Fahrbericht BMW M3 Coupé

Stärker und technisch ausgefeilter denn je präsentiert sich die jüngste Ausgabe des BMW M3. Das sportlichste Dreier-Coupé bietet einen hoch drehenden Sechszylindermotor mit 343 PS.

Die Leistungsgesellschaft zeigt wieder, was sie unter der Haube hat. Das dezente Outfit, das den Vorgänger des neuen BMW M3 auszeichnete, gehört der Vergangenheit an. Bei der Gestaltung der neuen Kraftmaschine, die zunächst ausschließlich als zweitüriges Coupé angeboten wird, durfte Chefdesigner Christopher Bangle für einen so extrovertierten Auftritt sorgen, wie ihn sich der gebürtige Amerikaner auch selbst verschrieben hat. Die M-Kundschaft, so sagen die Marktforscher, will es so, aber gleichzeitig wird bei der M GmbH eilfertig betont, dass keines der spezifischen Designmerkmale des neuen M3 reinen Showcharakter besitzt. Die Auswölbung der aus Aluminium bestehenden Motorhaube beispielsweise, von BMW zeitgerecht als Powerdome bezeichnet, wurde notwendig, um mehr Raum für die Durchlüftung des Motorraums zu schaffen. Die gegenüber den zivileren Vertretern der Dreier-Reihe breitere Spur und die üppigere Bereifung (Serie: vorn 225/45 ZR 18, hinten 255/40 ZR 18) bedingten eine Auswölbung der Kotflügel um zwei Zentimeter. Dazu neu gestaltete Front- und Heckschürzen, eine Spoilerlippe auf dem Kofferraumdeckel sowie eine Auspuffanlage mit vier Endrohren – fertig ist ein Sport-BMW, der schon im Stand die Muskeln spielen lässt. Die präsentieren sich in einer durchtrainierten Form wie noch nie in der bis 1986 zurückreichenden M3-Historie. Der M-Sechszylinder leistet nun 343 statt 321 PS und bringt es zudem auf ein höheres Drehmoment (365 statt 350 Newtonmeter). Die geringfügige Erweiterung des Hubraums von 3201 auf 3246 Kubikzentimeter, erzielt durch eine um winzige 0,4 Millimeter vergrößerte Zylinderbohrung, spielt dabei eine Nebenrolle. Um die spezifische Leistung auf den für einen Saugmotor höchst eindrucksvollen Wert von 106 PS/Liter zu bringen, musste durch eine Vielzahl interner Eingriffe, zu denen unter anderem eine leichtere Kurbelwelle und ein modifizierter Ventiltrieb gehören, das Drehzahlniveau erhöht werden.

