Ford Focus im Fahrbericht

Die Kompaktklasse für die ganze Welt

Ford Focus Foto: Karl-Heinz Augustin 20 Bilder

Der neue Ford Focus tritt als Weltauto an. Damit lernt Ford von McDonald’s: Ein Produkt muss sich überall verkaufen lassen. Mit an Bord: so viele Sicherheitssysteme, dass auch die Golf-Szene aufgerüttelt wird.

Der neue Ford Focus ist ein Hochbegabter. Einer, der nicht nur fahren will – das konnte er bislang schon gut -, sondern auch Schutzengel sein möchte. Dazu hat er jede Menge Sicherheits-Assistenten an Bord. 

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Armada von Assistenzsystemen

Den Toten-Winkel-Warner etwa: Das System bemerkt Fahrzeuge, die hinter den C-Säulen verschwinden, und warnt den Fahrer mit einem orangefarbenen Lichtpunkt im jeweiligen Außenspiegel. Verkehrszeichen liest der Ford Focus über eine Kamera in der Frontscheibe und zeigt sie als Symbole im Cockpit an. Nicht nur Flensburger Punktesammler werden die Alarmfunktion der Technik schätzen, die bei zu hohem Tempo das aktuelle Limit aufflackern lässt.

Bei der Art der Spurüberwachung geht der Ford Focus neue Wege: Die Technik lässt den Fahrer wählen, ob beim versehentlichen Verlassen der Fahrbahn das Lenkrad vibrieren oder das Auto selbstständig gegensteuern soll. Neu ist auch die automatische Auf- und Abblendfunktion. Wer sie im Bordcomputer aktiviert, kann alle Finger im Dunklen am Lenkrad lassen – der Assistent entscheidet mit Hilfe einer Kamera, wann und wie lange das Fernlicht eingeschaltet wird.

Überlebenswichtig kann der Notbremsassistent sein, der bis 30 km/h drohende Auffahrunfälle erkennt – und eigenständig in die Eisen steigt. Automatisch Abstand halten beherrscht der neue Ford Focus übrigens auch. Machen wir es also kurz: So viele elektronische Schutzengel hat momentan keiner in der Golf-Klasse. Allerdings gibt’s die moderne Technik nicht umsonst, wobei Ford fair bleibt. In der Vorab-Preisliste – die endgültige folgt Anfang Februar – kosten die meisten Helferlein im Paket für die zweitbeste Ausstattung Trend 1.375 Euro. Da Ford möglichst hohe Stückzahlen absetzen möchte, ist der dritte Ford Focus ein Allerweltswagen, der in 120 Ländern angeboten wird. Ob Köln-Nippes oder Tahiti: 80 Prozent der Teile sind dabei immer gleich – den größten Unterschied machen meist die Motorisierungen aus.

Kaum gewachsen

Der Grund, warum der frische Ford Focus überall so vertraut wirken dürfte, verraten die Dachlinie und das Pummelheck mit hoch angebrachten Leuchten. Die kennen wir nämlich schon vom Fiesta. Glücklicherweise folgt die Marke nicht dem Viel-länger-ist-viel-besser- Trend, so dass der Neue mit 4,36 Metern seinen Vorgänger nur um rund zwei Zentimeter toppt. In Höhe und Breite nimmt er jeweils 16 Millimeter ab. Vorn und hinten sitzt man trotzdem gern und ahnt nichts vom überholten Klappmechanismus der Rückbank. Wie vor 20 Jahren müssen im Fahrbericht erst Sitzflächen hoch, bevor die geteilte Lehne flach gelegt werden kann. Enttäuschend sind zudem die kratzempfindlichen Kunststoffe im Kofferraum des Ford Focus – sicher das Werk eines übereifrigen Rotstifts.

Die Verarbeitung des Cockpits wirkt überzeugender, wobei auch hier nicht alle Spaltmaße stimmen. Ford betont, es handle sich um ein Fahrzeug aus der Vorserie. Wollen wir’s hoffen. Und auf das Acht-Zoll-Navigationssystem warten, das mit Berührungsbildschirm weniger Tasten auf die hohe Mittelkonsole bringt als das zum Start angebotene Sony-System für 1.200 Euro (nur für Ausstattung Titanium). Abgesehen von der verwirrenden Bedienung fällt dessen Vier-Zoll-Display – wie beim C-Max – zu winzig aus.

Gelungene Fahrwerksabstimmung, überwiegend bekannte Motoren

Schön, dass Ford das Motto „Wahre Größe kommt von unten“ nicht vergisst: Beim Fahrwerk des Ford Focus klotzen die Entwickler traditionell ran, schließlich hat der Kompakte satt auf der Straße zu liegen. Punkt. Nummer drei tut es, rollt sauber ab und federt nicht zu straff. Nur die optionalen 17-Zöller (350 Euro, für Titanium) neigen zum Poltern.

Viel Fleiß steckt auch in der Abstimmung der nun elektrischen Lenkung, die im Fahrbericht stets exakt übermittelt, was die Vorderräder treiben. Wenig überraschend geht es unter der Haube zu, weil Ford nur zwei neue Motoren bietet: den 1.6-Ecoboost-Benziner  und den Zweiliter-Diesel mit 163 PS. Alle übrigen Vierzylinder sind wie alte Kollegen: Man kennt ihre Schwächen – aus dem Vorgänger. Das weiß Ford und verspricht Besserung. Vielleicht lässt sich dann auch die etwas langsam schaltende Doppelkupplungsbox mit den Benzinern verkuppeln.

Wegen mäßiger Nachfrage beim noch aktuellen Modell steht für den Ford Focus erst mal kein Zweitürer an, Focus Turnier und Focus Stufenheck folgen im Sommer. Bis dahin wird der Focus Viertürer Erfolg ernten. Denn egal, ob er einer für alle ist – er ist einer für uns.

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