Fahrbericht BMW 730d

Mit dem neuen Dreiliter-Sechszylinder bekommt die Siebener-Reihe nun den Turbodieselmotor, den sie schon immer verdiente. Mehr Luxus als der 730d mit Common Rail-Technik bietet derzeit kein anderer Diesel.

Wer seinen BMW Siebener mit dem Kennzeichen d im Schriftzug bestellte, durfte sich bislang zu einer elitären Minderheit zählen. Ein Diesel-Fahrer in der Luxusklasse schien wie ein Vegetarier beim Schlachtfest: weise, aber fehl am Platz. Gerade in BMW-Kreisen galt der Nobel- Diesel als wenig schmackhaft. In Deutschland entfielen 1997 nur 8,7 Prozent der Siebener- Verkäufe auf die Diätversion 725 tds mit dem 2,5 Liter-Turbodieselmotor. Mit dem mageren Erfolg des Diesels soll es nun ein Ende haben: Der neue 730 d, das bestätigt schon der erste Fahreindruck, ist ein echter Vollwert- Siebener. Jedenfalls dürfte es schwerfallen, der neuen Dieselversion die Qualifikation für die Oberklasse abzusprechen.

Das Schlüsselwort heißt Common Rail. Wie zuvor schon Alfa Romeo und Mercedes greift nun auch BMW zur derzeit fortschrittlichsten Diesel- Technik. Ein gemeinsamer Druckspeicher vor den elektronisch gesteuerten Einspritzdüsen des Direkteinspritzers Eingarantiert konstante Einspritzdrücke von bis zu 1350 bar sowie eine besser dosierbare Kraftstoffversorgung der einzelnen Zylinder. Die Vorteile zeigen sich vor allem in der Laufkultur, die ein beim Selbstzünder bislang nicht gekanntes Niveau erreicht. Addiert man zum Common Rail-Bonus die Tatsache, daß der neue BMW-Diesel ein Reihensechszylinder im Stil des Hauses ist, dann sollte die im Siebener erforderliche Diskretion gewährleistet sein. Ist sie auch: Schon die erste Bekanntschaft mit dem 730 d läßt einen Grad von Kultiviertheit erkennen, der das Verbrennungsprinzip Lügen straft. 

Von den dieseltypischen Nagelgeräuschen ist im Innenraum praktisch nichts zu hören. Der Unterschied zu einem guten Benziner beschränkt sich auf eine dezente Grundrauhigkeit. Hinzu kommen die beim modernen Diesel geschätzten Krafteffekte. Mit 410 Newtonmeter Drehmoment liefert der Dreiliter-Turbodiesel fast die Werte des 4,4 Liter-V8 im 740i, nur bei deutlich niedrigerer Drehzahl (2000/min statt 3600/min) – genug jedenfalls, um die Toplimousine mit der standesgemäßen Mühelosigkeit zu bewegen. In Verbindung mit der bestens angepaßten Steptronic- Fünfgangautomatik (serienmäßig) erlebt der 730 d-Fahrer einen Antriebskomfort, der neue Dieselmaßstäbe setzt.

Daß dies mit großem technischem Aufwand verbunden ist, liegt auf der Hand. Der Dreiliter-Diesel ist nicht nur ganz neu (nur noch der Zylinderabstand gleicht dem bisherigen 2,5 Liter-Turbodiesel), sondern auch ganz up to date. Zu den Highlights des 184 PS-Aggregats gehören die erwähnte Common Rail- Technik mit Laufruhe stiftender Vor- oder Piloteinspritzung, Turbolader mit variabler Turbinengeometrie, Vierventiltechnik mit zwei obenliegenden Nockenwellen und Ventilsteuerung über Rollenschlepphebel sowie eine ölbefeuerte Zusatzheizung, die nach dem Kaltstart das Kühlwasser erwärmt. Von dieser geballten Ladung profitiert auch das Pflichtprogramm eines jeden Diesels: der Verbrauch. Im EU-Fahrzyklus kommt der leer 1830 Kilogramm schwere 730 d auf durchschnittlich 8,7 Liter/100 Kilometer, womit er den weitaus schwächeren 725 tds (143 PS) um 0,8 Liter unterbietet.

Zugleich kommt er in den Genuß einer Modellüberarbeiten, die den Siebener für die Konfrontation mit der neuen S-Klasse von Mercedes rüsten soll. Äußere Kennzeichen sind neue Scheinwerfer im Stil der Dreier-Reihe, chromunterlegte Rückleuchten und eine Zierleiste an der Kofferraumklappe. Ansonsten konzentriert sich die Modellpflege auf eine Anreicherung der Ausstattung. Minispots illuminieren die Türgriffe und den gesamten Einstiegsbereich. Die vorderen Sitzflächen wurden um zwei Zentimeter verlängert. Wer die bisher angebotenen Komfortsitze (Aufpreis 4450 Mark) wählt, kann sie nun für weitere 950 Mark mit hydraulisch bewegten Sitzflächen ordern.

Zwei Kammern im Innern heben dann auf Kopfdruck abwechselnd die linke und rechte Seite der Sitzfläche um 15 Millimeter an, wobei ein Zyklus etwa eine Minute in Anspruch nimmt. Damit soll Verspannungen der Rückenmuskulatur vorgebeugt werden. Weitere Neuerungen: Zum ESP, bei BMW DSC genannt, aber im 730 d nicht zu haben, gehört künftig ein Bremsassistent, der im Gegensatz zur Mercedes-Lösung nicht mit Unterdruck, sondern hydraulisch agiert und besser dosierbar sein soll. Und auf Wunsch gibt es erstmals eine automatische Reifendruckkontrolle (RDC) sowie eine Sprachsteuerung für Telefon und Navigationssystem, ganz zu schweigen vom elektrisch betätigten Kofferraumdeckel. Eines der stärksten Argumente für den neuen 730 d ist aber der Preis. Mit 96 700 Mark kostet er 100 Mark weniger als ein 728i mit Automatikgetriebe. So verlockend war bisher noch kein Diesel in der Oberklasse.  

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Technische Daten
BMW 730d
Grundpreis 49.953 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4984 x 1862 x 1435 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l
Hubraum / Motor 2926 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 135 kW / 184 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Verbrauch 8,8 l/100 km
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