Fahrbericht Chrysler Neon 2.0 Automatik

Eine stattlichere Karosserie mit besserer Ausstattung und höherer Qualität soll dem Chrysler Neon mehr Glanz verleihen.

In Deutschland war der 1994 eingeführte Chrysler Neon trotz seines schillernden Namens bislang keine Licht-Gestalt – eher eine Nicht-Gestalt. Im Gegensatz zu den USA, wo vom bereits ab 11 000 Dollar angebotenen Neon jährlich rund 250 000 Einheiten verkauft werden, stagniert der Absatz in Deutschland bei 1000 Stück pro Jahr.

Zum Vergleich: Für den Voyager-Van entscheiden sich in deutschen Landen per annum 9000 Kunden, für die Jeep-Geländewagen 7000 und für die Luxuslimousine 300M immerhin noch 2000. Getoppt wird der Neon-Flop nur noch vom Stratus, der gerade mal 600 Liebhaber findet. Die Ursachen für das farblose Abschneiden des Neon: falsche Positionierung durch Preise auf Niveau des Dreier- BMW und fehlende Werbeunterstützung, vor allem aber kleinwagenhaftes Styling, kleinkarierte Ausstattung und lieblose Verarbeitung. Aus diesen Fehlern haben die Chrysler-Leute dies- und jenseits des Atlantiks offenbar gelernt. Denn die zweite Neon- Generation, die ab 16. Oktober zu den 230 deutschen Chrysler- Händlern rollt, wirkt trotz der vertrauten Front mit den Kulleraugen- Scheinwerfern wie von einem neuen Stern.

Damit ist aber nicht der aus Stuttgart gemeint, denn die Mercedes- Männer waren in die Entwicklung der neuen Neon-Limousine noch nicht involviert. Nur bei der Feinabstimmung des Fahrwerks für Europa haben sie mit Hand angelegt. Die viertürige Stufenheck- Karosserie unterscheidet sich von der des Vormodells vor allem durch das stämmigere Erscheinungsbild, das im Heckbereich an den 300M erinnert. Das erwachsenere Aussehen lässt sich mit Zahlen belegen: Die Karosserielänge wuchs zusammen mit dem Radstand um 2,5 Zentimeter auf 4,39 Meter. Auch die Spurweite nahm vorn und hinten um rund 1,5 Zentimeter zu, was den Neon ganz anders auf der Straße stehen lässt. Bodenfreiheit und Federwege schossen ebenfalls nach oben, was das Styling jedoch etwas nach unten zieht.

Denn die je nach Ausstattung 15 oder gar nur 14 Zoll kleinen Räder (mit 185/60- oder 65- Bereifung) sehen in den großen Radhäusern verloren aus. Doch nicht nur außen sind des Chryslers neue Kleider sichtbar.

Durch die weiter ausgeschnittenen Türen fällt das Einsteigen leichter, die komfortableren Sitze mit vergrößertem Verstellbereich ermöglichen eine entspannte Haltung hinter dem höhenverstellbaren Lenkrad. Die Fondinsassen genießen nun mehr Beinfreiheit, und die Rückenlehnen lassen sich zum Erweitern des auf 371 Liter vergrößerten Kofferraums im Verhältnis 60:40 umklappen. Nach wie vor unbefriedigend allerdings die nach vorn wie hinten unübersichtliche Karosserie, die hohe Ladekante des Kofferraums, das geringe Tankvolu- men (47 Liter) sowie die Sitzposition der hinteren Insassen. Deren Köpfe stecken nämlich, von einer schraffierten Blende nur unzureichend vor Sonnenstrahlen geschützt, direkt unter der Heckscheibe. Erfreulich hingegen ist für alle Passagiere die – bis auf vorerst nicht lieferbare Sidebags – erweiterte Serienausstattung.

Schon das Basismodell SE (26 400 Mark) bietet Traktionskontrolle, Doppel-Airbags, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung. Beim LE (29 950 Mark) kommen unter anderem Klimaanlage und Cassetten- Radio dazu, beim LX (33 950 Mark) Nebelscheinwerfer, Leichtmetallfelgen und eine Lederausstattung, die sich im Gegensatz zu den von Konzernpartner Mercedes verarbeiteten Kuhhäuten auch ganz natürlich und nicht wie Kunststoff anfühlt. Allen Neon-Versionen ist das Bemühen um bessere Verarbeitung anzumerken. Die bei Armaturentafel, Mittelkonsole und Türverkleidung verwendeten Materialien sind sicht- und fühlbar höherwertig – verflogen ist der frühere Billig-Touch.

Auch die versteifte und deshalb auf welligen Pisten ruhigere Karosserie trägt zum gesteigerten Qualitätserlebnis bei. Unterwegs wartet der Neon mit weiteren Tugenden auf. Das Fahrwerk klingt nicht mehr poltrig, sondern scheint gut gegen Geräusche gedämpft zu sein.

Über die mit Querfugen und Schlaglöchern übersäten Freeways in und um Chicago, wo der neue Neon für erste Fahreindrücke zur Verfügung stand, rollte er bemerkenswert geschmeidig hinweg. Auch die Lenkung wirkt weniger stoßempfindlich und spricht zudem wegen einer direkteren Übersetzung spontaner an.

Vom Motor kann man das nicht behaupten. Der modifizierte und mit einer kürzeren Getriebe-Übersetzung versehene Zweiliter-Vierventiler (133 PS) – 2001 kommt noch ein zusammen mit BMW entwickelter 1,6-Liter hinzu – reagiert müde auf Gaspedalbewegungen und leistet sich lästige Beschleunigungslöcher.

Andererseits läuft er angenehm kultiviert und hebt erst jenseits von 4500 Touren seine Stimme, ohne jedoch richtig laut zu werden. Zurückhaltend bleiben auch die Verkaufsprognosen von Chrysler Deutschland. Mit einer Verdoppelung auf 2000 Neon jährlich wäre man schon glücklich. Mehr Erfolg verspricht man sich vom auf der Plattform des Neon basierenden Minivan P/T Cruiser, der im Sommer 2000 kommt.

Als Neon-Konkurrenten hat Chrysler nicht mehr Audi A4 und BMW Dreier im Auge, sondern den VW Bora und andere Stufenheck-Kompaktmodelle wie Ford Focus, Opel Astra, Renault Mégane und Fiat Marea. Da muss der neue Neon sein Licht wohl nicht unter den Scheffel stellen.

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Technische Daten
Chrysler Neon 2.0 LE
Grundpreis 17.225 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4390 x 1715 x 1421 mm
KofferraumvolumenVDA 371 l
Hubraum / Motor 1996 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 98 kW / 133 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 195 km/h
Verbrauch 8,8 l/100 km
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