Fahrbericht Audi A6 Allroad Quattro

Zwischen Luxuslimousine und Kombi

Schnell und komfortabel wie eine Luxuslimousine, praktisch wie ein Kombi und abseits der Straße so tüchtig wie ein Geländewagen. Der neue Audi Allroad Quattro soll sich als Universalgenie profilieren.

Die automobile Evolution treibt bunte Blüten. Den Geländewagen hat sie uns beschert und auch den trendigen Bullen, der aussieht wie ein Offroader, obwohl ihm das rechte Wühltalent fehlt.

Nun also der kräftig motorisierte Lifestyle-Kombi, der sich auf der Straße wie ein sportlicher Personenwagen fahren lassen und in Matsch und Geröll nicht hinter den echten Geländewagen zurückbleiben soll.

Das Ganze basiert auf dem Audi A6 Avant, trägt aber keine audiübliche A-Nummer, sondern heißt schlicht Allroad Quattro.

Nicht der Förster von Falkenau gehört zu seiner anvisierten Zielgruppe, sondern beispielsweise Architekten oder Bauunternehmer, die komfortabel reisen wollen, aber auch tiefgründiges Terrain meistern müssen.

Menschen mit Geld müssen es in jedem Fall sein, denn der neue Audi ist nicht billig. Das Modellangebot umfasst sechs Versionen (zwei Motorisierungen, drei Varianten der Kraftübertragung), von denen schon die preisgünstigste 78.918 Mark kostet. Sie besitzt den 180 PS starken 2,5-Liter-TDI-V6 und ein handgeschaltetes Sechsganggetriebe.

Der teuerste Allroad Quattro, ausgerüstet mit 2,7-Liter-Biturbo-V6 (250 PS) und einer das Sechsganggetriebe ergänzenden Geländeübersetzung, findet sich für 91.200 Mark in der Preisliste. Wahlweise steht für beide Motorversionen auch eine Fünfgangautomatik zur Verfügung – dann allerdings grundsätzlich ohne zuschaltbare Low-Range-Übersetzung.

Schon äußerlich gibt sich der neue Audi als Naturbursche zu erkennen. Es gibt ihn vorerst nur in den gedeckten Metallic-Lackierungen Grün und Grau. Silber und Schwarz sollen später hinzukommen. Die üppig gewölbten Stoßfänger vorn und hinten präsentieren sich in einem mattem Grau, das als optischer Gag auch als Dachbeschichtung gewählt wurde.

Unter seinen kraftvoll ausgestellten Kotflügeln birgt der Allroad voluminöse Reifen der Dimension 225/55 R 17 auf sieben Zoll breiten Leichtmetallfelgen, wobei die hier präsentierte Doppelspeichen-Ausführung ebenfalls Aufpreis kostet (1.809 Mark).

Auf der Straße fährt sich der Allroad so handlich und komfortabel wie jeder A6 Avant. Spürbare Unterschiede waren zumindest bei der ersten Bekanntschaft nicht zu erkennen, obwohl es in der Fahrwerkskonstruktion einen fundamentalen Unterschied gibt.

Statt der bei den regulären Modellen vorhandenen Schraubenfedern verfügt der Allroad über Luftfederbeine. Genau darin liegt auch das Geheimnis, warum er abseits befestigter Straßen nahezu vollwertiges Geländewagenpotenzial verspricht.

Denn die Luftfedern erlauben es, die Bodenfreiheit in vier Stufen um ingesamt 66 mm zu variieren. Maximal sind stattliche 208 mm möglich.

In dieser Höhe muss der Audi auch Geländepassagen nicht scheuen, die von kopfgroßen Geröllbrocken durchsetzt sind. Zumal die Konstruktion seines Allradantriebs gute Voraussetzungen für bestmögliche Traktion unter schwierigen Bedingungen bietet.

Denn im Gegensatz etwa zum M-Modell von Mercedes oder dem BMW X5 ist er nicht allein auf die durch individuellen Bremseneingriff erzielte Sperrwirkung angewiesen. Er besitzt nicht wie diese ein offenes, sondern ein Torsen-Zentraldifferenzial, das für eine automatisch einsetzende Sperre zwischen den beiden Antriebsachsen sorgt.

Allein dies erweist sich auf rutschigem Untergrund schon als höchst hilfreich, weil sich der Audi durch tiefen Matsch wühlen kann, ohne dass ein Bremseneingriff seinen Vorwärtsdrang hemmt.

Der tritt, als elektronische Differenzialsperre EDS, ergänzend in Aktion, wenn sich Drehzahlunterschiede zwischen den Rädern einer Achse ergeben. So gerüstet braucht der Audi tatsächlich den Vergleich mit reinrassigen Geländewagen nicht zu scheuen.

Die Grenze setzen in erster Linie die Reifen, die naturgemäß einen Kompromiss bilden, weil sie dem gesamten Einsatzspektrum des Allroad Quattro Rechnung tragen und eine Höchstgeschwindigkeit von 236 km/h (Modell 2.7 Turbo) verkraften müssen.

Als wertvolle Ergänzung erweist sich die Geländeübersetzung. Sie kann bei niedrigem Tempo (bis 30 km/h) bei getretenem Kupplungspedal mit einem kleinen Knopf am Schalthebel zugeschaltet werden und reduziert die Gesamtübersetzung um den Faktor 1,54.

Bei 1.000/Min. im ersten Gang verringert sich die Geschwindigkeit dadurch von 7,9 auf 4,9 km/h. Beschleunigt der Fahrer über 50 km/h hinaus, ertönt ein Warnton, bei 70 km/h wird im Low-Range-Betrieb automatisch abgeregelt.

Ganz so kurz wie bei den Hardcore-Geländewagen ist die Zusatzübersetzung zwar nicht, aber in steilen Gefällen trägt sie doch entscheidend dazu bei, die Fuhre nicht zu schnell werden zu lassen.

Zudem hilft sie, die Antrittsschwäche des Turbodieselmotors schneller zu überwinden, die beim Anfahren an extremen Steigungen aber dennoch ein Problem darstellt. Der benzinbetriebene Biturbo-V6 verspricht da eine harmonischere Leistungscharakteristik, deren Beurteilung aber einem späteren Test vorbehalten bleiben muss.

Auf der anderen Seite macht erst der TDI-Motor mit seinem viel geringeren Verbrauch (siehe Vergleichstabelle) aus dem Allroad Quattro einen Vertreter einer wirklich neuen Art: ein Auto mit den Vorteilen eines Geländewagens – aber ohne dessen typische Nachteile.

Technische Daten
Audi Allroad Quattro 2.5 TDI Audi Allroad Quattro 2.5 TDI
Grundpreis 42.800 € 44.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4810 x 1852 x 1551 mm 4810 x 1852 x 1551 mm
KofferraumvolumenVDA 455 bis 1590 l 455 bis 1590 l
Hubraum / Motor 2496 cm³ / 6-Zylinder 2496 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 132 kW / 180 PS bei 4000 U/min 132 kW / 180 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h 205 km/h
Verbrauch 9,0 l/100 km 9,7 l/100 km
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