Fahrbericht Fiat Punto

Der Fiat Punto, das Brot-und-Butter-Auto der gerade 100 Jahre alt gewordenen italienischen Automarke, wird abgelöst: Der Nachfolger trägt eindeutige Charakterzüge des bekannten Kleinwagens.

Moderne Zeiten: Der neue Fiat Punto, der den seit 1993 gebauten Vorgänger nach einer verkauften Auflage von 3,3 Millionen ablöst, ist das erste Modell des italienischen Konzerns, das fast ausschließlich am Computer entworfen wurde.

Die elektronische Darstellung von Karosserien oder Sicherheitselementen gehört zwar zum Alltag von Automobil- Entwicklern, die Punto-Ingenieure reklamieren aber einen noch nie zuvor betriebenen Aufwand an der Tastatur. Erst nach den Entscheidungsfindungen am Bildschirm wurden Prototypen angefertigt, die dem neuen Kleinwagen seine endgültige Gestalt gaben. Der Deutsche Peter Faßbender (siehe Kasten auf Seite 26) steht dem Fiat-Design als Exterior- Chef vor – er beschreibt die Vorteile des erstmals erprobten Entwicklungsablaufs: „Wir haben damit unglaublich viel Zeit gespart. Vom ersten Computerausdruck des Neuen bis zum fertigen Modell vergingen gerade mal 38 Monate.“

Was in wenig mehr als nur drei Jahren nun von den Fließbändern rollt, soll die Botschaft des alten Punto konsequent weitertragen: ein preiswertes, handliches Auto mit einem hohen Maß an Nutzwert. Folglich gibt es den Kleinwagen wieder als Zwei- und Viertürer – diesmal aber mit einem klar getrennten optischen Auftritt. Die Rolle des jungen Wilden kommt dem zweitürigen Modell zu, von dem sich Fiat einen Marktanteil von rund 60 Prozent aller Punto-Verkäufe verspricht.

Den Rest des Absatzes soll der Viertürer regeln, den Fiat eher als Mobil für die Familie positioniert. Der in drei Fiat-Werken (Mirafiori, Melfi und Termini Imerese) gebaute Kleinwagen trägt die Botschaft eines Namens, der dieses Jahr 100 Jahre alt wurde.

Dies zu untermauern ist Aufgabe eines neuen Markenlogos, mit dem der Punto eine Brücke zurück schlägt: Das runde Typenschild ersetzt die fünf Querstriche des bisherigen Entwurfs und wird peu à peu bei allen Fiat-Modellen eingesetzt. Neben den Karosserieversionen streut die Marke den Bestseller natürlich mit der probaten Methode des Motorund Ausstattungsmix’. Insgesamt wird es den Punto europaweit in 23 verschiedenen Ausführungen geben. Dazu gehört auf dem deutschen Markt die Aufsplittung in vier verschiedene Motoren: Das Basismodell, dem Fiat immerhin 74 Prozent Verkaufsanteil prognostiziert, wird von einem 60 PS starken, 1,2 Liter großen Fire-Zweiventiler befeuert. Darüber rangiert der gleiche Benziner – diesmal aber mit Vierventilkopf und 80 PS. Als sportliche Überhöhung fungiert der 131 PS starke 1,8 Liter-16 V aus dem Barchetta.

Dazu gibt es im Rest der Welt noch zwei Diesel mit 1,9 Liter Hubraum, von denen Fiat Deutschland nur die 80 PS starke Turbodiesel-Variante namens JTD mit Common Rail- Direkteinspritzung anbieten wird – der Saugdiesel mit 60 PS Leistung bleibt außen vor. In Sachen Ausstattung schielt die Marke nach einer nächsthöheren Klasse und verbaut in dem Kleinwagen alle Goodies, die sonst nur bei Golf & Co. geordert werden können. Navigationssystem? Kein Problem. Seitenairbags? Selbstverständlich. Sequentielles Getriebe? Lieferbar. Insgesamt ist mit einer schier unüberschaubaren Zahl von Ausstattungsversionen ein Punto light ebenso darstellbar wie Sportmodelle mit der folgerichtigen Bezeichnung Sporting oder HGT.

Die Preise werden sich im übrigen am Vorgängermodell orientieren: Fiat rechnet inklusive der üblichen Ausstattungsbereinigung mit einem Einstiegspreis von unter 19 000 Mark, während das Topmodell irgendwo in den Regionen von 32 000 Mark rangieren soll.

Der Uno-Nachfolger der zweiten Generation hat endgültig ein wenig die Niederungen einer Klasse verlassen, die ihn zum Konkurrenten von VW Po- lo oder Opel Corsa stempeln. Besonders der viertürige Punto verdeutlicht dies mit einem großen Innenraum, der fünf Personen kommoden Transport anzubieten hat. Allerdings fällt auf, daß es mittlerweile optisch wesentlich interessantere Lösungen zur Innenarchitektur eines Autos gibt, als sie Fiat in einem Auto des Jahrgangs 1999 präsentiert – die grauen Verkleidungen des Cockpits wirken schlicht und ergreifend langweilig. Zur Überraschung abgeklärter Punto-Fahrer hat das Chassis des neuen Modells vor allem in Richtung Fahrdynamik ordentlich gewonnen.

Die nicht mehr zeitgemäße Behäbigkeit des bislang eingesetzten Fahrwerks beim Umrunden von Kurven aller Art wurde abgelegt – der Neue erweist sich als munteres Auto mit anständiger Handlichkeit. Dazu kommen ordentlich zupackende Bremsen und ein relativ neutrales Fahrverhalten des Fronttrieblers. Gegenüber dem Vorgängermodell hat die Nummer zwei auch im Fahrkomfort gewonnen: Motor- und Windgeräusche konnten ebenso reduziert werden wie das Poltern aus den Schächten des Fahrwerks beim Kreuzen von Bodenunebenheiten.

Im letzten Punkt scheint der Punto aber noch nicht völlig an die Qualität seiner besten Konkurrenzmodelle heranzukommen. Dennoch kann dem neuen Punto ein ordentlicher Zugewinn in der Summe aller Eigenschaften bescheinigt werden – nichts anderes ist zu erwarten von einem Modell, mit dem die Marke den 100. Geburtstag begeht.

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