Fahrbericht BMW 740d

Mit dem BMW 740d präsentieren die Bayern den weltweit ersten V8-Diesel in der Luxusklasse. Das hohe Drehmoment des Biturbo-Achtzylinders sorgt für ein Schubvergnügen der besonderen Art.

Kenner der Materie wissen: Die PS siegen am Stammtisch, das Drehmoment gewinnt auf der Straße. Denn das, was der Fahrer mittels Gaspedal an Schubkraft initiiert, ist in erster Linie das Resultat eines guten Drehmomentverlaufs.

Nun hat BMW mit dem 740 d einen Luxusdiesel vorgestellt, dessen Motor sich zu einem Drehmomentgipfel von 560 Newtonmetern aufschwingt und damit den bisherigen Spitzenreiter des Hauses, den Achtzylinder des BMW M5, um 70 Newtonmeter unter sich läßt. In Wahrheit handelt es sich bei dem Momentverlauf des 3,9 Liter großen Biturbo-V8 um ein tafelbergähnliches Gebirgsmassiv (siehe auch Diagramme auf Seite 94), das von 1750 bis 2500 Umdrehungen den Bestwert konstant hält, um dann moderat bis zur Drehzahlgrenze von 4300/min abzufallen. Kurz zuvor, bei 4000 Umdrehungen, wird die Höchstleistung von 245 PS erreicht, ebenfalls ein neuer Maßstab in der Dieselwelt.

Da herrscht natürlich kein Leistungsmangel, selbst in der durch den schwergewichtigen Achtzylinder-Diesel über zwei Tonnen wiegenden Siebener- Limousine. Im Gegenteil: Das Fahren im 740 d wird von der überragenden Schubkraft geprägt, die sich jenseits von 2000 Umdrehungen spontan, ohne turbotypische Ansprechverzögerung abrufen läßt.

Die Spontaneität wird oft unnötigerweise noch durch das Zurückschalten der Automatik verstärkt, deren Programm das Drehmomentangebot offenbar unterschätzt. Sofern die Strecke frei ist, geht es zügig weiter bis zur Höchstgeschwindigkeit, die mit 242 km/h nicht unbedingt auf einen Diesel schließen läßt.

Auch das Geräuschbild, zumindest im höheren Last- und Geschwindigkeitsbereich, zeigt kaum dieseltypische Anklänge. Diese werden dagegen bei Bummeltempo, wenn der Motor kaum gefordert wird, durchaus hörbar. Stark gedämpft zwar, tritt beispielsweise im Stadtverkehr vor allem bei wechselnder Drehzahl doch verhaltenes Nageln aus dem Motorraum.

Der Effekt wird verstärkt durch den relativ weich ausgelegten Wandler der serienmäßigen Fünfgangautomatik, die jede kleinste Änderung der Gaspedalstellung in eine Drehzahländerung umsetzt.

Aber der Wandler muß so weich sein, argumentieren die BMW-Techniker, um die für Turbodiesel typische Antrittsschwäche bei niedrigen Drehzahlen zu kompensieren. Trotzdem kommt dieser großvolumige Achtzylinder nur schwer aus den Startlöchern, wenn man beim Anfahren nicht zuvor die Leerlaufdrehzahl durch leichtes Gasgeben anhebt. Gibt man dann Vollgas, setzt der darauf folgende Schub mit einer Vehemenz ein, daß der Fahrer auch bei trockener Fahrbahn das Warnlicht der Antriebsschlupfregelung häufig aufflackern sieht. Sie ist beim 740 d im Fahrstabilitätsprogramm DSC integriert, das sowohl durchdrehende Räder als auch fahrdynamische Unregelmäßigkeiten durch elektronische Regeleingriffe korrigiert. Serienmäßig auch die dynamische Bremsenkontrolle DBC, die bei Not- oder Vollbremsungen selbsttätig den hydraulischen Bremsdruck erhöht und so Reaktionszeit und Bremsweg verkürzt.

Damit kann sich der Fahrer des 740d ziemlich unbeschwert dem überlegenen Leistungspotential seines Diesels hingeben, zumal das Fahrwerk des Siebeners auch ohne elektronische Helfer nach wie vor zum Besten zählt, was in dieser Klasse angeboten wird.

Dies gilt auch für den Federungskomfort, der durch das Gewicht noch an Geschmeidigkeit gewonnen hat. Auch sonst ist der 740 d ein komfortabel ausgestattetes Auto, das mit Klimaautomatik, Multifunktionslenkrad, CD-Radio und Tempomat fast alles hat, was eine Nobellimousine so braucht. Aber eben nur fast. Sitzheizung, Lederpolster und sogar die Servotronic, die der schwere Motor serienmäßig verdienen würde, kosten ebenso Aufpreis wie die High Tech-Optionen Gasentladungslicht, Navigationssystem oder Park Distance Control (PDC). So braucht man sich keine große Mühe zu geben, um den Preis eines 740 d auf 160 000 Mark oder mehr zu schrauben. Denn der Einstand ist mit 130 000 Mark nicht gerade niedrig.

Ein Sparauto ist der große Diesel-BMW also nicht, selbst wenn der Eurozyklus mit 9,8 L/100 km eine gewisse Genügsamkeit suggeriert. Doch um diesen Vorteil wirklich zu nutzen, müßte man sehr, sehr weit fahren und dabei auf das Faszinierende dieses Auto weitgehend verzichten: auf den Schub.

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Technische Daten
BMW 740d
Grundpreis 67.491 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4984 x 1862 x 1435 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l
Hubraum / Motor 3901 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 180 kW / 245 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 242 km/h
Verbrauch 9,8 l/100 km
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