Fahrbericht Chrysler 300M

Nach sechs erfolgreichen Verkaufsjahren in den USA geht der Chrysler Vision in Pension. Mit energischerem Gesichtsausdruck tritt der Chrysler 300 M an seine Stelle. Sein Ziel: mehr Kunden in Europa zu finden.

Die Zahl 300 und der Buchstabe  dahinter kommen aus  der schon etwas ferneren Vergangenheit:  1955 machte ein  Chrysler 300 C als Vorbote der  amerikanischen Muscle Cars  mit 355 SAE-PS Furore.  Wegen des großen Erfolges  des automobilen Kraftaktes  gab es fortan zur Zahl 300  mit jedem Modellwechsel einen  neuen Buchstaben nach der  alphabetischen Reihenfolge. Ihren  Höhepunkt erreichten die  starken Stücke 1960 mit den  6,8 Liter Hubraum und den  405 SAE-PS des 300 F. Das  Ende der Buchstabenreihe kam  1965 mit dem 300 L. 

Nach einer flüchtigen Unterbrechung  von 33 Jahren folgt  nun zwangsläufig der 300 M,  der nach Chrysler-Zeitrechnung  allerdings schon ein Modell  des Jahrgangs 1999 ist. Von  der Größe und der Kraft der  frühen Jahre ist im stärksten  Fall etwas mehr als die Hälfte  übrig geblieben. Denn mit  den Motoren hält Amerika wegen  der engen Fesseln des gesetzlich  verordneten Flottenverbrauchs  nun gerne Maß.  Aber gegen die gußeiserne  Mehrheit der amerikanischen  Maschinen steht Chrysler mit  modernen Leichtmetall-Motoren  im weltweit beliebten V6-  Format. Der größere der beiden  hat 3,5 Liter Inhalt. Er ist die  Alu-Adaption des Vorläufers  mit Eisenblock und 3,2 Liter  Zylinderinhalt.  Die Konstruktion der Zylinderköpfe  blieb unverändert rationell.  

Auf jeder Seite betätigt  eine obenliegende Nockenwelle  vier Ventile pro Brennraum über Kipphebel. Das Ergebnis  ist, wie Chrysler nachrechnet,  der stärkste V6 seiner Klasse  mit 257 PS (189 kW) bei  forschen 6400/min und einem  Drehmoment von 346 Newtonmetern  bei 3950/min.  Für den Export gibt es zusätzlich  eine 2,7 Liter-Maschine  von modernerer Konstruktion  mit zwei obenliegenden  Nockenwellen auf jeder Seite  und der Betätigung der vier  Ventile pro Brennraum über  Tassenstößel.

Das Ergebnis  sind hier 203 PS (149 kW) bei  5800/min und ein Drehmoment  von 255 Nm bei 4900/min.  Die Karosserie des Vision-  Nachfolgers, die allenfalls dezente  Hinweise auf den Motor  gibt, ist äußerlich stattlich  (5025 mm) und im Innenraum geräumig mit einer sehr betonten  lichten Weite.

Damit will  Chrysler den 300 M vor allem  von europäischen Konkurrenten  unterscheiden, die das  Armaturenbrett dichter an und  um die Passagiere auf den vorderen  Plätzen rücken.  Ein Gefühl von distanziertem  und entspanntem Fahren  nach amerikanischer Art soll  durch dieses Design entstehen.  Nur bei der Abstimmung des  Fahrwerks wagten sich die  Konstrukteure nicht mehr so  weit wie früher auf Distanz. Die  Qualitäten folgen hier europäischen  Maßstäben.  Die Lenkung spricht keineswegs  federleicht, aber reaktionsschnell  an. 

Der Geradeauslauf  ist einwandfrei, und das  Kurvenverhalten bemüht sich  um mildes Untersteuern dicht  an der Grenze zur Neutralität.  Die Kraft der Motoren  macht sich zunächst deutlich  in der Lenkung bemerkbar. Ansonsten  pflegen die Maschinen  eine unauffällig ordentliche  Zusammenarbeit mit der Viergangautomatik,  deren Gänge  per Autostick von Hand in  sequentieller Manier gewählt  werden können.  Die große Maschine verrichtet  ihre Arbeit machtvoller  und, fast möchte man sagen,  amerikanischer, aber dazu fehlt  ihr doch die kultivierte Ruhe  alter Achtzylinder.

Denn sobald  Leistung gefordert wird,  agiert der große V6 mit bemühter  Brummigkeit.  Ganz anders ist da der kleine  Sechszylinder mit 2,7 Liter  Hubraum. Der kleine Doppelnockenwellen-  Motor bestätigt  seine moderne Konstruktion  mit ausgezeichneter Laufkultur  bis ans Drehzahllimit,  das der Computer exakt bei  6464/min setzt.  So stellt der kleine Motor  mit Abstand die bessere und  komfortablere Wahl für den  bequemen Chrysler 300 M dar.  Und der läßt eigentlich auch  keine anderen Wünsche offen  als den nach einem Roadster  mit dem kleinen Sechszylinder,  eventuell mit einem Sechsganggetriebe.     

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