Fahrbericht Ford Explorer 4.0 V6

Wenn es einen Oscar dafür gäbe, mit geringem Aufwand bei einem Auto für ein neues Erscheinungsbild zu sorgen, hätte ihn zweifellos die Marke mit dem blauen Oval verdient. Bestes Beispiel hierfür: der Geländewagen Explorer, Ausgabe 1995.

In Amerika ist Ford, hinter dem allmächtigen General Motors-Konzern, nur die Nummer zwei. Aber wenn es einen Oscar dafür gäbe, mit geringem Aufwand bei einem Auto für ein neues Erscheinungsbild zu sorgen, hätte ihn zweifellos die Marke mit dem blauen Oval verdient. Das beste Beispiel dafür: der Geländewagen Explorer (Forscher), Ausgabe 1995. Die neueste Version bietet mit ihrer rundlicher gewordenen und mit einem ganz neuen Kühlergrill verzierten Frontpartie eine dermaßen modernisierte Optik, daß es wohl nur dem Kenner auffällt, daß der rückwärtige Teil der Karosserie fast unverändert vom Vorgänger übernommen wurde. Mit üppigem Platzangebot und dem geräumigen, variablen Kofferabteil ist der Explorer, der in Deutschland nur als Viertürer angeboten wird, durchaus noch auf der Höhe der Zeit.

Ein völlig neugestaltetes Armaturenbrett mit übersichtlichen Rundinstrumenten und großen, handfesten Bedienungsknöpfen hat die Funktionalität klar verbessert, die vorderen Sitze würden mit ihrer straffen Polsterung und der körpergerechten Ausformung auch gut in einen Sportwagen passen. Hinten allerdings sitzt man nicht annähernd so gut, weil die Bank zu zierlich dimensioniert wurde, um den Eindruck eines reichlichen Knieraums hervorzurufen. Auch die Kopfstützen sind recht mickrig ausgefallen, was nur den einen Vorteil hat, daß sie in der Rückenlehne steckenbleiben können, wenn diese zur Vergrößerung des Kofferraums umgeklappt wird.

Ansonsten bewegt sich die sicherheitsrelevante Ausstattung des Explorer durchaus auf hohem Niveau. Höhenverstellbare Gurte gehören ebenso dazu wie zwei Airbags – keine Selbstverständlichkeit bei Geländewagen der mittleren Preisklasse.

Trotz der eher bescheidenen Modifikationen an der Karosserie darf der Explorer mit Fug und Recht als neues Auto bezeichnet werden, denn an Fahrwerk und Antriebsstrang gibt es umfangreiche Änderungen. Die fordtypische Vorderachse mit zwei gekreuzten Achskörpern, eine eigenwillige Konstruktion mit großen ungefederten Massen und geringer Bodenfreiheit, gehört der Vergangenheit an. Jetzt besitzt der Explorer eine klassische Aufhängung mit doppelten Querlenkern, die durch längsliegende Federstäbe ergänzt wird.

Das Fahrverhalten hat damit und durch die neue Zahnstangenlenkung seinen lastwagenähnlichen Charakter völlig verloren. Der Geradeauslauf auch auf schlechten Straßen erscheint deutlich verbessert, die exakte Reaktion auf Lenkbewegungen entspricht nahezu dem, was man von herkömmlichen Limousinen gewohnt ist. Allein der Federungskomfort fällt immer noch etwas rustikal aus, wofür in erster Linie die traditionell an Blattfedern aufgehängte hintere Starrachse verantwortlich ist.

Einen technischen Vorsprung gegenüber einem der wichtigsten Explorer-Konkurrenten, dem ebenfalls neuen Blazer von Chevrolet, verspricht sich Ford von einem neuen Allradsystem mit der Bezeichnung Control Trac. Auch hier handelt es sich prinzipiell um ein Konzept mit Hinterradantrieb und bei Bedarf zugeschalteter Vorderachse. Im Normalfall bewegt sich der Explorer also mit nur zwei angetriebenen Rädern.

Erwartet der Fahrer Bedingungen, die Allradantrieb ratsam erscheinen lassen, kann er mit einem Drehschalter im Armaturenbrett 4WD vorwählen – und zwar auch auf griffiger Straße, wo ein herkömmliches System wegen des starren Durchtriebs für Verspannungen im Antriebsstrang sorgen würde. Der Explorer vermeidet dies durch eine Öldruck-Lamellenkupplung im Verteilergetriebe, die auf Drehzahlunterschiede zwischen Vorder- und Hinterachse reagiert und bei Schlupf sofort Vorderradantrieb zuschaltet.

Das erleichtert die Bedienung bei ständig wechselnden Straßenbedingungen. Immer im Allradmodus zu fahren, empfiehlt sich aber nicht, weil spürbare Vibrationen im Antriebsstrang auftreten. Mit Laufkultur wird der Explorer-Fahrer ohnehin nicht verwöhnt. Der vier Liter große V6-Motor, von der deutschen Ford-Filiale in die USA geliefert, blieb gegenüber dem Vorgängermodell unverändert und zeigt die gewohnt ungehobelten Manieren. Einigermaßen ruhig läuft er nur im unteren Drehzahlbereich.

Sobald jedoch Leistung gefordert wird, gibt er ein rauhes Brummen von sich und ist auch mit Vibrationen nicht zurückhaltend. Das einzig Positive an der Antriebseinheit bleibt so die schnell reagierende und ruckarm schaltende Viergangautomatik. Die Verbesserungen in vielen Bereichen rechtfertigen jedenfalls den Optimismus von Ford, daß der Explorer auf dem heimischen Markt seine Position als bestverkaufter Geländewagen seiner Klasse festigen kann. Und auch für Deutschland sind die Aussichten, obwohl die Verkaufszahlen von Geländewagen unter Schwindsucht leiden, nicht schlecht. Dafür wird schon ein attraktiver Preis sorgen, der voraussichtlich bei rund 55 000 Mark liegen wird.

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Technische Daten
Ford Explorer 4.0
Grundpreis 33.387 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4789 x 1874 x 1830 mm
KofferraumvolumenVDA 1136 bis 2254 l
Hubraum / Motor 4011 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 152 kW / 204 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 171 km/h
Verbrauch 13,7 l/100 km
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