nahezu ebenem Boden, das sich wie bei einem Kombi bis zum Dach beladen lässt. Da die Alfa-Ingenieure auf einen Federmechanismus verzichteten, muss die Fondlehne nach dem Entriegeln jedoch von Hand umgeschubst werden, wofür es von ganz hinten langer Arme bedarf. Bequemer geht das von der Seite.

Klopffeste Qualität im Alfa-SUV

Auch die Materialqualität im Cockpit überzeugt. Dass der Lautstärke-Drehregler mit Wippfunktion an Audi erinnert, fassen wir mal als subtilen Hinweis auf – gegen hohe Ziele ist schließlich nichts einzuwenden. Und tatsächlich: Von den weichen Kunststoffen am Armaturenbrett über den bündig eingelassenen Navi-Monitor bis zum samtig beflockten Münzfach unter dem Lenkrad fasst sich die Inneneinrichtung fast durchgängig hochwertig an.

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Genug Platz hat der Stelvio im Fond auch!

Und erfreut mit liebevollen Details: So finden sich selbst am selten gebrauchten Halteband zum Anheben des Kofferraumbodens noch hübsche Alfa-Romeo-Schrift­züge. Dass das Infotainment-System bei Funktionsumfang und Handy-Anbindung nicht mit denen der Internet-Profis von BMW und Audi mithalten kann, dürfte für viele Käufer verschmerzbar sein – das Fehlen von Echtzeit-Stauinfos jedoch nicht.

Auf dem Alfa-Testgelände in Balocco gibt es zum Glück keine Staus, dafür viele Kurven und unterschiedliche Fahrbahnoberflächen. Trotz seiner 20-Zoll-Räder mit Serie-45-Reifen federt der Stelvio kurze Asphaltschäden gekonnt weg und bleibt selbst bei gröberen Hoppelpisten gelassen. Im Kurvengeschlängel fällt zudem die leichtgängige und dennoch gefühlvolle Lenkung auf, die um die Mittellage direkt anspricht.

Unter Normalbedingungen fährt Alfas SUV mit Hinterradantrieb, erst bei Traktionsverlust übernimmt die Vorderachse bis zu 60 Prozent der Antriebsarbeit. Von der Kraftverschiebung merkt der Fahrer so gut wie nichts, der Stelvio wirkt durchweg handlich, neutral und sicher.

Diesel, 4 Zylinder, 8 Gänge, 210 PS

Der Krafteinsatz ist dafür umso stärker spürbar. Der im Testwagen eingebaute 2,2-Liter-Diesel mit 210 PS und 470 Nm Drehmoment legt sich schon weit unter 2.000/min ins Zeug und stürmt freudig durchs Drehzahlband. Manuelle Eingriffe in die Schaltlogik der schnell und ruckfrei agierenden Achtgangautomatik von ZF sind daher selten notwendig, auch wenn die massiven Metallschaltwippen hinter dem Lenkrad zum Spielen mit den Gängen animieren. Nicht ganz ideal: Da die Paddles groß ausfallen und weit vom Lenkrad abstehen, sind sie beim Griff zum Blinkerhebel oft im Weg.

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Und über das Koferraumvolumen kann man auch nicht meckern.

Im Vergleich zu früheren Alfa sind das jedoch Kleinigkeiten, genau wie die Rückfahrkamera, die verschmutzungsanfällig tief am hinteren Nummernschild angebracht ist. Das komplette Motorenprogramm für den Stelvio verrät Alfa derzeit noch genauso wenig wie die exakten Preise. Neben dem 2,2-Liter-Diesel ist lediglich das sportliche Topmodell Quadrifoglio mit dem 510 PS starken V6-Benziner bestätigt sowie ein weiterer Benziner mit vier Zylindern und 280 PS. Letzterer kommt Mitte März als umfangreich ausgestattete „First Edition" für 56.000 Euro zu den 80 Alfa-Händlern in Deutschland.

Fazit

Dass er toll aussieht, überrascht bei einem Alfa nicht, schon eher, dass er auch richtig gut fährt. Nach der ebenfalls gelungenen Giulia, die mit ihrem Stufenheck jedoch nicht der aktuellen Karosseriemode folgt, macht der Stelvio Hoffnung auf ein Comeback der Marke

Technische Daten

Alfa Romeo Stelvio 2.2 Diesel 16V Q4 Veloce
Außenmaße 4687 x 1903 x 1671 mm
Kofferraumvolumen 525 l
Hubraum / Motor 2143 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 154 kW / 210 PS bei 3750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 215 km/h
Verbrauch 4,8 l/100 km
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Verkehr Verkehr Alfa Romeo Stelvio, Fahrbericht Preise Alfa Romeo Stelvio 150-PS-Diesel ab 39.700 Euro

Alfa Romeo bringt mit dem Stelvio 2017 seinen ersten SUV an den Start.

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