7900 Umdrehungen braucht der mit einer neuen, in Eigenregie entwickelten Motorelektronik ausgerüstete Vierventiler, um seine Höchstleistung zu entwickeln. Die Drehmomentkurve gipfelt erst bei 4900/min in ihrem Maximalwert. Wer aus diesen Daten auf eine reinrassige Rennmotoren-Charakteristik schließt, sieht sich angenehm enttäuscht. Der M3-Motor zeigt ein schon bei niedrigen Drehzahlen so aus-geprägtes Durchzugsvermögen, dass es ohne weiteres möglich ist, auch im sechsten Gangzügig aus dem Drehzahlkeller zu beschleunigen. Dass die Betätigung der sechs Einzeldrosselklappen nicht mehr mechanisch, sondern auf elektronischem Weg erfolgt, hat dazu beigetragen, den Umgang mit der Hochleistungsmaschine noch problemloser zu gestalten. Dank dem dadurch viel leichtgängigeren Gaspedal lässt sich die Leistung feinfühlig dosieren. Während sich der M-Motor im unteren Drehzahlbereich bis auf das fauchende Ansauggeräusch ähnlich gesittet benimmt wie die weniger potenten BMW-Sechszylinder, entfesselt er bei Vollgas einen mächtigen Schub, der sich über den gesamten Drehzahlbereich gleichmäßig steigert. Blitzartig und ohne spürbare Vibrationen dreht der Motor in den unteren Gängen bis an seine Höchstdrehzahl von 8000/min. Die sechs Kolben sausen dabei mit einer mittleren Geschwindigkeit von 24 Meter pro Sekunde auf und ab, was fast dem Wert des Formel 1-Triebwerks von BMW entspricht (25m/s bei 18 000/min). Das BMW-typisch sehr exakt schaltbare Sechsganggetriebe wurde so ausgelegt, dass der M3 im zweiten Gang die 100-km/h-Marke geringfügig zu überschreiten vermag, bevor sehr weich der Drehzahlbegrenzer einsetzt. Nicht zuletzt deshalb soll es nach Werksangabe dem routinierten Fahrer gelingen, in nur 5,2 Sekunden auf 100 km/h zu beschleunigen. Lediglich im sechsten Gang stößt der M3 nicht mehr an seine Drehzahlgrenze. Bei der auf 250 km/h begrenzten Höchstgeschwindigkeit liegen knapp 6000 Umdrehungen an. Dass die stürmische Kraft problemlos auf den Boden gebracht werden kann, verdankt der M3 einer neu entwickelten Differenzialsperre an der Hinterachse. Tritt eine Drehzahldifferenz zwischen den beiden Antriebsrädern auf, erzeugt eine Ölpumpe Druck, der über einen Kolben auf die nach dem Lamellenprinzip arbeitende Sperre übertragen wird.

Im Extremfall kann so, im Gegensatz zu herkömmlichen Lamellensperren, das gesamte Antriebsmoment auf das Rad übertragen werden, das den besseren Reibwert vorfindet. Das Ergebnis, so lässt die erste Bekanntschaft mit dem M3 erkennen, fällt überzeugend aus. Selbst enge Kurven verlässt der BMW mit unerbittlich zupackenden Antriebsrädern. Ohne exzessiven Leistungsüberschuss zeigt der M3 ein durch nur leichtes Untersteuern gekennzeichnetes Eigenlenkverhalten. In Verbindung mit der präzisen Lenkung macht dies kurvenreiche Strecken zu einem Vergnügen, das allerdings auf schlechten Straßen empfindlich getrübt wird. Denn hohe Fahrsicherheit und sportliches Handling wurden mit einem speziell auf langen Bodenwellen stark eingeschränkten Schluckvermögen der Federung erkauft. Sollte der sehr hoch angesiedelte Grenzbereich überschritten werden, droht dem Fahrer längst noch keine Gefahr. Der bisher propagierten Philosophie, dass M-Piloten keine elektronische Fahrwerksregelung brauchen, hat BMW beim neuen M3 abgeschworen. Er besitzt serienmäßig das hier DSC (Dynamische Stabilitäts Control) genannte elektronische Stabilitätsprogramm, das in kritischen Situationen helfend einspringt. Der Eingriff erfolgt rigoroser, als sich das sportliche Fahrer wünschen. Hier wäre ein anwählbarer Sportmodus sinnvoller, der das DSC später ansprechen lässt. Billig ist sie nicht, die jüngste M-Kreation, die sich allerdings durch eine generöse Ausstattung auszeichnet, zu der nicht nur alle gängigen Sicherheitsmerkmale, sondern auch sehr bequeme Sportsitze mit variabler Lehnenbreite, Klimaautomatik, ein durch ein Ölthermometer ergänztes Instrumentarium und ein Reifendruck-Kontrollsystem gehören. In der Preisliste steht die runde Summe von 100.000 Mark. Ohne irgendwelche Extras, die in üppiger Fülle angeboten werden. Das ist viel Geld für einen Dreier-BMW, aber wenig für einen mit allen Wassern gewaschenen Sportwagen.

Technische Daten

BMW M3 Coupé
Grundpreis 56.900 €
Außenmaße 4492 x 1780 x 1372 mm
Kofferraumvolumen 410 l
Hubraum / Motor 3246 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 252 kW / 343 PS bei 7900 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 11,9 l/100 km
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