Fahrbericht Chrysler Voyager

Mit der dritten, bei der Detroit Auto Show präsentierten Generation des Chrysler Voyager stützt die Marke den Abverkauf ihres Bestsellers, der viel Feinschliff erfahren hat.

Als wir uns an die Arbeit machten, bekamen wir unvorhergesehene Probleme: Jeder hielt uns für verrückt“,
skizziert Gordon L. Rinschler, oberster Minivan-Entwickler bei Chrysler, die Resultate erster Planungssitzungen zum Aufbau eines Voyager-Nachfolgers. „Man fragte uns, was an einem Auto zu ändern sei, das weltweit die Nummer eins in seinem Segment darstellt, mit steigender Tendenz.“

Über acht Millionen Chrysler Voyager wurden bislang an überwiegend familienfreundliche Vereinigungen vergeben, dies seit 1983 und aufgeteilt in gerade mal zwei Modell-Generationen. Chrysler spricht selbst von der dritten Generation, denn die kantige Erstausgabe erhielt etwa zur Mitte ihrer Laufzeit ein markantes Facelift.

Was jetzt auf der Detroiter Auto-Show als Neuerfindung des Begriffs Minivan gefeiert wird, entspricht wohl eher auch dem Grundsatz einer umfas-senden Modell-Überarbeitung. Denn zu stark sind die Verwandtschaftslinien zum aktuellen Modell, was sich optisch wie auch technisch deutlich
dokumentiert.

Den größten Quantensprung begeht das Erfolgsmobil allerdings im Interieur, bei dem eigentlich kein Stein auf dem anderen blieb. Noch mehr Variabilität, noch mehr Platz, noch mehr Eigenheim-Atmo-sphäre – getreu dem Chrysler-Wahlspruch „Minivans werden übers Interieur verkauft“ (Design Vice President Trevor M. Creed).     

Zu einer völlig neu gestalteten Instrumentenkonsole mit Anzeigen, Kontroll-Leuchten und Schaltern satt fügen sich nun auch Goodies wie Seiten-Airbags, ein Dreizonen-Klimasystem, Ablagemöglichkeiten überall und natürlich die von Chrysler schon bekannte, aber verfeinerte Möglichkeit des durch demontierbare Sitze individuellen Innenraum-Arrangements. Der Clou der jüngsten Voyager-Generation steckt aber in den Türen und in der Heckklappe des Multitalents. Hier besorgen Elektromotoren im Verbund mit Zahnradantrieben künftig das Öffnen und Schließen – natürlich gegen Aufpreis, den Chrysler für eine Tür zur Zeit mit 1000 Mark
kalkuliert. Noch ein Novum: Die Mittelkonsole mit Ablagefächern ist im Prinzip frei beweglich und kann sowohl zwischen den vorderen Sitzen als auch zwischen der Mittelreihe justiert werden.

Der Minivan, der zur Jahresmitte 2001 nach Deutschland kommen soll, basiert auf der bislang eingesetzten Plattform. Gleichwohl wurden die Geometrie des Fahrwerks überarbeitet und neue optische Highlights rundum verteilt. Der Grill im Stil von Chrysler-Prototypen und -Limousinen ist augenfälligstes Beispiel einer gekonnten Modellpflege, die eine Brücke zwischen der bekannten Version und einer neuen Konzernausrichtung schlägt.

Besonders stolz verweisen die Voyager-Mannen auch auf eine ganze Reihe von Sicherheitsfeatures, die das Modell zum sicheren Kandidaten aller Standard-Prüfungen machen soll. Die neue, insgesamt zehn Prozent steifere Struktur des Wagens umhüllt beispielsweise eine komplett neue Aufhängung der Lenksäule oder Schäume im Kopfbereich der Passagiere.

All die Maßnahmen, die dem Voyager zugute kamen, tragen peu à peu dazu bei, von einem noch ausgereifteren, noch harmonischeren Auto sprechen zu können. Ein Kurvenräuber ist der Chrysler noch lange nicht, aber ein durch und durch ausgewachsener Vertreter seiner Gattung. Besonders die ruhige Art des Dahingleitens gehört auf die Habenseite des neuen Voyager, aber auch sichere Fahreigenschaften in höheren Tempi.

Diesem Modell ist in fast allen Disziplinen anzumerken, dass seine Entwicklungscrew gewusst hat, was sie tat. Dazu tragen die leichtgängige und genügend mitteilsame Lenkung bei und Bremsen, die auch
nach mehreren Vollbremsungen nicht den Eindruck einer Schwäche hinterließen.

Kein Zweifel: In der aktuellen Ausgabe hat der Chrysler Voyager vielleicht keine absolut neuen Maßstäbe gesetzt –
so gut müssen andere aber erst
noch werden.

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