Fahrbericht Audi A8 2.5 TDI

Mit einem brandneuen V6-Turbodiesel, der als Direkteinspritzer arbeitet, rundet Audi die Modellpalette des A8 ab. Der 150 PS starke Sechszylinder soll nicht nur im Verbrauch, sondern vor allem auch in der Laufkultur Maßstäbe setzen.

Nun also auch Audi. Der Dieselmotor, in den Oberklassemodellen der Konkurrenz von BMW und Mercedes seit längerem heimisch, hält ab Juni auch im Topmodell der Ingolstädter, dem A8, Einzug. Im Herbst kommt der A6 ebenfalls in den Genuß des völlig neu entwickelten Dieseltriebwerks, der A4 soll wenig später folgen. Da es sich die VW-Tochter auf die Fahnen geschrieben hat, der Technik einen Vorsprung einzuräumen, unterscheidet sich der 2,5 Liter große und 150 PS starke Sechszylinder-Turbodiesel grundsätzlich von den Motoren, die in S-Klasse und Siebener Verwendung finden. Dort sind sechs Zylinder noch in Reih und Glied angeordnet, während Audi jene Bauform bevorzugt, die auch die sechszylindrigen Ottotriebwerke der Marke auszeichnet: Der neue Turbodiesel ist ein V6, ein absolutes Novum auf dem Gebiet der selbstzündenden Personenwagenmotoren.

Er bedeutet außerdem das baldige Ende der Fünfzylinder-Diesel bei Audi. Die Art, wie der ölige Kraftstoff in die Brennkammern befördert wird, bildet einen fundamentalen Unterschied zu den konkurrierenden Sechszylindern. Der neue Audi-V6 tut dies, wie beim Pionier des Direkteinspritzers nicht anders zu erwarten, ohne Umwege mittels zentral in den Vierventilzylinderköpfen angeordneter Düsen. Der Zweiventiler von BMW bedient sich wie alle BMWDiesel der Wirbelkammer, der vierventilige Mercedes-Motor besitzt Vorkammern, wie sie seit Jahrzehnten zur Dieseltechnologie der Stuttgarter gehören. Daß Audi auf die zukunftssicherste Lösung setzt, steht außer Zweifel. Der Anteil der Direkteinspritzer am deutschen Dieselmarkt, der 1994 noch bei 26 Prozent lag, ist inzwischen schon auf 44 Prozent geklettert. Im Jahr 2003, so die Prognosen, wird er 82 Prozent betragen. In der Leistung setzt der Audi-V6 keine neue Bestmarke. Er kommt auf 150 PS, womit er zwar den ebenfalls 2,5 Liter großen BMW-Turbodiesel um sieben Pferdestärken übertrifft, aber deutlich hinter dem hubraumstärkeren Dreiliter von Mercedes zurückbleibt, der 177 PS leistet. In der Durchzugskraft ist der neue V6 zumindest spezifisch der Meister: Pro Liter Hubraum erreicht er ein Dreh- moment von 124 Nm, der Maximalwert von 310 Nm liegt innerhalb einer weiten, von 1500 bis 3200/min reichenden Drehzahlspanne an. Zum Vergleich: Der Sechszylinder von BMW (maximal 280 Nm bei 2200/min) stemmt 112 Nm und der von Mercedes (330 Nm bei 1600/min) 110 Nm pro Liter. Genug der Theorie.

Der Audi- Motor, den es zunächst nur im frontgetriebenen A8 in Verbindung mit Sechsgang-Schaltgetriebe gibt (im dritten Quartal dieses Jahres kommen die Automatikversion sowie der Quattro hinzu), darf – soviel steht schon nach der ersten Bekanntschaft fest – als ein Glanzpunkt in der Geschichte des Diesels gelten. Vor allem seine Laufkultur ist eindrucksvoll, wozu neben der umfangreichen Kapselung, die den Blick auf das eigentliche Triebwerk völlig versperrt, auch eine Ausgleichswelle beiträgt. Bei den benzinbetriebenen V6, die mit 90 Grad den gleichen Zylinderwinkel aufweisen, verzichtet Audi auf eine solche Zutat. Beim Diesel aber erwies sie sich als notwendig, weil die höheren Arbeitsdrücke massivere und damit schwerere Kolben und Pleuel bedingen. Das Ergebnis jedenfalls ist rundum erfreulich. Allein im Leerlauf verkündet das Arbeitsgeräusch das Dieselverfahren, vor allem, wenn ein Gasstoß den Motor ohne Last hochdrehen läßt. Das dezente Nageln freilich wird von außen viel deutlicher hörbar als im gut abgedämmten Innenraum.

Ist der A8 erst einmal unterwegs, fällt es schwer, anhand des Arbeitsgeräuschs den Diesel zu identifizieren. Nur noch ein sehr verhaltenes Brummen läßt sich vernehmen, das man vorschnell auch einem Ottomotor zuordnen könnte. Selbst wenn der V6 bis zu seiner zulässigen Höchstdrehzahl von 4800/min getrieben wird, bleibt er akustisch unaufdringlich. Bei höheren Geschwindigkeiten tritt sein Ton gegenüber den Wind- und Abrollgräuschen völlig in den Hintergrund. Der V6 hätte sich selbst dann gute Noten für seine Laufkultur verdient, wenn er ein Benziner wäre. Auf dem Dieselsektor zählt sein weicher und vibrationsfreier Lauf zur absoluten Spitze. Schon das bedeutet einen gewaltigen Fortschritt gegenüber den alten Fünfzylindern – und die Leistungsentfaltung setzt noch eins oben drauf.

Dank einem Turbolader mit verstellbaren Leitschaufeln, die, simpel ausgedrückt, je nach Betriebszustand einen großen oder einen kleinen Lader simulieren, ist die Verzögerung beim Ansprechen auf ein Minimum geschrumpft. Der Ladedruck stellt sich sehr schnell ein, schon knapp über 1000/min wird der Einsatz des kraftvollen Drehmoments spürbar. Und da serienmäßig sechs Gänge zur Verfügung stehen, ist es kein Problem, den Motor immer in einem Drehzahlbereich zu halten, in dem er für bestmögliche Beschleunigung sorgt. Leistungsmangel wird man so kaum empfinden:

Nach Werksangabe beschleunigt der Audi A8 TDI in nur 9,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220 km/h. Diese Fahrleistungen, die noch vor wenigen Jahren bei einem Diesel undenkbar erschienen, gehen einher mit einem Verbrauch, der im Segment der Luxuslimousinen ebenfalls ein neues Kapitel aufschlägt. Nach der neuen EG-Norm verbraucht der A8 im Durchschnitt 7,3 Liter auf 100 Kilometer, und erfahrungsgemäß läßt sich dieser Prüfstandswert sehr gut auf die Praxis übertragen – eine zügige, aber nicht exzessiv schnelle Fahrweise vorausgesetzt.

Wenn den Kunden soviel Gutes widerfährt, fällt es leicht, Audis Marketingstrategen beizupflichten, die für den deutschen Markt einen rund 30prozentigen Dieselanteil am A8- Verkauf erwarten. Zumal der TDI auch noch die billigste Möglichkeit ist, bei Audi in die Luxusklasse einzusteigen: Er kostet 83 500 Mark – 1500 Mark weniger als die preisgünstigste Version mit Benzinmotor.

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Technische Daten
Audi A8 2.5 TDI
Grundpreis 43.838 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5034 x 1880 x 1440 mm
KofferraumvolumenVDA 525 l
Hubraum / Motor 2496 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Verbrauch 7,3 l/100 km
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