Fahrbericht Audi A8 3.3 TDI Quattro

Der Audi A8 3.3 TDI mit 225 PS starkem Achtzylinder-Turbodiesel markiert den vorläufigen Höhepunkt der TDI-Entwicklung bei Audi. Der ebenso durchzugsstarke wie drehfreudige V8-Diesel ist im A8 mit Quattro-Allradantrieb und Tiptronic-Automatikgetriebe gekoppelt.

Wer wie Audi beim Serieneinsatz von Turbodiesel- Direkteinspritzern (TDI) schon dreimal die Nase vorn hatte, kann beim vierten Streich auch mal der Konkurrenz den Vortritt lassen. Die innovationsfreudigeMarke aus Ingolstadt, die inzwischen so selbstbewußt auftritt, daß mancher ihrer Mitarbeiter das Attribut „VW-Tochter“ als Herabsetzung empfindet, brachte 1989 im Audi 100 den ersten Fünfzylinder-TDI, 1991 im Audi 80 den ersten Vierzylinder- TDI und 1997 im A8 den ersten V6-TDI.

Doch den ersten V8-Turbodiesel mit Direkteinspritzung lancierte nun BMW mit dem 740 d (Test Seite 62). Die hohe Acht von Audi kommt zwar rechtzeitig zum zehnjährigen TDI-Jubiläum – bis heute wurden 3,1 Millionen Motoren dieser Machart produziert – und noch vor dem V8- CDI von Mercedes (Frühjahr 2000) Ende 1999 im A8 auf den Markt, aber sie hat im Wettbewerb der großen Drei drei Handikaps: Der TDI-V8 ist mit 3,3 Liter Hubraum der kleinste, mit 225 PS der schwächste und entwickelt mit 480 Nm das geringste Drehmoment.

Man kann die Werte aber auch anders interpretieren: Mit 68 PS/Liter rangiert der V8- TDI von Audi in der spezifischen Leistung an der Spitze seiner Klasse, sein spezifischer Verbrauch liegt mit 205 Gramm pro Kilowattstunde für Achtzylinder- Verhältnisse ebenfalls auf Rekordniveau, und drittens erfüllt der A8 3.3 TDI derzeit als einziges Diesel-Luxusauto die EU 3-Abgasnorm. „Wir wußten, daß wir mit dem V8-TDI weder die ersten noch die leistungsstärksten sein würden“, sagt Richard Bauder, Leiter der Dieselmotoren-Entwicklung bei Audi, „deshalb haben wir uns auf Schadstoffarmut und gutes Ansprechverhalten konzentriert.“

Das technische Rüstzeug des aus dem V6-Turbodiesel weiterentwickelten High Tech- TDI – 90 Grad-Zylinderblock aus Grauguß mit Vermikulargraphit für geringeres Gewicht und höhere Steifigkeit, Vierventil- Zylinderköpfe aus Aluminium, Common-Rail-Einspritzung (siehe „Technik erklärt“ Seite 64), zwei Abgasturbolader mit verstellbaren Leitschaufeln, Wasserkühlung für Ladeluft und rückgeführtes Abgas – wurde in Heft 10/99 aus- führlich beschrieben. Jetzt Neugier aufs Fahren. Vor allem, weil auf der Festplatte im Kopf noch die frischen Eindrücke vom zuvor getesteten BMW 740 d gespeichert sind. Bevor es losgeht, ein Blick unter die Motorhaube. Von außen deutet schließlich außer dem 3.3 TDI-Schriftzug am Heck nichts auf die nagelneue Maschine hin.

Die präsentiert sich edel unter einer silbrig schimmernden Abdeckung, die metallisch aussieht, sich aber beim Anfassen als Kunststoff entpuppt. Die Unterseite der Motorhaube ist dick mit Dämmaterial ausgekleidet. Trotzdem kann der Motor sein Verbrennungsverfahren nicht ganz verhehlen. Im Leerlauf ist von außen ein leises Diesel-Schnarren hörbar, das jedoch nicht mehr auffällt, wenn man im Innenraum des A8 Platz nimmt. Hier ist der V8-TDI bis auf ein schüchternes Teillast-Nageln kaum mehr von einem V8-Benziner zu unterscheiden.

Auch im Antritt nicht. Im Gegensatz zum BMW 740 d, der beim Beschleunigen aus dem Stand lange im Turboloch verharrt, bis er wie ein Pfeil davonschnellt, ist die Leistungscharakteristik des Audi-Motors viel harmonischer. Wer an der Ampel bei Grün Gas gibt, kommt ohne nennenswerte Verzögerung aus dem Startblock.

Der Achtzylinder- Diesel, der mit 480 Nm bei 1800/min nochmal 50 Nm mehr Drehmoment entwickelt als der 360 PS starke Audi S8 (Test Seite 22), schiebt den 1860 Kilogramm schweren A8 gleichmäßig und druckvoll an – bei Bedarf in 8,2 Sekunden auf Tempo 100.

Spitze laut Werk: 242 km/h. Beeindruckend neben den Fahrleistungen und der Laufkultur ist auch das leichtfüßige Hochdrehen der Audi-Maschine – in diesem Punkt wirkt der A8 3.3 TDI agiler als der 740 d von BMW, der allerdings jenseits von 200 km/h noch an Vehemenz zulegt.

Vom Verbrauch darf man keine Wunder erwarten. Laut ECE-Norm konsumiert der A8 3.3 TDI 9,2 Liter auf 100 km. Es wird ihn nur als Quattro für etwa 127 000 Mark geben (Bauder: „Um das hohe Drehmoment nicht künstlich wegregeln zu müssen“) und nur mit einer, allerdings vorzüglich auf die Motorcharakteristik abgestimmten Tiptronic („Die 480 Nm würde keines unserer Schaltgetriebe verkraften“). Mit Werten um die 13 Liter muß rechnen, wer die Reserven des V8-TDI häufig fordert. Die Freude am Sparen – da unterscheidet sich der Audi-TDI nicht vom BMW-Pendant – ist bei diesen Motoren Nebensache. Es sind Selbstzünder, mit denen man es den Benzinern mal so richtig zeigen kann. Rudolf Diesel würde vor Freude im Grab rotieren.

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Technische Daten
Audi A8 3.3 TDI Quattro
Grundpreis 69.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5034 x 1880 x 1438 mm
KofferraumvolumenVDA 525 l
Hubraum / Motor 3328 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 165 kW / 225 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 242 km/h
Verbrauch 9,7 l/100 km
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